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HörMal Audiodeskription

Als Dienstleister unterstützen wir bei der Umsetzung von Barrierefreiheit bei Veranstaltungen. Wir sind Experten im Bereich Live-Hörbeschreibungen (Live-Audiodeskription) als inklusiver Service für Menschen mit jeglichen Formen von Seheinschränkungen. Wir haben uns 2019 in Leipzig gegründet.

Cover von SICHTBAR – Der Podcast dzb lesen spezial: Das Logo des Podcasts ist in weiß gefärbt. Es prankt auf einer Fläche aus unzähligen leuchtend bunten und leicht transparenten Kreisen. Die Kreise sind in orange, grün, rot, und blau gefärbt. Das Bild wirkt durch die Farben lebendig und frisch. Das Logo hebt sich deutlich von dieser Fläche ab. Um die Wörter „Sichtbar“ und darunter unter einem weißen Strich „Der Podcast“ ist fast zu einem gesamten Kreis ein stilisiertes Mikrofon abgebildet. Unter dem Logo steht in dunkelblauer Schrift „dzb lesen spezial“, Grafik: Tomke Koop. Bildrechte: HörMal Audiodeskription 2020.

SICHTBAR-Podcast: dzb lesen spezial

SICHTBAR-Podcast: dzb lesen spezial

Cover von SICHTBAR – Der Podcast dzb lesen spezial: Das Logo des Podcasts ist in weiß gefärbt. Es prankt auf einer Fläche aus unzähligen leuchtend bunten und leicht transparenten Kreisen. Die Kreise sind in orange, grün, rot, und blau gefärbt. Das Bild wirkt durch die Farben lebendig und frisch. Das Logo hebt sich deutlich von dieser Fläche ab. Um die Wörter „Sichtbar“ und darunter unter einem weißen Strich „Der Podcast“ ist fast zu einem gesamten Kreis ein stilisiertes Mikrofon abgebildet. Unter dem Logo steht in dunkelblauer Schrift „dzb lesen spezial“, Grafik: Tomke Koop. Bildrechte: HörMal Audiodeskription 2020.

Im August 2020 haben wir unseren Podcast „SICHTBAR“ ins Leben gerufen. Unser Ziel war es, die vielen interessanten Gespräche, die wir führen dürfen auch öffentlich zu machen. Wir befassen uns in unserer Arbeit mit den Themen Barrierefreiheit, Teilhabe und Inklusion. Dabei treffen wir regelmäßig Engagierte, Vordenker und natürlich auch viele Menschen mit Handicaps persönlich. Der Podcast wird gemeinsam mit unserem Partner, dem Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen herausgegeben.

Podcast-Folgen rund um das dzb lesen

Auf dieser Seite findet ihr unsere bisher erschienenen Podcast-Folgen unter dem Motto „dzb lesen spezial“. In diesen Folgen dreht sich alles um unseren Partner dzb lesen. Diese Podcast-Folgen sollen einen kleinen Einblick hinter die Kulissen und in die Arbeit des dzb lesen geben.



Hört den Podcast auf eurem iPhone: https://apple.co/37mvqcO … oder bei Spotify: https://spoti.fi/3o85TL9
Wie funktioniert Audiodeskription: Matthias Döpke und Tomke Koop sitzen auf roten Sitzen sich zugewandt im Zuschauerrang des Schauspiel Leipzig. Matthias Döpke spricht in ein Mikrofon, das Tomke Koop in seine Richtung hält. Foto: Florian Eib.

SICHTBAR-Podcast: Wie funktioniert Audiodeskription?

Wie funktioniert Audiodeskription?

Wir von HörMal Audiodeskription begleiten schon seit einigen Jahren Live-Events mit Hörbeschreibungen für Menschen mit einer Seheinschränkung. In Gesprächen mit unseren Partnern und Interessenten haben wir vor allem eines festgestellt: Viele Menschen kennen den Service Audiodeskription noch nicht. Wir sind davon überzeugt, dass Audiodeskription einer Vielzahl von Menschen ein besseres Erlebnis von Veranstaltungen und Filmen ermöglichen kann. 

In dieser Folge von SICHTBAR – Der Podcast erklären wir deshalb, wie Audiodeskription funktioniert, für wen sie einen Mehrwert bieten kann und was unser Verständnis von Audiodeskription ist. 

Und um nicht nur theoretisch zu bleiben, nehmen wir unsere Hörerinnen und Hörer mit auf einen Abend im Schauspiel Leipzig. Dort zeigen wir am lebenden Beispiel, wie ein Abend mit mit dem inklusive Service Audiodeskription ablaufen kann und welche weiteren Hilfsmittel mitgedacht werden müssen. 

Transkript zur Folge: Wie funktioniert Audiodeskription (PDF)


Wie funktioniert Audiodeskription: Matthias Döpke und Tomke Koop sitzen auf roten Sitzen sich zugewandt im Zuschauerrang des Schauspiel Leipzig. Matthias Döpke spricht in ein Mikrofon, das Tomke Koop in seine Richtung hält. Foto: Florian Eib.

Tomke Koop von HörMal Audiodeskription hat mit Matthias Döpke, Dramaturg und Verantwortlicher für die Audiodeskription am Schauspiel Leipzig, gesprochen und die blinden und sehbehinderten Gäste im Schauspiel einen Abend begleitet. Foto: Florian Eib.

 

Für wen ist Audiodeskription hilfreich?

Bei einer Audiodeskription (auch Hörbeschreibung genannt) handelt es sich um eine Art zusätzliches Hörerlebnis. Geschulte Reporter beschreiben und erklären alles, was für Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt sehen können, nicht zugänglich ist. Beispielsweise die Parade des Torhüters, wo genau sich der Ball auf dem Spielfeld befindet oder wie das Bühnenbild bei einem Schauspielstück gestaltet ist.

Es gibt verschiedene Formen von Hörbeschreibungen. Wir erklären in dieser Folge, wie und wo diese umgesetzt werden können. Zum Beispiel im Fernsehen, als vorgeschriebenen Skript im Theater oder komplett live und spontan auf Live-Events in einer Arena. 

Eine Gemeinsamkeit aller Formen von Audiodeskription: Sie eignen sich nicht nur für die Gruppe der blinden und sehbehinderten Menschen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass auch alle anderen Menschen, die etwas visuell nicht gut wahrnehmen können, davon profitieren. Zum Beispiel ältere Menschen, Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung. Auch Menschen mit einer Lernbehinderung können die zusätzlichen Erklärungen eine Hilfe sein. Die Beschreibungen werden vor Ort über Kopfhörer empfangen.

„Wir wollen Menschen in Gesellschaft bringen“

Unsere Expertise von HörMal liegt in der Live-Audiodeskription auf Veranstaltungen. Wir sehen in Veranstaltungen vor allem eines: Einen Begegnungsraum, in dem wir über die Leidenschaft zu einer Handballmannschaft, einer Musikgruppe oder einem Theaterstück und auch vielem mehr ins Gespräch kommen können. Es treffen sich Gleichgesinnte, die die Liebe zur Musik, zu einem Sportverein oder zur Kultur teilen. Ob jung, alt, klein, groß – es trifft sich ein Querschnitt unserer Gesellschaft. 

Und hier sehen wir optimale Bedingungen, um Barrieren – auch in den Köpfen – abzubauen und Menschen in Gesellschaft zu bringen. Denn hier treffen bestenfalls auch Menschen mit und ohne Behinderung aufeinander, kommen ins Gespräch und werden sichtbar.

Wie funktioniert Audiodeskription: Tomke Koop bei einer Stückeinführung im Schauspiel Leipzig. Sie steht mit blinden und sehbehinderten Gästen im Schauspiel Leipzig im Kreis. In der Hand hält sie ein blaues Stück Stoff während sie zu den Gästen spricht.
Bei einer Veranstaltung mit Audiodeskription können unsere Gäste oft auch haptische Modelle, zum Beispiel eines Spielfeldes, eines Balles oder einer Bühne ertasten. Im Schauspiel Leipzig können bei der Stückeinführung oft Stoffproben der Kostüme ertastet werden. Foto: Florian Eib

„Audiodeskription ist nur die Kür“

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Angebot von Hörbeschreibungen zwar gut gedacht ist, aber weit mehr als die bloße Beschreibung beinhalten sollte. Warum? Die Entscheidung zu einer Veranstaltung zu gehen, beginnt nicht erst im Stadion. Vor, während und nach der Veranstaltung gibt es viele Barrieren, die wir in unserer Arbeit versuchen abzubauen. 

Deshalb haben wir im laufe der Jahre ein erweitertes Verständnis von Audiodeskription entwickelt, zu der auch die Betrachtung dieser Punkte gehört: Ticketerwerb, barrierefreie Bewerbung der Angebote mit Audiodeskription, Hilfestellungen bei An- und Abfahrt, Begleitservices und auch eine auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung abgestimmte Sitzplatzverteilung. Hierzu beraten wir Veranstalter natürlich gerne! 

Wer sich für Veranstaltungsangebote mit Audiodeskription interessiert, kann sich in unseren Newsletter eintragen. Hier tragen wir die neusten Angebote zusammen und informieren ungefähr einmal monatlich per E-Mail. 


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.

SICHTBAR-Podcast: „Allen war schnell klar: Blind ist nicht gleich blöd.“

Ein blinder Lehrer erzählt – „Allen war schnell klar: Blind ist nicht gleich blöd.“

2019 erschien ein Buch mit dem Titel „Siehst du die Grenzen nicht, können sie dich nicht aufhalten“, geschrieben von Jutta Hajek. Portraitiert wurde Familie Müller, in der nicht nur der Vater und die Mutter, sondern auch die beiden Söhne augenkrank und blind sind. Heute arbeiten die beiden Kinder erfolgreich als Lehrer bzw. Priester, doch auf dem langen Weg dorthin hatte die Familie viele Hürden zu meistern. Über die Geschichte der Familie redet Constantin Sträter SICHTBAR – Der Podcast mit Christof Müller, einem der beiden Söhne der Familie.

Eine Portraitaufnahme von Christof Müller. Er trägt eine blaue Strickjacke und hat seine Arme vor dem Körper verschränkt. Seine grauen Haare sind zu einem Scheitel frisiert, Foto: Christof Müller.

Christof Müller hat mit uns über seine Lebensgeschichte und seinen Beruf als Lehrer in Marburg gesprochen, Fotorechte: Christoph Müller.


Transkript zur Folge: Ein blinder Lehrer erzählt (PDF)

„Es hieß noch nicht so, aber eigentlich wurde meine Mutter inklusiv beschult“

Eine latente Gefahr für die Eltern bestand in deren Kindheit immer. Sie wurden beide 1937 geboren und im dritten Reich drohte ihnen schlimmstenfalls das Euthanasie-Programm der Nazis. Und so kam auch eines Tages die Gestapo bei Familie Müller vorbei. Sie hatten den Hinweis bekommen hatten, dass sich in der Familie ein blindes Kind befindet. Die sechsjährige Marie Müller konnte schnell fliehen und sich so retten. Ansonsten existierte in ihrem Dorf ein großer solidarischer Geist. Ihr Lehrer setzte sie in die erste Reihe und die Mitschüler*innen halfen ihr, wenn Marie Müller gerade einmal Unterstützung brauchte. Auch wenn es nicht so genannt wurde, hat damals bereits eine ganz praktische Form der Inklusion stattgefunden. 

„Mein Bruder ist nicht nur mein Bruder, sondern eigentlich auch mein bester Freund“

Marie Müller lernte später ihren Mann kennen und bekam zwei Kinder mit ihm, die beide ebenfalls blind waren: Christof und Stefan. Bei der Bewältigung der vielen Herausforderungen haben Christof Müller und seiner Familie zwei Dinge immer geholfen: Der christliche Glaube und der Zusammenhalt in der Familie. Aus dem christlichen Glauben erwuchs die große Zuversicht, die Herausforderungen des Lebens bewältigen zu können. „Ich habe auf Gott vertraut, dass Gott, wenn ich mich anstrenge, schon helfen und mir einen Weg aufzeigen wird. Ich habe die Erfahrung gemacht, in schier ausweglosen Situationen kam immer irgendwo Hilfe her. Das hat mich geprägt“, sagt Christof Müller.

Eine grauhaarige mit Blindenstock, blauer Hose und rotem Oberteil steht neben zwei mittelalten Männern, die beide dunkle Hosen und dazu ein weißes Hemd tragen. Sie alle stehen vor einem doppelflüggen Holztor mit metallnen Türbeschlägen. Über der Wand neben der Tür hängen grüne Blätterranken herunter, Fotorechte: Christof Müller.
Ein Familienbild: Familie Müller vor den Toren von Schloss Schenna, Fotorechte: Christof Müller.

Schon früh hatten er und sein Bruder viel Verantwortung, da sie in ihrer Kindheit besser sehen konnten als ihre Eltern. Aber als Druck hat Christof Müller das nie empfunden. Er sagt, dass er kein Mitleid bekommen und so schon viel Eigenverantwortlichkeit gelernt habe. Genaus o vertraut er auch heute seinen Schüler*innen. Er möchte keine Assistenz in den Unterrichtsstunden, damit die Schüler einen geschützten Rahmen mit ihm haben und selber Verantwortung übernehmen. „Denn wenn sie die übernehmen“, so Müller, „dann ist das auch eine große Chance für sie.“
Die bewegende Lebensgeschichte der Müllers erzählt Jutta Hajek in „Siehst du die Grenzen nicht, können sie dich nicht aufhalten“, erschienen im bene!-Verlag. Das Buch wurde von der Deutschen Katholischen Blindenbücherei außerdem auch als Hörbuch vertont und ist im Medibus-Netzwerk abrufbar.


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.

Selbstverteidigung für Blinde: Marco Beyer im Kampf mit einem anderen Mann. Beide tragen schwarze Kampfanzüge und tragen schwarze Gürtel. Beyer hat kurze braune Haare und einen Chin-Strip-Bart. Mit einer ausladenden Armbewegung schiebt Marco den Arm seines Gegners beiseite, Bildrechte: Marco Beyer.

SICHTBAR-Podcast: Selbstverteidigung für Blinde mit Kampfkünstler Marco Beyer

Selbstverteidigung für Blinde: 
„Der Weg ist das Ziel.“

Marco Beyer ist mit 27 Jahren späterblindet, was ihn vor ganz neue Herausforderungen stellte. Der Selbstverteidigungssport Taidô Ryû Jû Jûtsu gab ihm die Möglichkeit, auch als Blinder seiner Leidenschaft, der Kampfkunst, nachzugehen. Um all die Erlebnisse zu verarbeiten, entschied er sich ein Buch zu schreiben, das seine Sicht auf die Welt der Sehenden zeigen soll. Antonia Lemke hat Marco für SICHTBAR – Der Podcast in seiner Heimatstadt Marburg getroffen.

Selbstverteidigung für Blinde: Marco Beyer im Kampf mit einem anderen Mann. Beide tragen schwarze Kampfanzüge und tragen schwarze Gürtel. Beyer hat kurze braune Haare und einen Chin-Strip-Bart. Mit einer ausladenden Armbewegung schiebt Marco den Arm seines Gegners beiseite, Bildrechte: Marco Beyer.

Gerne in Aktion: Marco Beyer in seiner Kampfschule. Dort trainiert er mehrmals in der Woche, Bildrechte: Marco Beyer.


Transkript zur Folge: Selbstverteidigung für Blinde (PDF)

„Die Blindenwelt ist nicht meine Welt.“

Marco Beyer hatte zwar schon von Geburt an eine starke Sehschwäche, aber er konnte lange Zeit, wie er selbst sagt, ein normales Leben führen. Mit ein bisschen Hilfe hat er die Schule und seine Ausbildung gemeistert. Obwohl ihm die Ärzte schon früh sagten, dass er einmal erblinden würde, wollte er das nicht wirklich wahrhaben und lebte sein Leben. Mit dem Beginn seiner ersten Ausbildung, bemerkte er langsam die Einschränkungen, die mit seiner Netzhauterkrankung einher gingen. Räumliches Sehen war für ihn nicht möglich und er musste seine Maurerausbildung gezwungenermaßen abbrechen. Seine zweite Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann konnte er zwar erfolgreich abschließen, aber lange blieb er nicht. Seine Einschränkungen wurden stärker, die Belastbarkeit seiner Augen auch mit Hilfsmitteln immer geringer. Mit 27 Jahren war seine Erblindung so weit Fortgeschritten, dass er berentet wurde: „Ich war irgendwann nach meiner Erblindung an einem Punkt, wo ich für mich selbst habe rausfinden müssen, ob das Leben weiter einen Sinn macht.“

Marco Beyer geht mit seinem Blindenführhund einen Schotterweg entlang. Links und rechts ragen Bäume und Büsche auf, Bildrechte: Marco Beyer.

Marcos treuester Begleiter ist heute sein Blindenhund Ringo. „Er ist mein Auge“, sagt der gebürtige Pfälzer. Gemeinsam laufen die beiden sogar Halbmarathon, Bildrechte: Marco Beyer.

„Viele Situationen, sind erstmal schwierig, aber man kann sie überwinden.“

Diese Lebensumstellung hat Marco Beyer vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Für ihn hieß es dann: Annehmen oder nicht. Er entschied sich zum Glück für Ersteres. Heute sagt er dazu schlicht: „Das Leben hat noch viele schöne Sachen zu bieten.“ Um seine Erfahrung zu verarbeiten, entschied er sich, alles aufzuschreiben. Dadurch entstand sein Buch: „The Blind Jiuka – Das Leben des Marco Beyer in der Welt der Sehenden“. Den Titel hat er ganz bewusst gewählt und sieht sich außen vor in dieser Welt, weil er viele Dinge macht, die von ihm nicht erwartet werden. Jiuka: ein Mensch, der eine Kampfkunst ausübt. Und das steckt auch dahinter. Er hat für alles in seinem Leben gekämpft und will anderen Blinden und Sehgeschädigten zeigen, dass nichts unmöglich ist. Ganz besonders möchte er aber die Sehenden ansprechen, ihnen vor Augen führen, dass die Welt auf sie ausgerichtet ist und Menschen mit Einschränkungen viele Dinge anders angehen müssen. Gleichzeitig will er in dieser ‚Welt der Sehenden‘ etwas verändern: mehr Akzeptanz, mehr Integration und Anpassung.

„Trotzdem eine gute Geschichte daraus machen“

Seine Leidenschaft zur Kampfkunst hat er schon von seinem Vater geerbt, doch das war mit seiner Erblindung nicht mehr umsetzbar. Er suchte nach einer neuen Möglichkeit. Selbstverteidigung war das Stichwort und mit seinem Umzug nach Marburg, fand er Taidô Ryû Jû Jûtsu. Eine Selbstverteidigungskunst, die auf Kontakt basiert. Er unterschrieb den Vertrag noch am gleichen Tag. Für ihn war das Besondere daran nicht nur, dass er diese Sportart problemlos durchführen konnte, sondern viele andere Menschen mit Einschränkungen auch. Die Sportart bedient sich sogenannten Hebeltechniken. Das bedeutet, man braucht keine Kraft und man kann auch als gehandicapter Mensch einen anderen kontrollieren. Ein weiterer Vorteil: Es tut zwar ziemlich weh, aber man verletzt niemanden ernsthaft. Und weil das so gut funktioniert, hat Marco Beyer es auch als erster Blinder in Marburg geschafft, den ersten Dan (schwarzer Gürtel) zu erlangen, und durfte vor zwei Jahren beginnen, andere in seiner Kampfschule zu unterrichten.

Marco Beyer steht hinter seinem liegenden Blindenhund. Er trägt einen schwarzen Kampfanzug. Im Hintergrund hängen Schwerter an der Wand, Bildrechte: Marco Beyer.
Auch zu Vorträgen oder Schultrainings sind Marco und sein Hund gemeinsam unterwegs, Bildrechte: Marco Beyer.

Dabei ist ihm ganz egal, wer zu seinem Training kommt. Marco schult nicht nur Selbstverteidigung für Blinde. Er will den Menschen zeigen, dass man vor seinen Einschränkungen nicht halt machen sollte und trotzdem Dinge ausprobiert und seine Ziele verfolgt: „Dass auch andere sehen, es gibt Menschen, die haben das Gleiche Problem und die haben trotzdem eine gute Geschichte draus gemacht.“

Mit dieser Motivation verfolgt Marco Beyer auch eine andere Beschäftigung. Er nennt sich selbst ‚Referent für Motivationstraining‘. Er gibt Kurse u.a. in Unternehmen und will damit ein weiteres Mal zeigen: Man kann aus einer schweren, herausfordernden Situation etwas Gutes machen. Das möchte er auch in Zukunft an Menschen, egal mit welcher Geschichte, weitergeben.


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.

Berufliche Integration – Dafür setzt sich Susanne Klein ein. Das Portraitfoto zeigt sie lächelnd und mit Brille in einem dunkelblauen Top, darüber ein hellblaues Jeanshemd. Sie trägt schulterlange grau-melierte Haare. Im Hintergrund erscheint das buntgefärbte Logo von AKQUINET, Foto: AKQUINET.

SICHTBAR-Podcast: AKQUINET – Wie gelingt berufliche Integration?

AKQUINET – Wie gelingt berufliche Integration?

AKQUINET ist ein unabhängiges und eigentümergeführtes Unternehmen, das verschiedenste Beratungs- und Service-Leistungen im IT-Bereich anbietet. Dabei leistet sich die AG zusätzlich einen Inklusionsbetrieb, die akquinet outsourcing gGmbH. Über 45 Prozent der Mitarbeitenden hier haben eine ausgewiesene Schwerbehinderung. Wir haben deshalb nachgefragt: Wie gelingt berufliche Integration?

Das Engagement der akquinet AG  wurde 2019 mit dem Hamburger Inklusionspreis ausgezeichnet. Das Unternehmen setze sich in besonderem Maße für Gleichberechtigung im Berufsleben ein, heißt es in der Begründung. Dabei wurde besonders „die Schaffung neuer Arbeitsbereiche und -felder für Menschen mit Behinderungen“ lobend erwähnt. Für diese Podcastfolge hat Florian Eib Susanne Klein, die Integrationsbeauftragte der akquinet outsourcing, getroffen. Beide haben über Chancen, Herausforderungen und Hindernisse beruflicher Integration gesprochen.

 
Gleichberechtigung im Berufsleben – Dafür setzt sich Susanne Klein ein. Das Portraitfoto zeigt sie lächelnd und mit Brille in einem dunkelblauen Top, darüber ein hellblaues Jeanshemd. Sie trägt schulterlange grau-melierte Haare. Im Hintergrund erscheint das buntgefärbte Logo von AKQUINET, Foto: AKQUINET.

Susanne Klein arbeitet seit Februar 2020 bei akquinet outsourcing. „Wegen Corona konnte ich viele der Kolleginnen leider noch nicht persönlich kennenlernen“, beschreibt die 64-Jährige die derzeit spezielle Arbeitssituation, Foto: AKQUINET.


Transkript zur Folge: Wie gelingt berufliche Integration? (PDF)

In kleinen Schritten auf dem richtigen Weg

Was alle Mitarbeitenden bei AKQUINET verbindet, ist die Leidenschaft für IT – einfacher gesagt für die Arbeit mit Computern, Soft- und Hardware. Für Susanne Klein gilt das allerdings nicht ganz. Sie sei vor allem für „das Menschliche“ da, freut sich die 64-Jährige. Und sie ist ein Freund klarer Worte. Offenheit in der Kommunikation sei sowieso das Allerwichtigste, wenn man bei dem Thema Inklusion etwas vorantreiben wolle, sagt sie.

An einem breiten Konferenztisch sitzen am einen Ende Florian Eib und am anderen Susanne Klein. Beide haben Headsets auf dem Kopf und blicken sich an. Susanne Klein gestikuliert. Florian hat einen Laptop mit Text und ein Mischpult vor sich, Foto: Tomke Koop.

Offenes Gespräch in Hamburg: Susanne Klein stand Journalist Florian Eib für SICHTBAR – Der Podcast Rede und Antwort, Foto: Tomke Koop.

Die Entwicklungen vor allem bei der akquinet outsourcing seien schon äußerst positiv zu sehen, findet Klein. Dennoch wolle man sich weiterentwickeln, was etwa die Anzahl der Menschen mit Schwerbehinderung in allen Gesellschaften der AKQUINET Gruppe angeht. „Wir sind dabei, auch da die Barrieren aus den Köpfen zu holen“, so Klein. Hier habe sie auch noch einige Arbeit vor sich. „Da wird auch gedacht, wir haben ja schon einen Integrationsbetrieb. Das kann man ja auch mit Stolz sagen, aber dennoch kann man sich ja mit dem Thema befassen.“ Gerade auch wenn man Vorbild für andere Unternehmen sein möchte, müsse man mit gutem Beispiel vorangehen.

Erst kürzlich gab es Gespräche, berichtet Susanne Klein, in denen man sich darüber geeinigt hat, wie sich auch die anderen Gesellschaften der AKQUINET Gruppe mehr mit dem Thema Inklusion am Arbeitsplatz befassen.

Eine Schwierigkeit: Genügend Bewerber finden

Zur ganzen Wahrheit gehöre aber auch, dass sich viel zu wenige Menschen mit Einschränkung für Jobs bewerben würden. Initiativ-Bewerbungen seien jederzeit erwünscht, so Klein. Hier würde sich Susanne Klein auch mehr Mut bei den Arbeitssuchenden wünschen, es mit einer Bewerbung einfach zu versuchen.

Das Thema Öffentlichkeitsarbeit spielt bei AKQUINET auch für die Suche von Bewerbern mit Schwerbehinderung eine besondere Rolle. Über Videoformate und Online-Artikel, in denen die Mitarbeitenden über ihre Arbeit berichten, versucht man Zugang zu möglichen Job-Interessenten zu bekommen. Zusätzlich werden Anzeigen geschaltet und natürlich eine Menge Netzwerkarbeit betrieben. Ein besonderes Erlebnis stellen Team-Events, wie die Teilnahme am inklusiven Helga-Cup dar. Dabei handelt es sich um einen Segelwettbewerb für Frauen mit Handicap. Stolz berichtet Susanne Klein, dass man hier unter der Fahne von AKQUINET mitsegelt.

Ein Beispiel für berufliche Integration - Ein Portraitfoto von Lucas Carvalhana mit einem schwarzen T-Shirt. Er hat Glatze und lächelt breit. Im Hintergrund befinden sich einige Bäume und eine Wiese, Foto: AKQUINET.
Lucas Carvalhana arbeitet seit sechzehn Jahren bei AKQUINET. Tomke Koop hat für unseren Podcast mit ihm über seinen Arbeitsalltag und Hilfsmittel, die er wegen seiner Sehbehinderung braucht, gesprochen, Foto: AKQUINET.

Jeder hat seine Einschränkungen

Gleichberechtigung im Berufsleben – eine schöne Vorstellung und eine Richtung für die kommenden Jahrzehnte. „Es sind Begrenzungen in unseren Köpfen, die Zeit brauchen“, sagt Susanne Klein. Sie führt als Beispiele auch den Umgang mit Frauenrechten oder die Debatten über sexuelle Orientierung an. Alles Themen, die sich über Jahrzehnte weiterentwickelt haben. Die UN- Behindertenrechtskonvention, die 2009 ratifiziert wurde, sei dahingehend ein wichtiger Meilenstein gewesen, ist sich Klein sicher. Die nachfolgenden Aktionspläne zeigten auch schon Wirkung. Das Bewusstsein für Menschen mit Behinderung sei über die Jahre ein anderes geworden. Und überhaupt habe ja jeder seine Einschränkungen, lacht sie. Das müsse nur in den Köpfen der meisten Menschen noch mehr ankommen. 


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.

Ein Teamfoto der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Die Spieler und Verantwortlichen stehen in drei Reihen hintereinander und nach oben versetzt. Sie tragen dunkle Trikots, die Feldspieler grau und die Verantwortlichen schwarz jeweils mit grünem Aufdruck. Die drei Torhüter stehen in der ersten Reihe vorn und tragen gelbe Trikots. Sie halten grüne Handbälle in den Händen. Foto: Sascha Klahn/DHB, kurz vor der Olympia-Qualifikation mit Audiodeskription.

Handball Olympia-Qualifikation mit Audiodeskription

Handball Olympia-Qualifikation mit Audiodeskription

Zur Live-Audiodeskription:

Freitag, 12. März ab 15 Uhr
Deutschland gegen Schweden

Samstag, 13. März ab 15.20 Uhr
Deutschland gegen Slowenien

Sonntag, 14. März ab 15.30 Uhr
Algerien gegen Deutschland

Ein Teamfoto der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Die Spieler und Verantwortlichen stehen in drei Reihen hintereinander und nach oben versetzt. Sie tragen dunkle Trikots, die Feldspieler grau und die Verantwortlichen schwarz jeweils mit grünem Aufdruck. Die drei Torhüter stehen in der ersten Reihe vorn und tragen gelbe Trikots. Sie halten grüne Handbälle in den Händen. Foto: Sascha Klahn/DHB, kurz vor der Olympia-Qualifikation mit Audiodeskription.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht vor einer schweren Aufgabe. In den Qualifikationsspielen zu Olympia 2021 trifft das Team um Trainer Alfred Gislason auf Schweden, Slowenien und Algerien, Foto: Sascha Klahn/DHB.

Barrierefreies Angebot Audiodeskription

Wir bedanken uns beim Deutschen Handballbund, der Internationalen Handballföderation und der Sportvermarktungsagentur SPORTFIVE für die Möglichkeit, dieses Event mit einem barrierefreien Audio-Stream begleiten zu können. Wir werden alle Spiele der Deutschen Nationalmannschaft auf unserer Website übertragen. Dieses Angebot richtet sich vor allem an sehbehinderte und blinde Menschen. 

Im Vorfeld der Veranstaltung war es uns wichtig, uns für dieses barrierefreie Audio-Angebot stark zu machen. Das hat insgesamt drei Gründe: Es gab an uns explizite Anfragen von blinden Handballfans, die gerne persönlich vor Ort die Spiele erlebt hätten. Leider ist dies aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen ohnehin nicht möglich. Zweitens glauben wir, dass Sportevents mit nationalem Interesse zwingend barrierefrei gestaltet werden sollten. Wir kennen etliche blinde Handballfans, die ohne diesen Stream keinen Zugang zu den Spielen des Mini-Turniers hätten. Denn – drittens – es wird kein Alternativ-Angebot von ARD und ZDF geben. Beide Sender übertragen zwar die deutschen Spiele live im Free-TV, allerdings ohne Audiodeskription. Aus diesen Gründen freuen wir uns, dass wir mit der Unterstützung der genannten Partner die Olympia-Qualifikation dennoch mit Audiodeskription erlebbar machen können. 

Wir verfolgen hiermit keine kommerziellen Zwecke, sondern sind für diesen Service eigenständig und ehrenamtlich verantwortlich. Wir möchten alle sehbehinderten und blinden Handballfans oder Sportbegeisterten einladen, mit unseren Reportern Florian Eib, Peter Lomb und Christoph Häußermann mitzufiebern.

Vorbild Handball-Bundesliga

Seit 2015 sind unsere Reporter für den Handballbundesligisten SC DHfK Leipzig im Einsatz. Wir als HörMal Audiodeskription unterstützen seitdem bei jedem Heimspiel sehbehinderte und blinde Fans in der Halle. Dabei bieten wir einen Begleitservice sowie barrierefreies Ticketing an und sind für den inklusiven Service Audiodeskription verantwortlich. Über die Jahre hat sich im Handballsport eine immer größer werdende blinde Fangemeinschaft gebildet. In Zusammenarbeit mit der LIQUI-MOLY HBL statten wir seit drei Jahren den Supercup, das Pokal-Final4 und das Allstar-Game mit unserem barrierefreien Service aus. 

Ein Sporfoto zeigt Leipzigs Spielmacher Philipp Weber im Trikot der Deutschen Nationalmannschaft. Der hält einen grünen Handball in den Händen und blickt konzentriert und mit leicht geneigtem Kopf nach rechts. Im Vordergrund ist verschwommen ein Gegenspieler abgebildet, der mit ausgestrecktem Arm auf Philipp Weber zuläuft, Foto: Sascha Klahn/DHB.

Ein besonderes Highlight für alle Leipziger Handballfans. SC DHfK-Spielmacher Philipp Weber wird auch in der Olympia-Qualifikation eine wichtige Rolle als Spielgestalter zukommen, Foto: Sascha Klahn/DHB.

Blick zum Sportlichen: Zielstellung Olympische Spiele

Die Deutsche Handball-Nationalmannschaft hat sich nach der durchwachsenen Weltmeisterschaft im Januar neue Ziele gesteckt. Nun möchte man den olympischen Gipfel erobern und bei den Spielen in Tokio im August um die Medaillen mitspielen. Da passt es ganz gut, dass die Qualifikationsspiele für dieses Turnier im eigenen Land ausgetragen werden dürfen. Ab Freitag startet ein dreitägiger Spiel-Marathon an dessen Ende man das Olympia-Ticket sicher haben möchte. Dabei ist klar, dass die Gegner kein Selbstläufer sind. Mit Vize-Weltmeister Schweden wartet bereits am Freitag der vermeintlich stärkste Kontrahent. Es folgen am Samstag Slowenien und Sonntag Algerien.

Deutschland muss in seiner Vierergruppe mindestens Zweiter werden. Trainer Alfred Gislason ist deshalb froh, dass er auf der „Mission Tokio“ wieder auf fast alle Stammspieler zurückgreifen kann. Bis auf den Berliner Paul Drux, der wegen einer Knieverletzung passen muss, sind alle an Bord. Auf die THW-Kiel-Asse Hendrik Pekeler, Patrick Wienczek und Steffen Weinhold können wir uns ebenso freuen wie auf Kreativspieler Fabian Wiede. Sie alle hatten ihre WM-Teilnahme wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Für Wiede wird es nun sogar ein Heimspiel werden. Denn es wird in der Berliner Max-Schmeling-Halle gespielt. So vermeidet die Deutsche Mannschaft Reisestress. Allerdings ist es kein wirklicher Heimvorteil, denn Fans sind wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen nicht zugelassen. So müssen die Handballfans zu Hause die Daumen drücken.

Svenja Fabian mit glatten langen blonden Haaren streichelt eine auf einem Gartenzaun sitzende Katze am Kopf, Foto: Svenja Fabian.

SICHTBAR-Podcast: Im Gespräch mit der blinden Psychologin Svenja Fabian

„Alleinsein ist nichts für uns Menschen“

Svenja Fabian arbeitet in Bad Homburg als Psychotherapeutin in einer ärztlichen Gemeinschaftspraxis. Schon früh wurde ihr signalisiert, dass sie mit ihrer ruhigen und empathischen Art das Talent für die Tätigkeit als Psychotherapeutin mitbringt. Mittlerweile übt sie den Beruf seit 12 Jahren mit großer Leidenschaft aus. Constantin Sträter hat mit sich mit ihr für unseren Podcast getroffen.

Svenja Fabian mit glatten langen blonden Haaren streichelt eine auf einem Gartenzaun sitzende Katze am Kopf, Foto: Svenja Fabian.

Immer gern unter Leuten und im Gespräch. Schon früh war bei Svenja Fabian die Leidenschaft für einen therapeutischen Beruf vorhanden, Foto: Svenja Fabian.


  • Transkript (PDF) – Folge: Im Gespräch mit der blinden Psychologin Svenja Fabian

„Ich habe früh gelernt: Ich bin die, die anders ist“

Eigentlich hatte Svenja Fabian den Plan, ihre Interessen für Musik und Psychologie zusammenzuführen und als Musiktherapeutin zu arbeiten. Ein sehbehinderter Musiklehrer prophezeite ihr allerdings schlechte berufliche Aussichten, weshalb sie sich für den üblicheren Weg entschied: Studium der Psychologie in Marburg, danach Ausbildung zur Psychotherapeutin. Sie profitierte davon, dass die Universität Marburg auf die Belange blinder Studierender Rücksicht nahm, etwa indem in Teilen schriftliche durch mündliche Prüfungen ersetzt werden konnten.

Etwas Gegenwind gab es für die in der Nähe von Braunschweig aufgewachsene Fabian in der Ausbildung; als sie einen praktischen Teil in einer Klinik absolvieren wollte, die auf Abhängigkeits- und Suchterkrankungen spezialisiert ist, war die Chefin skeptisch. „Die wollen Sie doch dort verarschen“, sagte die Chefin  – und sie absolvierte den praktischen Teil in einer anderen Station. Auch sonst musste sie sich öfter beweisen als sehende Kollegen, etwa wenn sie gefragt wurde, ob sie überhaupt mit Patienten arbeiten könne, obwohl sie das in ihrem Studium und der Ausbildung immer wieder nachwies. Auf ihr Fortkommen hatte das keine großen Auswirkungen: 2008 beendete Svenja Fabian die Ausbildung erfolgreich und wurde Psychotherapeutin. Erst arbeitete sie als Angestellte in einer Praxis in Neu Ansbach, seit 2020 ist sie in Bad Homburg tätig.

„Es gibt immer einen Weg“

Das Svenja Fabian ihren beruflichen Weg so erfolgreich absolviert hat, ist kein Zufall. Auch bei der Arbeit mit den Patienten ist sie der festen Ansicht, dass es immer einen Weg gibt. „Auch wenn wir 80 Stunden danach suchen müssen. Aber es wird einen Weg geben.“ In der Verhaltenstherapie arbeitet sie insbesondere gegenwarts- und zukunftsorientiert. Im Gegensatz zu anderen Verfahren wie der Psychoanalyse oder der tiefenpsychologisch fundierten Therapie steht nicht die intensive Reflektion der Lebensgeschichte und der gemachten Erfahrungen im Vordergrund; er ist lediglich Teil, der in die Therapie integriert wird. Den Weg von Menschen zu begleiten und ihnen zu helfen, bereitet Fabian noch immer große Freude. Schwierig sei allein das Abschalten, wenn sie jemandem nicht wirklich helfen kann oder jemand die Therapie abbricht.

Svenja Fabian von Sonne beschienen steht Freien. Im Hintergrund ragt eine felsige Bergwand auf. Neben ihr steht ein gefüllter Wanderrucksack, Foto: Svenja Fabian.
Mit Zuversicht begegnet Svenja Fabian den Menschen, die Sie um Hilfe bitten. Ganz nach dem Motto: Es gibt immer einen Weg. Foto: Svenja Fabian.

Auch jüngere Menschen berühren sie, etwa wenn diese am Anfang ihres Lebens stehen und verzweifelt sind, weil sie nicht wissen, wie sie ihr Leben gestalten möchten. „Warum wollen sie das jetzt schon wissen“, fragt sich Svenja Fabian. 

Es sei schon interessant, wie die Patienten und psychische Probleme auch immer gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegeln, stellt Fabian fest. Dabei spricht sie in dem Podcast auch darüber, inwieweit man sein eigenes Glück in der Hand hat: „Glück hat auch viel damit zu tun, dass man für sich eine Dankbarkeit und eine Haltung der Achtsamkeit entwickelt. Dass man dankbar ist für das, was man hat.“


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org.

SICHTBAR – Der Podcast: Dating-Apps für Sehbehinderte. Ein Farbfoto einer hellen Holzfläche. Auf dieser liegt im unteren Bildrand ein weißes iPhone. schräg darüber befinden sich zwei rote Sprechblasen, in denen jeweils ein weißes Herz und eine weiße Sprechblase abgebildet sind. In der Mitte des Fotos ist das Logo von SICHTBAR abgebildet. Dieses besteht aus einem zu einem Kreis geschwungenen Mikrofon, in dessen Mitte der Schriftzug „SICHTBAR DER PODCAST“ steht.

SICHTBAR-Podcast: Dating-Apps für Sehbehinderte

Welche Dating-Apps eignen sich für Sehbehinderte?

Es gab schon immer unterschiedlichste Wege, jemanden kennenzulernen. Einer dieser Wege sind Dating-Apps, von denen es immer mehr Angebote auf dem Markt gibt. Besonders in Zeiten von Kontaktbeschränkungen scheinen sie an Bedeutung zu gewinnen. Wir haben uns gefragt, ob es auch Dating-Apps für Blinde und Sehbehinderte gibt und sind dieser Frage in Folge 10 unseres Adventskalenders auf den Grund gegangen.

Nun gibt es noch ein kleines Update, über das wir uns mit Manuel Beck unterhalten haben.

Ein Gruppenfoto mit Manuel Beck, Malaika Mihambo, Florian Eib und Tomke Koop von HörMal Audiodeskription.

Unser Gesprächspartner Manuel (links) ist viel und gerne unterwegs. Zum Beispiel bei Sportveranstaltungen. Jetzt, in Zeiten von Kontaktbeschränkungen, hatte er Zeit, verschiedene Dating-Apps auszuprobieren und konnte uns von seinen Erfahrungen berichten.


Transkript (PDF) – Adventskalender Türchen 10: Gibt es Dating-Plattformen für Blinde?

Transkript (PDF) – Dating-Apps für Sehbehinderte

Barrierefreies Dating – gar nicht so einfach

Als wir uns Fragen für unseren SICHTBAR-Adventskalender überlegten, stießen wir auch auf das Thema Dating-Apps für Sehbehinderte und fragten Manuel Beck, ob er in diesem Bereich bereits Erfahrungen gesammelt hätte. Der 32-Jährige ist blind und erzählte uns, dass er sich im Zuge der Kontaktbeschränkungen mit dem Thema Dating-Apps befasst hat. Dabei hat er zum Beispiel Tinder ausprobiert. Die App war für ihn einfach bedienbar. Schwierigkeiten traten erst beim Hochladen eines Bildes auf. Das mag für eine Person mit Sehbehinderung noch möglich sein. Allerdings ist der Bild-Eindruck bei dieser, wie auch vielen anderen Dating-Apps im Vordergrund. Als blinder Mensch müsste man sich die Bilder also von jemand anderem beschreiben lassen – das macht es eher schwierig. Eine Dating-App speziell für Blinde und Sehbehinderte kennt Manuel übrigens nicht. Und dabei betonte er auch, dass er sich im Sinne der Inklusion ohnehin nicht nur auf das Kennenlernen von Menschen mit Behinderung beschränken möchte.

Doch noch eine barrierefreie Dating-App?

So der Stand der Dinge bis zur Veröffentlichung unserer Folge im Dezember. Kurz danach ist Manuel allerdings doch noch fündig geworden und meldete sich prompt noch einmal bei uns. Denn er hat eine App gefunden, die seine Kriterien zur Barrierefreiheit weitestgehend erfüllt: Informationen sollten mit der Sprachausgabe ausgelesen und Nachrichten einfach gelesen und verschickt werden können. Fotos sollten außerdem nicht im Mittelpunkt stehen. Manuel erzählte uns von der App „Lovetastic“. Diese komme komplett ohne Bilder aus. Als schönes Extra-Feature besonders für Sehbehinderte empfindet Manuel die Möglichkeit, seine eigene Stimme hochzuladen. Insgesamt fällt Manuels Fazit zur Barrierefreiheit der App sehr positiv aus. Was die App noch für Funktionen hat und ob Manuel auch schon jemanden kennenlernen konnte, erfahrt ihr in unserer neuen Podcast-Folge. Viel Spaß beim Hören!

Noch ein kleiner Hinweis: Wir möchten mit unserer Folge keine Werbung für die App Lovetastic machen. Es handelt sich um einen kleinen Erfahrungsbericht, an dem wir euch teilhaben lassen möchten.

Hörerlebnisse schafft HörMal Audiodeskription durch Live-Beschreibungen. Hier ein Foto von Florian Eib bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2019 in Berlin. Florian sitzt mit einem Mikrofon an eine Reportertisch mit vielen Notizblättern darauf. Er hält ein Mikrofon in einer Hand und gestikuliert mit der anderen. Er hat Kopfhörer auf und blickt ins Stadionrund, dass mit vielen Tausenden Zuschauern besetzt ist, Foto: Tomke Koop.

01.01.2021 | Hörend Sehen – Hörerlebnisse und Begegnungen schaffen

 
Hörerlebnisse schafft HörMal Audiodeskription durch Live-Beschreibungen. Hier ein Foto von Florian Eib bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2019 in Berlin. Florian sitzt mit einem Mikrofon an eine Reportertisch mit vielen Notizblättern darauf. Er hält ein Mikrofon in einer Hand und gestikuliert mit der anderen. Er hat Kopfhörer auf und blickt ins Stadionrund, dass mit vielen Tausenden Zuschauern besetzt ist, Foto: Tomke Koop.

Audiodeskription seit 2014 – Florian Eib ist einer der erfahrensten Sprecher für Live-Audiodeskription in Deutschland. Gemeinsam mit seinen beiden Kollegen Peter Lomb und Tomke Koop wurde HörMal Audiodeskription gegründet, Foto: Tomke Koop.

„Sehend Hören – Hörerlebnisse und Begegnungen schaffen“

Quelle: urbanite Leipzig (Ausgabe Jan./Feb. 2021) / Autor: Marko Hartwig

Die HörMal Audiodeskription gUG ist Träger des Sächsischen Inklusionspreises 2020 und hat es sich zur Aufgabe gemacht, visuelle Eindrücke bei öffentlichen Großveranstaltungen durch geschulte Sprecher:innen für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglicher zu machen. Doch HörMal ist kein bloßer Audioguide …

Zusammen möchte das Gründer-Trio Peter Lomb, Tomke Koop und Florian Eib Begegnungen schaffen. Sie besuchen gemeinsam mit blinden und sehbehinderten Menschen Sport- und Kulturveranstaltungen und bieten ihnen eine sogenannte Audiodeskription. Bei einer Audiodeskription bzw. Hörbeschreibung werden visuelle Eindrücke in erklärende Sprache übersetzt. Das Ziel: Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung schaffen. Menschen mit Sehbehinderung sollen sich nach der Veranstaltung genau so über die Geschehnisse austauschen können wie sehende Gäste.

Etwa zwanzig sehbehinderte und blinde Gäste sitzen in zwei Stuhlreihen am Rand eines Handballspielfeldes. Sie haben Kopfhörer auf und empfangen eine Audiodeskription, um dem Handballspiel beim Pixum-Supercup in Düsseldorf folgen zu können.

Sehbehinderte und blinde Gäste bei einer Großveranstaltung in Düsseldorf. Über Kopfhörer empfangen sie die Spielbeschreibung eines Handballspieles von geschulten Reportern, Foto: Florian Eib.

Barrierefreiheit bedeutet mehr als breite Toilettentüren

Für ihr Engagement mit HörMal Audiodeskription wurde das Gründer-Team im Dezember mit dem 4. Sächsischen Inklusionspreis ausgezeichnet. Für das Team ist das eine Motivation, noch viele weitere Ideen umzusetzen. HörMal ist deutschlandweit aktiv – die meisten Veranstaltungen begleiten sie jedoch in Leipzig. Einer ihrer festen Partner ist der SC DHfK Leipzig, bei dem sie seit 2017 jedes Heimspiel der Handball-Männer für Blinde und Sehbehinderte beschreiben. Damit ist der Leipziger Verein der einzige Handball-Bundesliga-Club, bei dem solche Hörplätze bei jedem Event verankert sind. Es gibt einen bestimmten Anteil an Plätzen, die exklusiv Menschen mit Behinderung zur Verfügung stehen. Dazu zählen neben Rollstuhlfahrer:innen unter anderem eben auch Menschen mit Sehbehinderung. Doch viele Veranstalter:innen müssen sich das erst richtig bewusst machen: Sie denken bei barrierefreien Plätzen vornehmlich an Rollstuhlfahrende, sagt Florian Eib. „Insgesamt herrscht in der Gesellschaft eine Unsicherheit darüber, wie man mit Menschen mit Einschränkung umgehen kann und sollte“, so Eib weiter.

Eine Aufgabe der HörMal Audiodeskription ist es deshalb, Veranstalter:innen darauf aufmerksam zu machen, dass Barrierefreiheit so viel mehr bedeutet als breite Toilettentüren. Sie verweisen beispielsweise auf Richtlinien für Gehörlose, die auf Gebärdendolmetscher:innen angewiesen sind, Leitlinien zu den Plätzen und Hörbeschreibungen für Blinde oder eben darauf, dass barrierefreie Ticketslots ebenso Menschen mit Sehbehinderung zur Verfügung stehen wie Rollstuhlfahrer:innen und schaffen damit ein neues Bewusstsein für Inklusion.

Sächsischer Inklusionspreis 2020: Ein Farbfoto von der Preisverleihung des sächsischen Inklusionspreises 2020. Die Preisträger Peter Lomb, Tomke Koop und Florian lächeln in die Kamera und halten jeweils eine Urkunde, einen Blumenstrauß und einen großen Scheck über 1.000 Euro. Neben ihnen steht ein großer Aussteller mit der Aufschrift „Sächsischer Inklusionspreis 2020. Preisträger in der Kategorie Barrierefreiheit & Infrastruktur, HörMal Audiodeskription gUG, Hörerlebnisse und Begegnungen schaffen – Live-Hörbeschreibungen zur Barrierefreiheit.“ Zudem steht neben ihnen Stephan Pöhler, der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange für Menschen mit Behinderung.

Die Preisträger des sächsischen Inklusionspreises 2020 in der Kategorie Barrierefreiheit und Infrastruktur: Peter Lomb, Tomke Koop und Florian Eib von HörMal Audiodeskription und der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung bei der Preisverleihung. Foto: Geschäftsstelle des Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen; Swen Reichhold.

Inklusion – aber bitte richtig

Noch immer gebe es Großveranstaltungen in ganz Deutschland, bei denen Sehbehinderte in Bezug auf visuelle Eindrücke systematisch ausgeschlossen werden. So setzt man diese beispielsweise auf Plätze mit ohnehin eingeschränkter Sicht – oft weit entfernt von Spielfeld oder Bühne. Dabei bleibt der Inklusionsgedanke leider weitgehend auf der Strecke und ein ungezwungener Austausch nach der Veranstaltung wird nur allzu oft von Stigmatisierung überschattet. Es sei inakzeptabel, so Eib und Koop, dass potenziell zu erlebende Eindrücke nicht endgültig ankommen. Um dem entgegenzuwirken, besucht das Team von HörMal Audiodeskription gemeinsam mit Betroffenen das Event. 

Normalerweise können Blinde und Sehbehinderte dazu kostenfrei eine Begleitperson mitbringen. Diese ist jedoch im sozialen Umfeld der betroffenen Personen nicht immer verfügbar, sodass hier der Begleitservice zum Tragen kommt, den HörMal zusätzlich bietet. Unterstützt von ehrenamtlichen Helfer:innen ist Tomke Koop dann in den Publikumsrängen zu Gange und achtet auf ein einwandfreies Erlebnis für alle HörMal-Kund:innen, während Peter Lomb und Florian Eib live vor Ort die Geschehnisse beschreiben. Die Beschreibung empfangen die Gäste über ein mobiles Audioguide-System.

Zum Begleitservice gehören auch das Ablaufen eines Veranstaltungsortes und die Begleitung in den Gastro-Bereich. Immer wieder betonen die Gründer den Fokus auf inklusive und gemeinsame Erlebnisse. Dabei achten sie besonders auf die Wünsche und Rückmeldungen, die an sie herangetragen werden.

Schon lange engagiert sich das Team im Bereich Inklusion und Barrierefreiheit. Nachdem sich Audiodeskription zur Fußball-WM 2006 in Deutschland etablierte, begannen Florian Eib und Peter Lomb etwa zehn Jahre später die Hörbeschreibung auch auf andere Sportarten zu übertragen. Auf Anregung von DHfK-Präsident Karsten Günther brachten sie Audiodeskription zum Leipziger Handball-Verein. Danach folgten u. a. Engagements bei Volleyball-, Basketball- und Leichtathletik-Veranstaltungen. Für Florian Eib ergänzt sich HörMal prima mit seinem Beruf als Sprecher und Sportjournalist. Den Gegenpol dazu bietet Tomke Koop, die sich als Betriebswirtin für alles rund um die Kommunikation mit Veranstalter:innen, Verbänden und Menschen mit Sehbehinderung zuständig zeigt. Komplettiert wird die Triade durch Peter Lomb, der ebenfalls als Sprecher für Audiodeskription aktiv ist und die Geschäftsführung übernimmt.

Neu im Audio-Angebot: Der Podcast „SICHTBAR“

Damit Menschen mit Sehbehinderung wissen, welche Veranstaltungen in ihrer Nähe mit Audiodeskription stattfinden, wird monatlich ein Newsletter von HörMal versendet. Auch Facebook wird als vermittelnde Plattform genutzt, um auf Veranstaltungen mit Audiodeskription und Themen rund um Barrierefreiheit und Inklusion aufmerksam zu machen. Aufgrund der Corona-Pandemie finden zwar momentan keine Veranstaltungen statt, das hat das Team von HörMal allerdings nicht davon abgehalten, ihre Ideen weiter zu verfolgen. So entstand im Sommer 2020 „SICHTBAR – Der Podcast“. 

Es gebe nach Information bislang wenige Podcasts zu den Themen Barrierefreiheit und Inklusion. Hier setzt HörMal mit dem Ziel an, Barrieren in den Köpfen der Menschen abzubauen – nicht zuletzt, weil der Podcast als Audioformat für Menschen mit Behinderung auch ein zunehmend wichtiges Medium darstellt. Doch der Podcast richtet sich nicht ausschließlich an Menschen mit Sehbehinderung. Er soll den Diskurs für alle Menschen eröffnen. Zu Gast sind Betroffene und Personen, die sich im Bereich Inklusion und Barrierefreiheit engagieren. Alle zwei Wochen erscheint eine neue Folge auf allen gängigen Podcast-Plattformen. Langfristig soll sich laut Eib und Koop der Podcast auch als visuelles Format auf YouTube etablieren, um durch Untertitelung sowie den Einsatz eines Gebärdendolmetschers auch hörgeschädigte Menschen erreichen zu können.

Sächsischer Inklusionspreis 2020: Ein Farbfoto von der Preisverleihung des sächsischen Inklusionspreises 2020. Die Preisträger Peter Lomb, Tomke Koop und Florian lächeln in die Kamera und halten jeweils eine Urkunde, einen Blumenstrauß und einen großen Scheck über 1.000 Euro. Neben ihnen steht ein großer Aussteller mit der Aufschrift „Sächsischer Inklusionspreis 2020. Preisträger in der Kategorie Barrierefreiheit & Infrastruktur, HörMal Audiodeskription gUG, Hörerlebnisse und Begegnungen schaffen – Live-Hörbeschreibungen zur Barrierefreiheit.“ Zudem steht neben ihnen Stephan Pöhler, der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange für Menschen mit Behinderung.

03.12.2020 | DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther ist stolz

 

Sächsischer Inklusionspreis 2020: Ein Farbfoto von der Preisverleihung des sächsischen Inklusionspreises 2020. Die Preisträger Peter Lomb, Tomke Koop und Florian lächeln in die Kamera und halten jeweils eine Urkunde, einen Blumenstrauß und einen großen Scheck über 1.000 Euro. Neben ihnen steht ein großer Aussteller mit der Aufschrift „Sächsischer Inklusionspreis 2020. Preisträger in der Kategorie Barrierefreiheit & Infrastruktur, HörMal Audiodeskription gUG, Hörerlebnisse und Begegnungen schaffen – Live-Hörbeschreibungen zur Barrierefreiheit.“ Zudem steht neben ihnen Stephan Pöhler, der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange für Menschen mit Behinderung.

Die Preisträger des sächsischen Inklusionspreises 2020 in der Kategorie Barrierefreiheit und Infrastruktur: Peter Lomb, Tomke Koop und Florian Eib von HörMal Audiodeskription und der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung bei der Preisverleihung. Foto: Geschäftsstelle des Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen; Swen Reichhold

„Sächsischer Inklusionspreis 2020 geht an die Macher der DHfK-Audiodeskription“

Quelle: SC DHfK Leipzig vom 03.12.2020 / Autor: John Wieden

Was für eine Überraschung! Die Macher der Audiodeskription des SC DHfK Handball haben den Sächsischen Inklusionspreis 2020 gewonnen. Am Donnerstag wurde die HörMal Audiodeskription mit dem Inklusionspreis in der Kategorie Barrierefreiheit und Infrastruktur ausgezeichnet.

Als einer der Vorreiter in der Handball-Bundesliga was das Thema Inklusion betrifft, gibt es bei den Heimspielen des SC DHfK Leipzig bereits in der 5. Saison in Folge eine Audiodeskription bei jedem Heimspiel. Die Spielbeschreibung für sehbehinderte und blinde Handballfans durch geschulte Reporter hatte im Jahr 2017 als ehrenamtliches Projekt begonnen. In Zusammenarbeit mit der Handball-Bundesliga GmbH waren die DHfK-Blindenreporter bereits bei anderen Handball-Großveranstaltungen, wie dem Pixum Super Cup und dem All Star Game im Einsatz. Außerdem berichteten sie per Audiodeskription ebenfalls von der Handball-WM der Frauen 2017 sowie der Heim-WM 2019 der Männer.

Inzwischen hat das Team um Florian Eib, Peter Lomb und Tomke Koop professionelle Strukturen geschaffen. 2019 gründeten sie die HörMal Audiodeskription und setzen sich dort nicht nur beim Handball, sondern bei ganz vielen Großveranstaltungen für Teilhabe und Barrierefreiheit ein. Obwohl das Jahr 2020 große Herausforderungen mit sich brachte und viele geplante Sport- und Kulturveranstaltungen mit Audiodeskription abgesagt werden mussten, startete die HörMal Audiodeskription in diesem Jahr zahlreiche neue Projekte und entwickelte viele digitale Formate für ihre Zielgruppe. Gemeinsam mit dem SC DHfK Handball arbeiteten sie beispielsweise an barrierefreien Sport-Mitmacht-Videos für Kinder.

„Wir gratulieren der HörMal Audiodeskription ganz herzlich und sind sehr stolz darauf, dass dieses Projekt, was vor mehr als vier Jahren bei unserem ersten Inklusionsspieltag seinen Anfang genommen hat, heute mit so einer großartigen Auszeichnung prämiert wurde. Neben ihrem Engagement bei uns, hat die HörMal Audiodeskription bereits internationale Großereignisse begleitet und ihren Service mittlerweile auf ganz viel Sport- und Kulturveranstaltungen ausgeweitet. Das ist eine ganz spannende Geschichte, die zeigt, was möglich ist, wenn ein paar „positiv Verrückte“ bereit sind, anzupacken und ihren Enthusiasmus einzubringen“, freut sich DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther.

Die traditionelle Preisverleihung vom Sächsischen Inklusionspreis fand angesichts der aktuellen Corona-Schutz-Bestimmungen diesmal nicht im Sächsischen Landtag in Dresden, sondern beim Kommunalen Sozialverband in Leipzig statt. Insgesamt 60 Einrichtungen und Initiativen hatten sich mit eindrucksvollen Beispielen um den Inklusionspreis beworben.