Startseite » Archive für HörMal Audiodeskription

HörMal Audiodeskription

Als Dienstleister unterstützen wir bei der Umsetzung von Barrierefreiheit bei Veranstaltungen. Wir sind Experten im Bereich Live-Hörbeschreibungen (Live-Audiodeskription) als inklusiver Service für Menschen mit jeglichen Formen von Seheinschränkungen. Wir haben uns 2019 in Leipzig gegründet.

Sächsischer Inklusionspreis 2020: Ein Farbfoto von der Preisverleihung des sächsischen Inklusionspreises 2020. Die Preisträger Peter Lomb, Tomke Koop und Florian lächeln in die Kamera und halten jeweils eine Urkunde, einen Blumenstrauß und einen großen Scheck über 1.000 Euro. Neben ihnen steht ein großer Aussteller mit der Aufschrift „Sächsischer Inklusionspreis 2020. Preisträger in der Kategorie Barrierefreiheit & Infrastruktur, HörMal Audiodeskription gUG, Hörerlebnisse und Begegnungen schaffen – Live-Hörbeschreibungen zur Barrierefreiheit.“ Zudem steht neben ihnen Stephan Pöhler, der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange für Menschen mit Behinderung.

03.12.2020 | DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther ist stolz

 

Sächsischer Inklusionspreis 2020: Ein Farbfoto von der Preisverleihung des sächsischen Inklusionspreises 2020. Die Preisträger Peter Lomb, Tomke Koop und Florian lächeln in die Kamera und halten jeweils eine Urkunde, einen Blumenstrauß und einen großen Scheck über 1.000 Euro. Neben ihnen steht ein großer Aussteller mit der Aufschrift „Sächsischer Inklusionspreis 2020. Preisträger in der Kategorie Barrierefreiheit & Infrastruktur, HörMal Audiodeskription gUG, Hörerlebnisse und Begegnungen schaffen – Live-Hörbeschreibungen zur Barrierefreiheit.“ Zudem steht neben ihnen Stephan Pöhler, der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange für Menschen mit Behinderung.

Die Preisträger des sächsischen Inklusionspreises 2020 in der Kategorie Barrierefreiheit und Infrastruktur: Peter Lomb, Tomke Koop und Florian Eib von HörMal Audiodeskription und der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung bei der Preisverleihung. Foto: Geschäftsstelle des Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen; Swen Reichhold

„Sächsischer Inklusionspreis 2020 geht an die Macher der DHfK-Audiodeskription“

Quelle: SC DHfK Leipzig vom 03.12.2020 / Autor: John Wieden

Was für eine Überraschung! Die Macher der Audiodeskription des SC DHfK Handball haben den Sächsischen Inklusionspreis 2020 gewonnen. Am Donnerstag wurde die HörMal Audiodeskription mit dem Inklusionspreis in der Kategorie Barrierefreiheit und Infrastruktur ausgezeichnet.

Als einer der Vorreiter in der Handball-Bundesliga was das Thema Inklusion betrifft, gibt es bei den Heimspielen des SC DHfK Leipzig bereits in der 5. Saison in Folge eine Audiodeskription bei jedem Heimspiel. Die Spielbeschreibung für sehbehinderte und blinde Handballfans durch geschulte Reporter hatte im Jahr 2017 als ehrenamtliches Projekt begonnen. In Zusammenarbeit mit der Handball-Bundesliga GmbH waren die DHfK-Blindenreporter bereits bei anderen Handball-Großveranstaltungen, wie dem Pixum Super Cup und dem All Star Game im Einsatz. Außerdem berichteten sie per Audiodeskription ebenfalls von der Handball-WM der Frauen 2017 sowie der Heim-WM 2019 der Männer.

Inzwischen hat das Team um Florian Eib, Peter Lomb und Tomke Koop professionelle Strukturen geschaffen. 2019 gründeten sie die HörMal Audiodeskription und setzen sich dort nicht nur beim Handball, sondern bei ganz vielen Großveranstaltungen für Teilhabe und Barrierefreiheit ein. Obwohl das Jahr 2020 große Herausforderungen mit sich brachte und viele geplante Sport- und Kulturveranstaltungen mit Audiodeskription abgesagt werden mussten, startete die HörMal Audiodeskription in diesem Jahr zahlreiche neue Projekte und entwickelte viele digitale Formate für ihre Zielgruppe. Gemeinsam mit dem SC DHfK Handball arbeiteten sie beispielsweise an barrierefreien Sport-Mitmacht-Videos für Kinder.

„Wir gratulieren der HörMal Audiodeskription ganz herzlich und sind sehr stolz darauf, dass dieses Projekt, was vor mehr als vier Jahren bei unserem ersten Inklusionsspieltag seinen Anfang genommen hat, heute mit so einer großartigen Auszeichnung prämiert wurde. Neben ihrem Engagement bei uns, hat die HörMal Audiodeskription bereits internationale Großereignisse begleitet und ihren Service mittlerweile auf ganz viel Sport- und Kulturveranstaltungen ausgeweitet. Das ist eine ganz spannende Geschichte, die zeigt, was möglich ist, wenn ein paar „positiv Verrückte“ bereit sind, anzupacken und ihren Enthusiasmus einzubringen“, freut sich DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther.

Die traditionelle Preisverleihung vom Sächsischen Inklusionspreis fand angesichts der aktuellen Corona-Schutz-Bestimmungen diesmal nicht im Sächsischen Landtag in Dresden, sondern beim Kommunalen Sozialverband in Leipzig statt. Insgesamt 60 Einrichtungen und Initiativen hatten sich mit eindrucksvollen Beispielen um den Inklusionspreis beworben.

Sächsischer Inklusionspreis 2020: Ein Farbfoto von der Preisverleihung des sächsischen Inklusionspreises 2020. Die Preisträger Peter Lomb, Tomke Koop und Florian lächeln in die Kamera und halten jeweils eine Urkunde, einen Blumenstrauß und einen großen Scheck über 1.000 Euro. Neben ihnen steht ein großer Aussteller mit der Aufschrift „Sächsischer Inklusionspreis 2020. Preisträger in der Kategorie Barrierefreiheit & Infrastruktur, HörMal Audiodeskription gUG, Hörerlebnisse und Begegnungen schaffen – Live-Hörbeschreibungen zur Barrierefreiheit.“ Zudem steht neben ihnen Stephan Pöhler, der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange für Menschen mit Behinderung.

Gewinner: Sächsischer Inklusionspreis 2020​

Gewinner: Sächsischer Inklusionspreis 2020

Sächsischer Inklusionspreis 2020: Ein Farbfoto von der Preisverleihung des sächsischen Inklusionspreises 2020. Die Preisträger Peter Lomb, Tomke Koop und Florian lächeln in die Kamera und halten jeweils eine Urkunde, einen Blumenstrauß und einen großen Scheck über 1.000 Euro. Neben ihnen steht ein großer Aussteller mit der Aufschrift „Sächsischer Inklusionspreis 2020. Preisträger in der Kategorie Barrierefreiheit & Infrastruktur, HörMal Audiodeskription gUG, Hörerlebnisse und Begegnungen schaffen – Live-Hörbeschreibungen zur Barrierefreiheit.“ Zudem steht neben ihnen Stephan Pöhler, der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange für Menschen mit Behinderung.

Die Preisträger des sächsischen Inklusionspreises 2020 in der Kategorie Barrierefreiheit und Infrastruktur: Peter Lomb, Tomke Koop und Florian Eib von HörMal Audiodeskription und der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung bei der Preisverleihung. Foto: Geschäftsstelle des Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen; Swen Reichhold

Noch am Abend unserer Auszeichnung konnten wir mit Martin Hoch bei Secondradio sprechen. In seiner Sendung „HOCHAktuell“ haben Tomke und Florian Rede und Antwort gestanden.

Was für eine tolle Überraschung! Wir sind in der Kategorie „Barrierefreiheit und Infrastruktur“ mit dem Sächsischen Inklusionspreis 2020 ausgezeichnet. Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass wir uns gegründet haben. Seitdem haben wir uns mit viel Leidenschaft unserem Thema Live-Audiodeskription bei Veranstaltungen gewidmet. Bis Ende 2019 konnten wir bereits einige Großveranstaltungen barrierefreier gestalten. Zuvor schon haben wir schon mit nationalen Sport- und lokalen Kulturverbänden zusammengearbeitet, damals noch ohne einen offiziellen Namen. An dieser Stelle vielen Dank an alle unsere Partner für das Vertrauen und die stetige und hoffentlich auch zukünftige Zusammenarbeit!

Etwa zwanzig sehbehinderte und blinde Gäste sitzen in zwei Stuhlreihen am Rand eines Handballspielfeldes. Sie haben Kopfhörer auf und empfangen eine Audiodeskription, um dem Handballspiel beim Pixum-Supercup in Düsseldorf folgen zu können.

Sehbehinderte und blinde Gäste bei einer Großveranstaltung in Düsseldorf. Über Kopfhörer empfangen sie die Spielbeschreibung eines Handballspieles von geschulten Reportern, Foto: Florian Eib.

Ein Jahr voller Herausforderungen

Das Jahr 2020 war dann wahrlich kein einfaches für uns. Viele unserer geplanten Events wurden abgesagt, langfristige Vorbereitungen stellten sich als unnötig heraus. Für uns war das allerdings kein Grund, die Füße hoch zu legen. Im Gegenteil: Wie viele anderen haben wir versucht, unsere Veranstaltungen ins Digitale zu verlegen. So konnten wir unter anderem mit dem Theater Lübeck eine Online-Theater-Veranstaltung mit Audiodeskription ausstatten. Wir haben gemeinsam mit dem SC DHfK Leipzig an barrierefreien Sport-Mitmacht-Videos gearbeitet. Nicht zuletzt haben wir mit unserem Podcast SICHTBAR ein Format entwickelt, bei dem wir einem unserer Kernziele noch näher kommen – Menschen mit Behinderung stärker in den gesellschaftlichen Fokus rücken. In unserem Podcast kommen wir mit Menschen ins Gespräch, die über ihr Leben mit einer Behinderung erzählen oder treffen andere Engagierte in den Bereichen Barrierefreiheit und Inklusion. Aktuell haben wir mit unserem Audio-Adventskalender ein Angebot geschaffen, bei dem wir uns über einfache Fragen wichtigen gesellschaftlichen Themen wie Teilhabe, Toleranz und sozialer Selbstbestimmtheit nähern.

Und eines sei versprochen: wir haben noch viele weitere Ideen! Die Auszeichnung mit dem Sächsischen Inklusionspreis 2020 ehrt uns und motiviert gleichermaßen, unseren Weg weiterzugehen. Wir sagen danke!

Was ist der Sächsische Inklusionspreis?

„Ausgelobt wird der Inklusionspreis in vier Kategorien: Bildung, Frei­zeit und Kultur, Barrierefreiheit und Infrastruktur und Verwaltung. Mit der öffentlichen Würdigung der Praxisbeispiele sollen nicht nur das Bewusstsein für die Belange der Menschen mit Behinderungen geschärft, sondern gleichzeitig die Intentionen der UN-Behindertenrechtskonven­tion nachhaltig transportiert werden“, so schreibt es Stephan Pöhler, der Verantwortliche für die Belange von Menschen mit Behinderung im Freistaat Sachen. In diesem Jahr gab es 60 Vorschläge, aus denen eine Jury uns als Preisträger für die Kategorie „Barrierefreiheit und Infrastruktur“ ausgewählt hat.

Sächsischer Inklusionspreis 2020: Ein Farbfoto der Urkunde für den Gewinn des 4. Sächsischen Inklusionspreises in der Kategorie Barrierefreiheit & Infrastruktur für die HörMal Audiodeskription gUG. Die Urkunde befindet sich in einem grauen Rahmen. Auf dem Rahmen liegt eine faustgroße Holzfigur, die aus einer Holzkugel mit aufgemalten Gesicht, zwei Armen, grünen Beinen und einer grünen Mütze besteht. AM einen Arm ist ein Schild mit der Aufschrift „Sieger“ und am anderen eine kleine Fahne mit dem Wappen Sachsens befestigt. Von rechts ragt ein Strauß mit gelben und orangen Blumen ins Bild.

Mit dem Gewinn des Sächsischen Inklusionspreises 2020 erhielt die HörMal Audiodeskription auch eine Urkunde, Blumen und zur Erinnerung auch das Maskottchen „Oskar“.

Wer ist HörMal Audiodeskription?

Wir – Florian Eib, Peter Lomb und Tomke Koop – von der HörMal Audiodeskription gUG setzen uns für Teilhabe und Barrierefreiheit bei Großveranstaltungen ein. Dabei geht es uns nicht um bauliche Barrierefreiheit (bspw. Rollstuhlrampen, Leitlinien etc.), sondern um den Informationszugang für Menschen mit einer Seheinschränkung. Wir bieten diesen Menschen durch unsere Audiodeskription ein erweitertes Veranstaltungs-Erlebnis, indem wir die visuell wahrnehmbaren Vorgänge bei Sport- und Kultur-Veranstaltungen beschreiben. Diese Beschreibungen können unsere Gäste live vor Ort mit einem Audioguide empfangen.

Uns ist es wichtig, dass alle Gäste einer Veranstaltung sich danach über deren Inhalte austauschen können. Hierin sehen wir eine Form von Gleichberechtigung, die für Menschen mit einer Seheinschränkung momentan noch viel zu selten gegeben ist. In unserer Arbeit beraten und motivieren wir Veranstalter zur Einrichtung so genannter „Hör-Plätze“. Zusätzlich erleichtern wir den Zugang zu öffentlichen Veranstaltungen für Menschen mit Seh-Einschränkung durch barrierefreies Ticketing und einen Begleitservice. Wir sehen unsere Arbeit als einen Schlüssel zur Stärkung eines gesellschaftlichen Bewusstseins, indem wir ein Angebot schaffen, durch das Menschen mit Behinderung in größerer Zahl bei öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen.

Audio-Adventskalender 2020: Das Banner von SICHTBAR – Der Podcast ist ein Rechteck. In der Mitte des Rechtecks befindet sich vor einem roten Hintergrund ein weißes, kreisförmiges Mikrofon. Im Mikrofon befindet sich der Schriftzug "SICHTBAR DER PODCAST" in weißer Farbe. Über dem Kopf des geschwungenen Mikrofons im Logo hängt eine Weihnachtsmütze und unter dem Schriftzug „SICHTBAR Der Podcast“ ist ein grüner Tannenzweig.

SICHTBAR-Podcast: Unser Audio-Adventskalender 2020

SICHTBAR Audio-Adventskalender 2020

Das Banner von SICHTBAR – Der Podcast ist mit runter Untergrundfarbe gestaltet. In der Mitte befindet sich das Logo von SICHTBAR in weißer Farbe. Über dem Kopf des geschwungenen Mikrofons im Logo hängt eine Weihnachtsmütze und unter dem Schrift „SICHTBAR Der Podcast“ ist ein grüner Tannenzweig.

Im August haben wir unseren Podcast „SICHTBAR“ ins Leben gerufen. Unser Ziel war es, die vielen interessanten Gespräche, die wir führen dürfen auch öffentlich zu machen. Wir befassen uns in unserer Arbeit mit den Themen Barrierefreiheit, Teilhabe und Inklusion. Dabei treffen wir regelmäßig Engagierte, Vordenker und natürlich auch viele Menschen mit Handicaps persönlich. Mit diesem kleinen Adventskalender möchten wir uns bei allen Hörerinnen und Hörern und bei allen, die uns unterstützt haben, bedanken. 

Wir haben da mal etwas vorbereitet ...

Wir möchten in unserem Podcast Antworten haben. Aber keine Antwort ohne Frage! In unserem Audio-Adventskalender haben wir 24 Fragen (und Antworten) gesammelt, die uns das Jahr über erreicht haben. Manches wollten wir auch einfach selbst schon immer wissen. Wir wünschen allen viel Spaß beim Hören und eine besinnliche Weihnachtszeit!

Transkript zu: Eine Packung gute Laune! (PDF)


Transkript zu: Wie funktioniert ein Mobilitätstraining? (PDF)


Transkript zu: Wie binden sich Menschen mit einem Arm die Schuhe? (PDF)


Transkript zu: Gibt es blinde Schiedsrichter? (PDF)


Transkript zu: Wonach suchen Blinde ihren Partner aus? (PDF)


Transkript zu: Gibt es inklusive Stadtführungen? (PDF)


Transkript zu: Lifehacks: Blind Obst und Gemüse unterscheiden (PDF)


Transkript zu: Welche Farbvorstellung hat ein Geburtsblinder? (PDF)


Transkript zu: Warum ist „Justitia“ blind? (PDF)


Transkript zu: Müssen Blinde eine Blindenschule besuchen? (PDF)


Transkript zu: Können blinde Menschen Fahrrad fahren? (PDF)


Transkript zu: Wie funktioniert „Leichte Sprache“? (PDF)


Transkript zu: Warum rufen Blindenfußballer „Voy“? (PDF)


Transkript zu: Wie funktionieren Leitlinien? (PDF)


Transkript zu: Gibt es Datingplattformen für Blinde (PDF)


Transkript zu: Wer hat Gebärdensprache erfunden? (PDF)


Transkript zu: Was versteht man unter barrierefreiem Lesen? (PDF)


Transkript zu: Sind Blindschleichen wirklich blind? (PDF)


Transkript zu: Können Blinde eine Kerze anzünden? (PDF)


Transkript zu: Wie kann man mit Taubblinden kommunizieren? (PDF)


Transkript zu: Wie wählen Blinde? (PDF)


Transkript zu: Was zeichnet eine barrierefreie Website aus? (PDF)


Transkript zu: Können Rollstuhlfahrer Auto fahren? (PDF)


Transkript zu: Wie funktioniert die Blindenschrift? (PDF)


Hört den Podcast auf eurem iPhone: https://apple.co/37mvqcO

… oder bei Spotify: https://spoti.fi/3o85TL9

Die blinde Strafverteidigerin Pamela Pabst in Robe und mit einer Akte unter dem Arm. Sie steht neben einem verzierten Treppengeländer. Verschwommen im Hintergrund ist ein Gebäude mit hohen Decken und weiten Torbögen. Pamela Pabst lächelt in die Kamera, Fotorechte: Metin Yilmaz.

SICHTBAR-Podcast: Deutschlands erste geburtsblinde Strafverteidigerin

„In meiner Arbeit kann ich einen Krimi lebendig werden lassen.“

Pamela Pabst ist die erste von Geburt an blinde Strafverteidigerin Deutschlands. In dem biografischen Buch „Ich sehe das, was ihr nicht seht – eine blinde Strafverteidigerin geht ihren Weg“ beschreibt sie in ihrer offenen und mitreißenden Art ihren Berufsweg. Mittlerweile gibt es mit einer bekannten Fernsehserie auch eine Verfilmung auf der Grundlage des Buches, bei der Pamela Pabst maßgeblich unterstützt. Constantin Sträter hat sich für unseren Podcast mit ihr getroffen.

Die blinde Strafverteidigerin Pamela Pabst in Robe und mit einer Akte unter dem Arm. Sie steht neben einem verzierten Treppengeländer. Verschwommen im Hintergrund ist ein Gebäude mit hohen Decken und weiten Torbögen. Pamela Pabst lächelt in die Kamera, Fotorechte: Metin Yilmaz.

Gerichtsgebäude haben Pamela Pabst schon als Jugendliche beeindruckt. Mittlerweile ist sie Juristin aus Leidenschaft, Fotorechte: Metin Yilmaz.


  • Transkript (PDF) – Folge: Deutschlands erste geburtsblinde Strafverteidigerin

„Vorwärts immer, rückwärts nimmer“

Pamela Pabst ist eine Frohnatur. Es war wohl eine glückliche Fügung, dass sie als 11-Jährige mit ihrer Mutter zu einem Anwalt ging, der ihre Leidenschaft für diesen Beruf weckte. Die Begeisterung für dieses komplexe und schwierige Feld hat die gebürtige Berlinerin nie mehr los gelassen. Und auch wenn das Studium aufgrund ihrer Sehbehinderung einige Herausforderungen bereithielt, schaffte sie ihr Examen und ging auch danach ihren beruflichen Weg konsequent weiter, immer mit dem Bewusstsein: „Man muss als behinderter Mensch schon sagen, was man braucht.“

Ihre kommunikativen Fähigkeiten nutzt Pamela Pabst heute auch in ihrer täglichen Arbeit mit Mandanten, die ihre empathische Art schätzen. In unserem Podcast sagt sie selbst: „Man sollte sich gut auf Mandanten einlassen, ein Gespür dafür entwickeln, was sie wollen. Man sollte sie auch mal trösten können und ihnen Mut zusprechen“. Als Strafverteidigerin gehe es ihr aber nicht darum, Leute ihrer gerechten Strafe zu entziehen. „In den meisten Fällen weiß ich sogar genau, dass Sie eine hohe Strafe zu erwarten haben.“ Es müsse aber trotzdem darum gehen, „alle Aspekte, die für einen Fall wichtig sind, auch einzubringen.“ So versteht Pamela Pabst ihre Aufgabe auch darin, einen geordneten Prozess überhaupt erst zu ermöglichen.

„Ich habe das als diskriminierend empfunden“

In dieser Podcast-Folge spricht Pamela Pabst auch über ihre größte persönliche berufliche Niederlage. Denn als blinder Mensch darf sie nicht als Strafrichterin arbeiten, was zu Beginn ihrer beruflichen Karriere ihr Traum war. Vierzehn Jahre später muss sie sich hingegen manchmal fast selbst kneifen, sagt Pamela Pabst. Denn sie hat sich als Strafverteidigerin durchgesetzt und es zu einer angesehenen Anwältin gebracht. Etwas ganz Besonders ist es, dass sie zudem an einer Fernsehserie im öffentlich-rechtlichen Abendprogramm mitwirken darf.

Ein Portraitfoto zeigt die Schauspielerin Christina Athenstädt mit schulterlangen blonden gewellten Haaren. Sie hat den Arm um Pamela Pabst gelegt, die einen dunklen Blazer über einer weißen Bluse trägt und einen Blindenstock in der Hand hält. Beide lächeln, Foto: © ARD/Reiner Bajo - honorarfrei, Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter ARD-Sendung bei Nennung: »Bild: ARD/Reiner Bajo« (S2). ARD Programmdirektion/Bildredaktion, Tel. 089/590023879, mail bildredaktion@daserste.de.

Auch privat befreundet: Schauspielerin Christina Athenstädt (links) begleitet Pamela Pabst auch in privaten Situationen, um Gespür für ihre Rolle Romy Heiland zu bekommen, in der sie eine blinde Anwältin spielt, Foto: © ARD/Reiner Bajo.

In der Serie „Die Heiland – Wir sind Anwalt“ übernimmt sie das Coaching für die eigentlich sehende Schauspielerin Christian Athenstädt, die die blinde Anwältin Romy Heiland spielt. Pamela Pabst zeigt ihr unter anderem wie sie sich im Alltag bewegt. Gleichzeitig berät sie auch bei inhaltlichen juristischen Fragen, wodurch die Authentizität der Serie deutlich gewinnt. Und – Fans wird es freuen – die Dreharbeiten zur dritten Staffel laufen gerade.


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org.

Wolf Schmidt und Tomke Koop stehen nebeneinander auf einem Blindenfußball-Feld und lächeln in die Kamera. Wolf Schmidt trägt einen dunkelgrauen Trainingsanzug und eine Basecap mit St. Pauli Schriftzug. Tomke hat eine Hand in der Tasche ihres Mantels mit der anderen Hand hält sie einen Blindenfußball hoch. Wolf Schmidt hat eine Hand hinter dem Rücken, mit der anderen zeigt er auf den Blindenfußball in Tomkes Hand. Foto: Florian Eib

SICHTBAR-Podcast: Hinter den Kulissen beim Blindenfußball

Hinter den Kulissen beim Blindenfußball

Eine neue Folge von SICHTBAR – Der Podcast mit Wolf Schmidt, der nicht nur ein kreativer Kopf, sondern auch der Trainer der Blindenfußball-Mannschaft vom FC St. Pauli ist. Anlässlich des anstehenden Finales der Blindenfußball-Bundesliga am 24. Oktober 2020 in Magdeburg hat sich Tomke Koop mit Wolf Schmidt in Hamburg getroffen, um ihn und seine Arbeit besser kennenzulernen. Schmidt spricht dabei nicht nur über seine Erfahrungen im Blindenfußball, sondern auch über seinen persönlichen Weg vom Kindesalter, Kreativität und die Anfänge der Blindenreportage bei St. Pauli. Viel Spaß beim Hören!

Wolf Schmidt und Tomke Koop stehen nebeneinander auf einem Blindenfußball-Feld und lächeln in die Kamera. Wolf Schmidt trägt einen dunkelgrauen Trainingsanzug und eine Basecap mit St. Pauli Schriftzug. Tomke hat eine Hand in der Tasche ihres Mantels mit der anderen Hand hält sie einen Blindenfußball hoch. Wolf Schmidt hat eine Hand hinter dem Rücken, mit der anderen zeigt er auf den Blindenfußball in Tomkes Hand. Foto: Florian Eib

Das anstehende Finale der Blindenfußball-Bundesliga hat Tomke Koop zum Anlass genommen, Wolf Schmidt, den Trainer der Blindenfußball-Mannschaft vom FC St. Pauli, zu treffen. Foto: Florian Eib


  • Transkript (PDF) – Folge: Blindenfußball-Trainer Wolf Schmidt

Vom Schüler in New York über die Land-WG bis zur Blindenreportage

Das Leben von Wolf Schmidt ist alles andere als eintönig. Seine ersten zwei Schuljahre verbrachte er in New York, da sein Vater dort für einige Zeit forschte. Nach diesen zwei Jahren ging es für die Familie wieder zurück nach Deutschland, wo Schmidt schon in der Schulzeit seine Interessen und Talente erkannt hat, die vor allem im kreativen Bereich und im Sport liegen. Nach der Schulzeit hat er sich neben seinem Zivildienst daher in einer Land-WG kreativ ausgelebt, Musik gemacht (Wolf Schmidt ist leidenschaftlicher Bassist) und gemalt. „Manchmal wünsche ich mir, mit einem anderen Bewusstsein diese Zeit noch mal erleben zu können“, sagt Wolf Schmidt über die Zeit der 80er. 

Nach dem Zivildienst absolvierte Schmidt ein Film-Studium und arbeitete anschließend in Agenturen. In den 90ern fing Wolf Schmidt mit 25 Jahren an, beim FC St. Pauli in der 3. Herren-Mannschaft zu spielen. Im Gespräch erzählt Schmidt, dass Sport schon immer eine große Rolle in seinem Leben gespielt hat. Dies zeigt sich auch darin, dass er – obwohl er Film studierte – mehr Fußballer als Regisseure kannte. Nachdem sich beruflich in der Film-Branche einige Änderungen ergaben, sagte Schmidt sich selbst, dass er nur noch Dinge tun möchte, die er wirklich gut findet. Gesagt, getan! 

Zum Ende seiner Zeit in der Film-Branche ergab sich ein Zufall, der Schmidts Lebenslauf bis heute geprägt hat. Während eines Spiels vom FC St. Pauli fing Schmidt im Stadion an, einem vor ihm stehenden Blinden das Spielgeschehen zu beschreiben. Wie es dazu kam, würde an dieser Stelle mehrere Zeilen füllen. In der Podcast-Folge gibt es alle Einzelheiten dazu. In Kurzform: Durch dieses zufällige Zusammentreffen entstand 2004 die Blindenreportage beim FC St. Pauli. Schmidt ist bis heute im Bereich Blindenreportage aktiv und für ihn zählt vor allem, dass auch Fans mit Sehbehinderung ein gleichberechtigtes Fan-Dasein ausleben können. 

Wolf Schmidt an der Bande eines Blindenfußballspielfeldes. Die Fotografie zeigt ihn aus der Rückenperspektive, aus seiner schwarzen Windjacke steht „Team barrierefrei“. Schmidt blickt leicht über die Spielfeldbande gelehnt nach rechts. Sein Mund ist geöffnet, er gibt Anweisungen. Auf dem Kopf trägt er ein braunes St. Pauli-Basecap. Im Hintergrund liegt ein Blindenfußball-Spielfeld mit grünem Kunstrasen. An der gegenüberliegenden Bandenseite sind verschwommen einige Zuschauerinnen und Zuschauer zu erahnen, Foto: Tomke Koop.

Engagiert an der Seitenlinie: Wolf Schmidt beim Blindenfußball. 1991 fing Schmidt beim FC St. Pauli in der 3. Herren an, aktiv Fußball zu spielen. Mit der Trainerausbildung begann er 2006 und trainierte anfangs das Mädchen-Team des SC Sternschanze, bevor er 2009 Blindenfußballtrainer in St. Pauli wurde, Foto: Tomke Koop.

Vom Kinder-Trainer zum Blindenfußball

Gleichzeitig fing Schmidt 2006 an, einen Trainer-Lehrgang und eine Ausbildung speziell zum Kinder-Trainer zu absolvieren, da er zu dieser Zeit anfing, die Fußball-Mannschaft seiner Tochter zu trainieren. Über sich selbst sagt er übrigens, dass er nie der beste Spieler war. Seine Stärke liegt vielmehr im räumlichen Denken – wie müssen z. B. einzelne Teammitglieder stehen, wie können Räume angelaufen werden und wie entsteht ein sicherndes Spiel. 2009 fehlte dann der Blindenfußball-Mannschaft von St. Pauli ein Trainer für den Besuch eines Turniers in Köln. Schmidt wurde angefragt und sagte zu: „Ich mache nur die Vorbereitung für das Turnier. Aber dann ist Feierabend.“ 

Doch dabei sollte es nicht bleiben. Das Training der Blindenfußballer machte Schmidt so viel Spaß, dass er bis heute sein Herzblut in diese Tätigkeit steckt. Dabei kommt ihm auch seine Ausbildung zum Kinder-Trainer zugute, denn die Inhalte kann er gut auf das Training adaptieren. Seitdem hat Schmidt den Blindenfußball stetig weiter vorangetrieben. Allerdings hätten sich mit der Zeit dadurch auch die Arbeitsfelder und die Intensität deutlich gesteigert – alles im Ehrenamt wohlgemerkt. Schmidt sieht das Problem, dass der Sport in einer professionalisierten Form von zu wenig Menschen mitgegangen wird. Für die Zukunft gebe es hier ein klares Handlungsfeld, sagt der gebürtige Hamburger: Den Blindenfußball in die Breite entwickeln und Nachwuchs finden, um den Sport auch weiterhin zu erhalten. Insgesamt ist Schmidt der Meinung, dass Leistung im Bereich Behinderung zu Unrecht unterrepräsentiert ist, es fände noch keine Gleichberechtigung statt und daran müsse gearbeitet werden. 

Wolf Schmidt gibt gerne sein Wissen weiter – und das nicht nur national, sondern auch international. Er war bereits in der Schweiz und in Kambodscha aktiv, wo der dabei half, Blindenfußball-Trainer auszubilden und auch dort das Thema in die Breite zu bringen und Menschen aus „ihren stigmatisierten Behindertenrollen zu befreien“, so Schmidt. 

Als nächstes geht es für die Mannschaft vom FC St. Pauli zum Bundesliga-Finale nach Magdeburg. Am 24. Oktober 2020 spielen sie um 15 Uhr gegen den MTV Stuttgart. Nach unserem Gespräch musste Schmidt übrigens direkt los zum Training, denn die Mannschaft bereitet sich intensiv vor. Für den FC St. Pauli ist es das vierte Ligafinale in Folge, wobei sich in den letzten zwei Jahren die gegnerische Mannschaft jeweils durchsetzte. Das Spiel kann um 15 Uhr im Livestream auf dem YouTube-Kanal des FC St. Pauli-Blindenfußball verfolgt werden. Wir wünschen allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Erfolg!

Wolf Schmidt mit seiner Blindenfußballmannschaft am Rande eines Spielfeldes. Die Spielerinnen und Spieler sitzen auf einer Steinerhöhung, trinken aus Wasserflaschen und hören Schmidt zu. Der hockt vor ihnen und gibt Anweisungen. Schmidt trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „St. Pauli Blindenfußball“ und ein weißes Basecap, Foto: Florian Eib.

Jedes Jahr im Finale: In der Saison 2020 steht die Blindenfußballmannschaft des FC St. Pauli in der vierten Auflage zum vierten Mal im Ligafinale. 2017 wurde man Deutscher Meister. In den vergangenen zwei Jahren setzte sich jeweils der Finalgegner durch. Das diesjährige Finale findet am 24. Oktober in Magdeburg statt, Foto: Florian Eib.

Eine Spielszene aus einem Rollstuhl-Basketball-Spiel: Christoph Pisarz im roten Trikot dribbelt links neben sich einen Basketball. Auf der anderen Seite kommt ein Spieler im gelben Trikot herangefahren und stößt mit dem Rollstuhl gegen Christophs Rollstuhl, Foto: Florian Griep.

SICHTBAR-Podcast: Von Rollstuhl-Basketball und Liegebikes

Von Rollstuhl-Basketball und Liegebikes

SICHTBAR – Der Podcast mit Christoph Pisarz, einem echten „Macher“ in Sachen Inklusion. Christoph ist von Geburt an querschnittsgelähmt. Das hat seine Leidenschaft für intensives Sporttreiben allerdings nie getrübt. Wenn es nicht anders geht, dann muss es eben Rollstuhlsport sein. Engagiert in den Bereichen Inklusion und Barrierefreiheit spricht Christoph Pisarz mit Peter Lomb auch über seine Arbeit als Dozent für soziale Arbeit und Heilpädagogik in Berlin und darüber, warum Barrierefreiheit niemals zu 100% klappen kann, vielleicht aber zu 99.

Eine Spielszene aus einem Rollstuhl-Basketball-Spiel: Christoph Pisarz im roten Trikot dribbelt links neben sich einen Basketball. Auf der anderen Seite kommt ein Spieler im gelben Trikot herangefahren und stößt mit dem Rollstuhl gegen Christophs Rollstuhl, Foto: Florian Griep.

Jahrelange Leidenschaft: Christoph Pisarz spielte zuerst für Alba Berlin, später für Pfeffersport e. V. Rollstuhl-Basketball, Foto: Florian Griep.


  • Transkript (PDF) – Folge: „Von Rollstuhl-Basketball und Liegebikes“

„Rollstuhl-Basketball war schon Inklusion, bevor es das Wort gab“

Rollstuhl-Basketball ist eine Sportart, die wie einige andere Inklusions-Sportarten auch nach dem zweiten Weltkrieg entstand – natürlich in den USA. Damals wollten Kriegsversehrte ihrem Lieblingssport weiter nachgehen und erfanden das Spiel, das extrem viele Ähnlichkeiten zum Basketball für Gehende hat. Die Korbhöhe ist dieselbe, es gibt exakt gleiche Punktwürfe und eine ähnliche Dribbeltechnik. Das Beste ist allerdings, dass auch Fußgänger beim Rollstuhl-Basketball mitspielen können. Sie müssen sich ja einfach nur mit hinsetzen und schon haben alle dieselben Voraussetzungen. Das war schon immer so. Deshalb hat Christoph Pisarz auch Recht, wenn er sagt: „Rollstuhl-Basketball war schon Inklusion, bevor es das Wort überhaupt gab.“ Mittlerweile ist Christoph nicht mehr als aktiver Spieler auf dem Feld, engagiert sich aber bei Pfeffersport e. V. als Coach und gibt so seine Erfahrungen weiter. Doch mit Bewegung ist nicht Schluss, denn sportlich ist Christoph nun im Liegebike aktiv.

Christoph Pisarz mit mehreren anderen Rollstuhlfahrern in einer Trainingshalle. Er sitzt in der Mitte der anderen, hat eine Magnettafel in Form eines Basketball-Feldes auf dem Schoß und blickt zu den anderen. Einige von ihnen trinken aus Flaschen, Foto: Pfeffersport e. V.

Seine umfangreiche Sporterfahrung gibt Christoph Pisarz auch gerne als Trainer weiter, Foto: Pfeffersport e. V.

Sport für alle – hier wird Inklusion breit gedacht

Menschen wie Christoph Pisarz sind wichtige Vermittler. Mit seiner Energie und Lebensfreude motiviert er andere, sich dem Thema „Menschen mit Behinderung“ zu nähern. Eng damit verbunden ist der Begriff Inklusion, der heute auch noch häufig missverstanden wird. Wichtiger als über Definitionen zu streiten ist allerdings die gesellschaftliche Haltung. Sport kann dabei eine entscheidende Rolle spielen. Denn Sport verbindet durch Emotionen und gemeinsame Erfolge.

Deshalb arbeitet Christoph Pisarz beim Verein Pfeffersport e. V. mit. „Pfeffersport ist ein Freizeit- und Breitensportverein, in dem alle Altersklassen, alle sozialen Schichten, Menschen mit und ohne Handicaps miteinander Sport machen.“ So steht es im Leitbild des Vereins. Christoph Pisarz erklärt hierzu: „Damit ist gemeint, dass Jeder und Jede im Sportverein und bei den Sportangeboten mitmachen kann und soll. Der Schwerpunkt bei uns liegt insbesondere auf jenen, die aus verschiedenen Gründen ausgegrenzt sind und weniger Zugang zu sportlichen Aktivitäten haben, wie Mädchen oder Geflüchtete, und Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung.“

Ein Foto zeigt Christoph Pisarz in einem Liegebike. Neben ihm ein weiterer Fahrer. Beide haben Helme auf und liegen flach, knapp über dem Boden in einem dreirädrigen aerodynamisch geformten Gefährt. In Höhe der Hände ist eine Handkurbel angebracht, über deren Drehen man sich fortbewegen kann, Foto: André Dounia.

Neue Leidenschaft: Nach dem Rollstuhl-Basketball kommt der Rollstuhl-Rennsport. Liegebikes bieten hierfür die optimale Aerodynamik, Foto: André Dounia.

Einen ganz persönlichen Erfolg hat Christoph erst kürzlich gefeiert, als er sein erstes 100 Kilometer Straßenrennen mit dem Liegebike absolvierte. Und das in einer Zeit von vier Stunden. Ganz schön schnell mag man meinen. Aber nicht schnell genug für den motivierten Berliner. „Ich trainiere erst seit ein paar Monaten. Mein Schnitt von 25 Kilometern pro Stunde soll längerfristig auf 30 Kilometer und höher steigen“. Wir wünschen: allseits gute Fahrt!

Audiodeskription beim Handball: Ein Foto zeigt Handballspieler im Zweikampf. Ein Spieler im grün.weißen Trikot befindet sich im Sprung und hat den rechten Arm mit dem Ball in der Hand weit hochgehoben. Ein gegnerischer Spieler im blauen Trikot umklammert ihn und reißt an seinem Trikot, Foto: Karsten Mann.

Audiodeskription beim Handball: Start in die nächste Saison

Audiodeskription beim Handball: Ein Foto zeigt Handballspieler im Zweikampf. Ein Spieler im grün.weißen Trikot befindet sich im Sprung und hat den rechten Arm mit dem Ball in der Hand weit hochgehoben. Ein gegnerischer Spieler im blauen Trikot umklammert ihn und reißt an seinem Trikot, Foto: Karsten Mann.

Das Hygiene-Konzept in der Arena Leipzig erlaubt mittlerweile über 2000 Zuschauer, Foto: Karsten Mann.

Beginn einer neuen Spielzeit

Am 01. Oktober beginnt die neue Handball-Saison. Endlich – möchte man sagen – hat die längste Zwangspause der jüngeren Handball-Geschichte ein Ende. Aufatmen ist angesagt. Nicht nur bei den Mannschaften, sondern auch bei uns, unseren Reportern für Audiodeskription und bei vielen unserer Gäste, die sich freuen, endlich wieder live dabei zu sein. Etwas Gutes hatte die lange Pause allerdings auch. Wir hatten Gelegenheit, mal wieder im Archiv zu kramen und die Geschichte der Audiodeskription beim Handball in Leipzig herauszuholen. Es ist eine kleine Pionier-Geschichte und auch der Beginn einer Handball-Liebe für viele sehbehinderte und blinde Sportfans. Denn mit Hilfe von Audiodeskription (Hör-Beschreibung) konnten auch sie endlich dem Spielgeschehen in der Halle folgen.

Start im April 2015

Einige unserer Reporter haben schon immer gerne Aufnahmen ihrer Reportagen gemacht. Nicht (oder nicht nur) um sie im Nachhinein Freunden und Eltern präsentieren zu können. Sondern vor allem, um nachzuhören, ob die Bildbeschreibungen detailliert genug, in der Reihenfolge sinnvoll waren und das Spielgeschehen gut übermittelten. Die erste Aufnahme kann auf den 09. April 2015 datiert werden. Damals beschrieben Florian Eib und Axel Ackermann das Derby SC DHfK Leipzig gegen EHV Aue. Axel Ackermann hatte die so genannte „Blindenreportage“ schon beim benachbarten Fußballverein RB Leipzig vorangebracht. Auch hier war Florian Eib von Beginn an mit dabei. Wie es dazu kam, dass beide für dieses Spiel von Fußball- zu Handball-Reportern wurden und wie es dann weiterging, daran erinnert sich Karsten Günther – Geschäftsführer des SC DHfK Handball im Gespräch mit Jeremias Diel.

Anpacken und Zugang schaffen

Jeremias Diel ist Sportwissenschaftler und auch selbst Reporter für Audiodeskription. Er schreibt gerade seine Bachelorarbeit zum Thema „Blindenreportage bei RB Leipzig“. In seiner Arbeit hat er sich auch mit dem Zugang zu Sportveranstaltungen für Menschen mit Behinderung befasst. Und auch hierzu mit Karsten Günther gesprochen:

Karsten Günther in Jacket, mit weißem Hemd und grüner Krawatte. Er schaut konzentriert. Im Hintergrund sitzen zahlreiche Fans mit grün-weißen Trikots und Klatschpappen, Foto: Karsten Mann
Ein Freund von klaren Worten: Karsten Günther ist der Architekt des Leipziger Handballvereins SC DHfK Leipzig in seiner heutigen Form, Foto: Karsten Mann.

Im Austausch besser werden

Projektarbeiten wie die Benannte von Jeremias sind für unsere Arbeit im Bereich Barrierefreiheit und Inklusion ein wichtiger Baustein. Nur über Gespräche mit Betroffenen, Beteiligten und Verantwortlichen können wir uns hier Stück für Stück verbessern. Wir von HörMal Audiodeskription unterstützen deshalb sehr gerne diese Forschung und hoffen auch auf Eure Unterstützung. Wir bitten alle, die schon Gäste bei der Audiodeskription von RB Leipzig waren, am aktuellen Fragebogen von Jeremias teilzunehmen. Noch bis zum 30.09. ist die Umfrage online und mit wenigen Klicks gut bedienbar. Danke!

Und nur einen Tag später können unsere Reporter dann endlich wieder Gäste bei der Handball-Audiodeskription für den SC DHfK Leipzig begrüßen. Etwas mehr als fünf Jahre nachdem es zum ersten Mal eine Hör-Beschreibung für sehbehinderte und blinde Handballfans in Leipzig gab. Leider wird es für die kommenden Heimspiele vorerst nur eine begrenzte Anzahl an Tickets geben. Also meldet euch bei Interesse möglichst schnell per Mail an: veranstaltungen@hoermal-audio.org. Wir freuen uns auf euch!

Audiodeskription am Schauspiel Leipzig: Ein Farbfoto von der Bühne des Schauspiels in Leipzig. Auf der Bühne links im Bild stehen mehrere Personen im Halbkreis. Einige davon mit Blindenstock sowie einem Führhund. Die Personen richten ihre Blicke auf einen Mann rechts im Bild, der mit seinen Händen erklärende Gesten macht. Hinter dem Mann sind Holzkonstruktionen aufgebaut. Hinter der Bühne befindet sich der leere Zuschauerraum.

Zurück auf der Bühne – Schauspiel mit Audiodeskription

 

Audiodeskription am Schauspiel Leipzig: Ein Farbfoto von der Bühne des Schauspiels in Leipzig. Auf der Bühne links im Bild stehen mehrere Personen im Halbkreis. Einige davon mit Blindenstock sowie einem Führhund. Die Personen richten ihre Blicke auf einen Mann rechts im Bild, der mit seinen Händen erklärende Gesten macht. Hinter dem Mann sind Holzkonstruktionen aufgebaut. Hinter der Bühne befindet sich der leere Zuschauerraum.

Audiodeskription am Schauspiel Leipzig

Bereits seit 2013 bietet das Schauspiel Leipzig den inklusiven Service Audiodeskription bei seinen Aufführungen an. Mindestens eine Vorstellung im Monat findet mit Live-Audiodeskription statt. Ein Team aus Autorinnen und Autoren schreibt jede Spielzeit für ausgewählte Stücke die Audiodeskription, die während der Aufführungen live gesprochen wird. Zusätzlich zur Live-Audiodeskription während des Stücks gibt es vor jeder Vorstellung eine taktile Bühnenführung, Stoffproben der Kostüme und eine Audio-Einführung.

Was uns in der neuen Spielzeit erwartet

Auch in der neuen Spielzeit wird es wieder Aufführungen mit Audiodeskription am Schauspiel Leipzig geben. Wie das Motto der neuen Spielzeit lautet, auf welche Stücke mit Audiodeskription sich die Gäste freuen können und welche Sicherheitsmaßnahmen zu beachten sind, verrät uns Matthias Döpke, Dramaturg und Leiter des Projekts Audiodeskription am Schauspiel Leipzig, in einem Interview:

Herr Döpke, was ist das Motto dieser Spielzeit und welche Bedeutung hat es? 

„Das Motto lautet „Gefühlte Wirklichkeiten“. Wir haben die Spielzeit bis in den Februar hinein entwickelt. Dann kam Corona und viele Fragen, die uns begleitet hatten, waren plötzlich noch drängender: Was bedeutet Zusammenleben in einer Gesellschaft? Wie viele verschiedene Wirklichkeiten haben in einer Gesellschaft Platz, wie viele unterschiedliche Bedürfnisse und Lebensentwürfe? Und wie gehen wir mit der Verschiedenheit um? Mehr denn je freuen wir uns nun, dass es wieder los geht. Wir wollen nicht einfach nur spielen, sondern uns gemeinsam mit unserem Publikum der Auseinandersetzung mit verschiedensten Wirklichkeiten stellen.”

Welche (neuen) Stücke werden mit Audiodeskription gezeigt, wie kam die Auswahl zustande und was erwartet die Gäste?

„Wir beginnen am 10. Oktober mit einer Audiodeskriptions-Premiere: „Medea“ von Euripides, inszeniert von Markus Bothe. Das war auch die erste Inszenierung, die unter den neuen Hygiene- und Abstandsregeln bereits im Sommer im Schauspielhaus gezeigt werden konnte. Nun wird die antike Tragödie um eine der faszinierendsten Frauenfiguren der griechischen Mythologie auch mit Audiodeskription zu erleben sein. Aktuell arbeitet unser Team am nächsten Audioskript: „Mein Freund Harvey“ von Mary Chase in der Inszenierung von Enrico Lübbe. Den Komödienklassiker um den herzensguten Elwood und dessen besten Freund, den großen Hasen Harvey, den nur er selbst sehen kann, werden wir hoffentlich im Frühjahr spielen. Bereits im Winter wird es aber noch ein neues Familienstück zur Weihnachtszeit geben, für das wir ebenfalls eine Audiodeskription vorbereiten: „Arabella oder Die Märchenbraut“ nach der berühmten TV-Serie von Václav Vorlíček und Miloš Macourek, in der die Märchenwelt durch den Zauberer Rumburak gehörig durcheinander gebracht wird.
Natürlich läuft in dieser Spielzeit Vieles anders als bislang gewohnt, weil wir aufgrund der dynamischen Entwicklungen kurzfristiger planen müssen und dadurch zum Beispiel die Aufführungstermine mit Audiodeskription leider nicht wie sonst üblich für die gesamte Spielzeit im Voraus disponieren können. Stattdessen veröffentlichen wir die Termine immer mindestens einen Monat im Voraus. Sie sind in den Spielplänen stets mit dem Symbol für Audiodeskription gekennzeichnet.
Bei der Auswahl der Stücke war uns vor allem wichtig, unserem Publikum eine gute Bandbreite an Themen und Regiehandschriften anzubieten. Manche Inszenierungen sind leichter zu deskribieren als andere, aber unsere Autor*innen lassen sich zum Glück von nichts abschrecken. Neben „Medea“, „Arabella“ und „Harvey“ planen wir die Wiederaufnahmen von Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“, dem David-Bowie-Musical „Lazarus“ und Friedrich Schillers „Maria Stuart“. Und es wird gegen Ende der Spielzeit noch eine weitere Neuproduktion geben. Welche Inszenierung das sein wird, hängt zum jetzigen Zeitpunkt aber noch von der Entwicklung der Vorschriften ab, die für das Ensemble auf der Bühne gelten. Es bleibt also eine kleine Überraschung.”

Welche Sicherheitsrichtlinien müssen bei einem Besuch beachtet werden? Gibt es für sehbehinderte Gäste spezielle Vorsichtsmaßnahmen oder Änderungen, die zu beachten sind?

„Wir haben ein Hygiene- und Schutzkonzept entwickelt, das es uns ermöglicht, unser Theater wieder zu öffnen. Die coronabedingten Regeln für den Besuch des Schauspiel Leipzig sind für das gesamte Publikum gleich: Gehen Sie sicher, dass Sie das Schauspielhaus am Veranstaltungstag nur dann betreten, wenn Sie keine für COVID-19 bekannten Symptome aufweisen. Finden Sie sich rechtzeitig vor Ort ein, da die Einlasssituation aktuell etwas längere Zeit in Anspruch nimmt. Denken Sie daran, eine Mund-Nasen-Bedeckung mitzubringen! Sie ist verpflichtend beim Betreten des Theaters zu tragen und kann abgenommen werden, wenn Sie an Ihrem Sitzplatz angekommen sind und die Vorstellung beginnt. Beachten Sie die Niesetikette und die gängigen Abstandsregeln, auch am Einlass und an der Garderobe.
Üblicherweise hatte bislang jede Vorstellung mit Audiodeskription einen speziellen Vorlauf, der eine taktile Führung durch das jeweilige Bühnenbild, eine Stückeinführung durch die Dramaturgie und zum Beispiel Stoffproben der Kostüme enthielt. Wir arbeiten daran, diesen Vorlauf mit dem Schutzkonzept kompatibel zu machen. Unser Besucherservice wird Sie beim Kartenkauf darüber informieren.”

Informationen zu Aufführungen mit Audiodeskription

Die nächste Vorstellung mit Audiodeskription findet am 10. Oktober statt („Medea”). Aufgrund der aktuellen Situation werden die weiteren Termine immer einen Monat im Voraus bekanntgegeben. Die Termine sind im Spielplan und auf der Seite zur Audiodeskription ersichtlich. Zusätzlich werden die Termine für Aufführungen mit Audiodeskription auch über den Newsletter des Schauspiels kommuniziert. Die Anmeldung zum Newsletter erfolgt per Mail an audiodeskription@schauspiel-leipzig.de. 

Karten für die Vorstellungen können beim Besucher-Service telefonisch unter 0341 / 12 68 168 oder per Mail an audiodeskription@schauspiel-leipzig.de erworben werden.

Blind sein – Mandy Hamann sitzt in einer meerblauen Bluse auf einer Bank. Dahinter ragen grüne Pflanzen empor. Hamann lächelt in die Kamera. Mit beiden Händen berührt sie ein aufgeschlagenes Braille-Buch auf ihrem Schoß, Fotorechte: Mandy Hamann.

SICHTBAR-Podcast: Was bedeutet es, blind zu sein?

Was bedeutet es, blind zu sein?

Dass sich blinde Personen in der Welt der Sehenden zurechtfinden müssen, ist ganz alltäglich; umgekehrt ist das eher selten der Fall. Es gibt wenige Orte, an denen Sehende einen Einblick in die Welt der Blinden bekommen. Ein solcher Ort ist das Blindenmuseum in Berlin-Steglitz. In dieser Folge von SICHTBAR – Der Podcast spricht Gästeführerin Mandy Hamann mit unserem Autor Constantin Sträter. Für ihn ist es das erste persönliche Treffen mit einer blinden Person. In einem authentischen Gespräch gibt Mandy Hamann einen offenen und ehrlichen Einblick, was blind sein bedeutet.

Das Deutsche Blindenmuseum Berlin-Steglitz in der Außenansicht. Ein Eisentor führt auf das Gelände auf dem ein dreistöckiges Backsteinhaus mit Bogenfenstern führt. Vor dem Haus steht eine junge Weide, Copyright Wikimedia Common, Foto: Muns.

Ein Ort des Kennenlernens im Südweste von Berlin. Das Deutsche Blinden-Museum Steglitz.
Copyright Wikimedia Common, Foto: Muns.


  • Transkript (PDF) – Folge: „Was bedeutet es, blind zu sein?“

Einblick in die Welt von Blinden

Das Blinden-Museum Steglitz wurde bereits 1890 gegründet. Es überlebte in seiner bewegenden Geschichte zwei Weltkriege, mehrere Schließungen und Umbenennungen. Seit 2005 begrüßt es unter dem aktuellen Namen mehrere tausend Interessierte jährlich.
Den oft auch jungen Gästen werden auf ca. 100 Quadratmetern Exponate gezeigt, die über den Alltag und die technischen Hilfsangebote für Blinde und Sehbehinderte informieren. Und die außerdem zum Mitmachen einladen. Zum Beispiel ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel für Blinde. 

Eine aktuelle Dauer-Ausstellung ist dem Erfinder der Blindenschrift Louis Braille gewidmet. Das Blinden-Museum Steglitz befindet sich in der Rothenburgstraße 14 in 12165 Berlin. Es liegt neben einer Blinden- und Berufsfachschule und dem Hauptsitz des Blindenhilfswerks Berlin e. V. Während der Corona-Pandemie ist das Museum geschlossen. Regulär ist es immer am Mittwoch von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Eine kostenlose Führung gibt es immer am 1. Sonntag im Monat. Gruppenführungen sind nach Anmeldung möglich. Der Eintritt ist frei, eine Spende ist natürlich willkommen.

„Sie sind als Blinder auf Kontaktfreudigkeit angewiesen“

Blind sein – Mandy Hamann sitzt in einer meerblauen Bluse auf einer Bank. Dahinter ragen grüne Pflanzen empor. Hamann lächelt in die Kamera. Mit beiden Händen berührt sie ein aufgeschlagenes Braille-Buch auf ihrem Schoß, Fotorechte: Mandy Hamann.

Mandy Hamann ist ein lebensfroher Mensch. Sie spricht sehr offen über ihre Sehbehinderung. Auch, um mehr Aufmerksamkeit für das Thema „Blindheit“ in der Gesellschaft zu erzeugen, Fotorechte: Mandy Hamann.

Unsere Gesprächspartnerin Mandy Hamann ist 1974 in der DDR geboren und als Frühgeburt im Brutkasten teilerblindet. Im Alter von 15 Jahren schritt diese Erblindung aufgrund einer nicht erkannten Netzhautablösung voran.  Nach dem Besuch einer Blindenschule und eines Internats machte sie eine Facharbeiter-Ausbildung zur Telefonistin und für Schreibtechnik, bevor sie für 14 Jahre beim Finanzamt in Fürstenwalde arbeitete. 

Mandy Hamann spricht heute nicht nur häufig und sehr offen über ihr Leben mit Sehbehinderung, sondern ist auch „glückliche Mutter“ und in vielen Interessengruppen aktiv. Etwa dem „Arbeitskreis für Verkehr, Umwelt und Mobilität“ (ABSV), einer Eltern-Kind-Gruppe und dem „Arbeitskreis Kultur und Freizeit“ (AKF). Sie leitet außerdem Workshops, etwa für Fahrgastbegleiter beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB).

ANHALT 2020 mit Audiodeskription – Ein Gruppenfoto zeigt die Gäste mit Sehbehinderung und ihre Begleitpersonen vor einem Klein-Bus mit dem Logo des SC DHfK Leipzig. Der Wagen steht auf dem Parkplatz vor dem Paul-Greifzu-Stadion. Mehrere Gäste haben ihre Blindenstöcke ausgeklappt, Foto: Tomke Koop.

Leichtathletik: Spitzensport bei ANHALT 2020 mit Audiodeskription

ANHALT 2020 mit Audiodeskription – Blick auf die Hochsprunganlage, wo gerade die Siegerin Yuliya Levchenko die Höhe von 1,90 Metern überspringt. Im Bild-Hintergrund ist die halmvolle Zuschauertribüne des Paul-Greifzu-Stadions, Foto: Tomke Koop.

Spannendes Finale: Beim Hochsprung waren die drei ukrainischen Springerinnen nicht zu schlagen, Foto: Tomke Koop.

Lange war in diesem schwierigen Jahr nicht klar, ob das traditionelle Leichtathletik-Meeting „ANHALT“ organisiert vom Anhalt Sport e. V. auch in diesem Jahr stattfinden kann. Dann gab es vor wenigen Wochen Grünes Licht. „Vielen Dank an Ralph Hirsch und sein Team, dafür, dass das dieses Jahr wieder möglich war“, fasste Speer-Rekordwerfer Johannes Vetter zusammen, was die Athletinnen und Athleten bewegte. Seit 1999 organisiert Hirsch mit einem überschaubaren Team aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Jahr für Jahr das zweitwichtigste internationale Leichtathletik-Meeting in Deutschland. Wir freuen uns, dass ANHALT 2020 auch für sehbehinderte und blinde Leichtathletik-Fans zum Erlebnis wurde.

M und M – Mihambo und Mudiyanselage überzeugen

Mit einem entsprechenden Hygiene-Konzept konnten knapp 1000 Fans über drei Stunden Leichtathletik live erleben. Bei gutem Wetter mit leichten Quellwolken war eine zeitweise frische Brise für die ein oder andere Top-Leistung zudem kein Hindernis. Wie schon im vergangenen Jahr überzeugte Malaika Mihambo beim Weitsprung. Aus verkürztem Anlauf stellte sie mit 7,03 Metern eine neue Weltjahres-Bestleistung auf. Nur zwei Zentimeter fehlten ihr zum Meeting-Rekord, den sie im vergangenen Jahr selbst sprang. Damals – im Juni 2019 – stellte Mihambo die Weichen für den späteren WM-Titel. Danach wurde sie zur Sportlerin des Jahres gewählt und avancierte spätestens in diesem Jahr auch in Dessau zum absoluten Publikumsliebling.

ANHALT 2020 mit Audiodeskription – Seitenblick auf die 100-Meter-Sprintbahn im Paul-Greifzu-Stadion, wo gerade vier Läufer Kopf an Kopf von links nach rechts vorbeilaufen. Ein weiterer Läufer ist bereits zwei Meter hinter ihnen abgeschlagen, Foto: Tomke Koop.

Kopf an Kopf: Beim 100 Meter Sprint setzte sich Yupun Abeykoon Mudiyanselage aus Sri Lanka (vorne im Bild) mit einer Zeit von 10,16 Sekunden durch, Foto: Tomke Koop.

Große Ziele hatte sich auch Sprinter Deniz Almaz, der in Leipzig trainiert und für Wolfsburg startet, gesetzt. Mit 10,08 stellte er dieses Jahr schon eine Fabelzeit auf, die unter guten Umständen sogar für ein Olympisches Finale reichen würde. Aber ein anderer sprintete stattdessen ins Rampenlicht. Yupun Abeykoon Mudiyanselage dürfte bis dato nur echten Leichtathletik-Kennern ein Begriff gewesen sein. Der Mann aus Sri Lanka ließ die Konkurrenz bei einer Zeit von 10,16 Sekunden nur hinterherlaufen. Nebenbei stellte er einen neuen Landesrekord auf. Topfit könnte Mudiyanselage bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 einen reizvollen Kontrapunkt in der ansonsten meist von US-Amerikanern und Jamaikanern dominierten Sprint-Disziplin setzen. Dasselbe gilt übrigens auch für Deniz Almaz, der als Zweiter bei 10,18 Sekunden ins Ziel kam.

ANHALT 2020 mit Audiodeskription

Es gibt nicht viele Leichtathletik-Veranstaltungen, die auch sehbehinderten und blinden Fans eine Möglichkeit geben, live dabei zu sein. Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass ANHALT 2020 mit Audiodeskription stattfinden konnte. Unsere Reporter waren Peter Lomb und Florian Eib. Wir bedanken uns bei Anhalt-Sport e. V. für die Beauftragung und bei der Aktion Mensch für die Unterstützung. Leichtathletik-Veranstaltungen zeichnen sich dadurch aus, dass häufig mehrere Disziplinen parallel ablaufen. Die verschiedenen Einzelleistungen sollen aber natürlich trotzdem nicht vernachlässigt werden. Unsere Reporter konzentrierten sich auf einen Mix aus dem Erklären von Bewegungsabläufen, beispielsweise beim Stabhochsprung, Informationen zu den Sportlerinnen und Sportlern und dem abwechselnden kommentieren der Disziplinen in einer Art Konferenzschaltung. 

ANHALT 2020 mit Audiodeskription – Peter Lomb und Florian Eib sitzen an einem Reportertisch im Zuschauerbereich des Paul-Greifzu-Stadions. Auf dem Tisch stehen Laptops. Beide haben Headsets auf und lächeln in die Kamera. Sie werden die Geschehnisse für sehbehinderte und blinde Gäste des Events beschreiben, Foto: Tomke Koop.
Keine alltägliche Aufgabe: Leichtathletik mit Audiodeskription wurde bisher nur sehr selten umgesetzt. Das Event in Dessau haben wir zum ersten Mal begleitet, Foto: Tomke Koop.

Diese Konferenzschaltung konnte auch von allen Daheimgebliebenen in einem Live-Stream auf unserer Website mitverfolgt werden. Erstmals konnten wir zu diesem Event auch einen Fahrservice anbieten. Es ist eines unserer Ziele, auch schon bei der Anreise möglichst viele Barrieren für Menschen mit einer Behinderung abzubauen. Durch die Unterstützung des Handballvereins SC DHfK Leipzig konnten wir eine kleine Reisegruppe aus Leipzig bilden. 

ANHALT 2020 mit Audiodeskription – Ein Gruppenfoto zeigt die Gäste mit Sehbehinderung und ihre Begleitpersonen vor einem Klein-Bus mit dem Logo des SC DHfK Leipzig. Der Wagen steht auf dem Parkplatz vor dem Paul-Greifzu-Stadion. Mehrere Gäste haben ihre Blindenstöcke ausgeklappt, Foto: Tomke Koop.

Erstmals gab es einen Bustransfer für Gäste aus Leipzig. Sprinter wurde uns vom SC DHfK Leipzig bereitgestellt, Foto: Tomke Koop.

Nochmals danke, auch im Namen der mitgereisten Gäste an alle Beteiligten und Unterstützer von ANHALT 2020 mit Audiodeskription. Gemeinsam konnten wir ein weiteres wichtiges Zeichen zu inklusiven Angeboten bei Groß-Veranstaltungen setzen. Und auch die Athletinnen und Athleten haben einige neue Fans dazu gewonnen.