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SICHTBAR – Der Podcast

Barrieren in den Köpfen abbauen.

Seit Sommer 2020 pflegen wir einen eigenen Podcast. „SICHTBAR – Der Podcast“ ist unter anderem auf Spotify, iTunes und bei Google Podcasts zu finden. Mittlerweile sind extrem viele verschiedene Podcast-Formate auf dem Markt. Aber die Wenigsten befassen sich mit den Themen Menschen mit Behinderung und Barrierefreiheit. Wir glauben, dass es für eine soziale Gesellschaft wichtig ist, dass man auch darüber ins Gespräch kommt und auch im Gespräch bleibt.

In SICHTBAR – Der Podcast erzählen wir deshalb Geschichten und zeichnen Portraits von Menschen, die zum Beispiel selbst eine Behinderung haben. Außerdem treffen wir Engagierte, Vordenker, Kreative und andere Personen des öffentlichen Lebens, die sich für Barrierefreiheit und Inklusion einsetzen oder damit zu tun haben. Da wir uns in unserer Arbeit hauptsächlich mit dem Thema Sehbehinderung auseinandersetzen, steht „sichtbar“ – als Wortspiel – für die Idee, interessanten Persönlichkeiten Gehör zu verschaffen.

Wir nehmen gerne jederzeit Vorschläge für weitere Themen und Gesprächspartner auf. Unsere Folgen sind individuell gestaltet, weil unser Autorenteam aus Personen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergrund besteht. Für Rückmeldungen jeder Art sind wir unter sichtbar@hoermal-audio.org zu erreichen.

Comiclesung mit Audiodeskription: Auf einem Foto sitzen Dominik Wendland und Florian Eib nebeneinander auf einer Bühne. Sie blicken in Laptops und sprechen in Mikrofone. Im Hintergrund sind an einer weißen Wand Auszüge des Comics projiziert, Foto: HörMal Audiodeskription.

Comiclesung mit Audiodeskription

Comiclesung mit Audiodeskription: Auf einem Foto sitzen Dominik Wendland und Florian Eib nebeneinander auf einer Bühne. Sie blicken in Laptops und sprechen in Mikrofone. Im Hintergrund sind an einer weißen Wand Auszüge des Comics projiziert, Foto: HörMal Audiodeskription.
Eine einmalige Veranstaltung im Dezember 2025. Unsere erste Comiclesung mit Audiodeskription, die für alle Gäste hörbar war, Foto: HörMal Audiodeskription.

Comiclesung mit Audiodeskription

Wie kann man ein Comic für sehbehinderte oder blinde Menschen zugänglich machen? Mit dieser Frage sind das Literaturhaus Stuttgart und die Berthold Leibinger Stiftung im vergangenen Jahr an uns herangetreten. Wir durften unseren Beitrag in Form einer literarischen Audiodeskription leisten und diese in einer noch nie dagewesenen Form live präsentieren.
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„Immer alles anders“

Wie lebt es sich mit ständig wechselnden Situationen und Erwartungen anderer? Die Hauptperson in „Immer alles anders“ erlebt genau das, was wohl täglich jedem und jeder so oder so ähnlich passiert. Dominik Wendland hat diese Geschichte aus einem persönlichen Gefühl heraus entwickelt und eine Figur erschaffen, die je nach Umstand Farbe, Form oder auch das Geschlecht wechseln kann.

Eine Comiczeichnung: Ein runder offener Raum mit mehreren Ebenen und fidelen Menschen. Eine Person fliegt aus der Öffnung einer geschwungenen Rutsche, eine andere zockt an einem Casino-Automaten. Eine Person lässt Drachen steigen. Wieder andere Tischkickern. In einer Gondel an einer Seilkonstruktion sitzen zwei mit Tablet und Laptop. Auf einem Leuchtreklameschild steht in Schreibschrift: Flexibility is key. Getränke und Snack-Automaten sind gefüllt. Zahlreiche Grünpflanzen sorgen für eine angenehme Atmosphäre, Rechte: Dominik Wendland.
Bunt und detailverliebt. Dominik Wendlands Stil ist unverkennbar, Rechte: Dominik Wendland.

Zwei Aspekte spielten in der Konzeption eine Rolle: „Auf der einen Seite glaube ich, dass Persönlichkeitsentwicklung im besten Fall nie abgeschlossen ist – das ist etwas Schönes und etwas Gutes. Auf der anderen Seite gibt es auch stark von der Gesellschaft vorgegebene Räume, die Grenzen auferlegen“, so Wendland. „Dieses Spannungsfeld auszuloten, darum ging es mir auch in der Geschichte.“

Die ständige Veränderung der Figur und die teilweise abstrakte Darstellung waren für die Comiclesung mit Audiodeskription eine besondere Herausforderung. Wenn auch die Machart der Zeichnungen, die Dominik vorgelegt hat, beim Autor Florian Eib eine assoziative Sprache provoziert hat: „Es gab bei der Ausarbeitung der Audiodeskription immer wieder Momente, in denen ich bemerkt habe, wie passend Sprache sein kann. Es kommt zum Beispiel ein Kantiger vor, der vom Charakter kantig und auch so gezeichnet ist. Treffender kann eine Beschreibung nicht sein. Solche Momente konnten wir immer wieder herausarbeiten. Die gesamte Audiodeskription ist von Sprachspielereien auf Grundlage der Zeichnungen von Dominik durchzogen, wodurch sich meiner Meinung nach eine ganz eigene literarische Form der Audiodeskription entwickelt hat.“ 

Lesung wird zur Live-Performance

Comiclesung mit Audiodeskription: Ein Foto der Veranstaltung mit Gästen, die in Richtung einer kleinen Eckbühne blicken auf der Dominik Wendland und Florian Eib gerade sprechen. Im Vordergrund ragt die Ecke einer Vitrine ins Bild, in der sich Tastobjekte der Ausstellung befinden, Foto: Sebastian Wenzel.
Volles Haus zu beiden Veranstaltungen – sowohl am Vormittags, als auch am Abend, Foto: Sebastian Wenzel.

Hinzu kam, dass die Audiodeskription im Rahmen der Premierenveranstaltung im Literaturhaus Stuttgart laut und für alle hörbar gesprochen wurde. So entstand eine völlig neue Art von Comiclesung, die eher eine Live-Performance zweier Sprechender war.

In Vorbereitung auf die Lesung haben Dominik und Florian sich mehrfach zum Proben verabredet. Ziel war es, sauber abgestimmte Sprechübergänge zu finden und so ein eindrückliches Hörerlebnis zu schaffen. Zusätzlich eingespielte Sounds erzeugten eine weitere auditive Ebene. Diese Lesung wurde damit zu einem unserer interessantesten Projekte überhaupt. Ausschnitte verschiedener Szenen könnt ihr in unserer Podcastfolge nachhören.

Multisensorische Ausstellung als Ergänzung

Ein Foto zeigt eine Tonfigur auf einem Sockel. Sie hat einen schmalen Körper und eine kantige Nase und ist nach vorn gebeugt. Mit überlangen Armen und übergroßen Händen stützt sie sich am Boden ab, Foto: HörMal Audiodeskription.
Abstrakte Figuren sind kaum in Worte zu fassen. Deshalb bietet es sich an, hierfür Tastobjekte herzustellen. In diesem Fall hat Dominik Wendland sie selbst aus Ton entworfen, Foto: HörMal Audiodeskription.

Zum gesamten Projekt gehört jedoch nicht nur die Comiclesung mit Audiodeskription. Einen großen Stellenwert hat auch eine eigens konzipierte Begleitausstellung. 

Ein Foto zeigt Matthias Nagel mit Gegenständen der Ausstellung. Einem übergroßen Stiefel aus Ton und einem riesigen orangefarbenen Sakko. Im Hintergrund an einer Wand hängen übergroße gezeichnete Bilder des Comics, Foto: HörMal Audiodeskription.
Matthias Nagel, Lilian Contzen und Dominik Wendland führten durch die Begleitausstellung, Foto: HörMal Audiodeskription.

Hierbei hat ein ganzes Team zusammengearbeitet. Maßgeblich beteiligt waren die Kulturvermittlerin Lilian Contzen und Matthias Nagel (Experte für Inklusion im Kunst- und Kulturbereich).
„Nachdem wir uns den Comic von Dominik Wendland angeschaut hatten, sind wir aufgrund der abstrakten Figur sehr schnell zu dem Schluss gekommen, dass es hier noch eine andere Vermittlungsebene braucht“, berichtet Nagel.

Die besondere Idee: Natürlich darf eine Tastführung nicht fehlen, aber auch Sounds und sogar der Geschmackssinn sollten einbezogen werden. In Abstimmung hat Dominik Wendland selbst Tonobjekte der Comic-Figur kreiert. So wurden verschiedene Szenen aus dem Comic zum Leben erweckt.

Als Fokusgruppe wurden sehbehinderte Schüler*innen der Nikolauspflege einbezogen, die ihre Ideen und Wünsche einbringen konnten.

Die Ausstellung ist von Juni bis September 2026 im Literarischen Colloquium Berlin zu sehen. Zur Ausstellungseröffnung am 2. Juni wird es live eine weitere Aufführung der Comiclesung mit Audiodeskription geben. Der Eintritt ist frei, alle Interessierten sind herzlich eingeladen.


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.

Im Interview-Studio des Offenen Kanal Merseburg-Querfurt sitzen Moderator Florian Eib und Michael Bach - Experte für Leichte Sprache. Sie sitzen in gelben Sesseln und sprechen angeregt miteiander. Michael Bach ist um die 50, trägt eine Brille, Jeans und eine dunkle Strickjacke, Foto: HörMal Audiodeskription/Offener Kanal Merseburg-Querfurt.

SICHTBAR – Der Podcast: Wie funktioniert Leichte Sprache?

Im Interview-Studio des Offenen Kanal Merseburg-Querfurt sitzen Moderator Florian Eib und Michael Bach - Experte für Leichte Sprache. Sie sitzen in gelben Sesseln und sprechen angeregt miteiander. Michael Bach ist um die 50, trägt eine Brille, Jeans und eine dunkle Strickjacke, Foto: HörMal Audiodeskription/Offener Kanal Merseburg-Querfurt.
Zu Gast im Offenen Kanal Merseburg-Querfurt (OKMQ). Florian Eib interviewt Michael Bach. Das Interview wurde in Zusammenarbeit mit der inklusiven Redaktion „i-Team“ des OKMQ vorbereitet, bild- und tontechnisch aufgezeichnet, Foto: HörMal Audiodeskription/OKMQ.

Wie funktioniert Leichte Sprache?

Ein weitere Podcastfolge im Rahmen unseres Projekts SICHTBAR+, das wir zusammen mit dem Offenen Kanal Merseburg-Querfurt und deren inklusiver Redaktion „i-Team“ umsetzen konnten. Als Experte für Leichte Sprache steht uns Michael Bach Rede und Antwort. Leichte Sprache ist nicht nur ein interessant und wichtig, sondern – und das wird gerne vergessen – kann auch unheimlich hilfreich für viele Menschen sein.

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Engagement aus der Praxis geboren

„Es ist über 20 Jahre her“ berichtet Bach, als er zum ersten Mal rein praktisch mit dem Thema Leichte Sprache in Berührung kam. Damals arbeitete der gelernte Sozialpädagoge in einer Wohneinrichtung. Es stand die so genannte „Bewohnerbeiratswahl“ an, zu der es einen Gesetzestext gibt. Damit alle Bewohnerinnen und Bewohner diesen auch gut verstehen konnten, vereinfachte Bach ihn nach eigenem Sprachgefühl „ohne, dass ich die Regeln für Leichte Sprache kannte. Und damals gab es die so in der Form auch noch nicht“. 

Dabei fertigte er seine Übersetzung nicht allein, sondern mit einer Bewohnerin an, die selbst eine geistige Behinderung hat. „Bis heute ist sie in meiner Prüfgruppe“ berichtet Bach „und prüft, ob Texte gut übersetzt worden sind“.

Das Konzept Leichte Sprache

Unbewusst setzte Bach bei diesem ersten Projekt Regeln um, die heute auch wissenschaftlich anerkannt. sind. Sie dienen dazu, komplizierte Texte in Leichte Sprache zu übertragen. Und ganz wichtig: Eine Prüfgruppe muss immer dabei sein. Denn nur dann darf man von „Leichter Sprache“ sprechen. Nicht zu verwechseln mit Einfacher Sprache, die sich in ihrer Schwierigkeit zwischen komplizierter und Einfacher Sprache befindet und nicht zwingend mit einer Prüfgruppe erarbeitet werden muss. Außerdem gehören zur Leichten Sprache auch Bilder, die den Text untermalen und zum Verständnis beitragen können. „Das Grundprinzip von Leichter oder auch Einfacher Sprache ist: Ich bringe komplizierte Sachverhalte, ob aus Medizin, Museen, mit geschichtlichem Hintergrund etc. einer breiten Zielgruppe nahe“. 

Für viele Menschen nützlich

„Es gibt unheimlich viele Zielgruppen für Leichte Sprache“ meint Michael Bach. Wie so oft kann ein Service für Menschen mit Behinderung für viele Zielgruppen sehr nützlich sein. „Es gibt natürlich Menschen mit geistiger Behinderung, für die Leichte Sprache wichtig ist. Aber auch Deutschlernende, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen, die von Geburt an gehörgeschädigt sind, Menschen mit Demenz oder mit Sprachstörungen zum Beispiel in Folge eines Schlaganfalls und nicht zuletzt auch Menschen mit Lernschwierigkeiten“. Man kann diese Liste fortführen und auch um Menschen ergänzen, die nicht gut lesen können. Und mal ehrlich: Wem war nicht schon mal ein Amtsschreiben in den Händen, das man zwei-, drei-, viermal lesen musste, um es am Ende (vielleicht) zu verstehen. Leichte oder auch Einfache Sprache kann für jeden und jede unter gewissen Umständen hilfreich sein. Passend dazu ist auch das Motto des Büros für Leichte Sprache der Lebenshilfe Eisleben für das Michael Bach lange tätig war: „Wir verstehen uns“.

Zu Gast bei SICHTBAR+

SICHTBAR+ ist ein Projekt, welches wir im November 2024 gemeinsam mit dem Offenen Kanal Merseburg-Querfurt und dem i-Team, der inklusiven Redaktion, erarbeiten konnten. Im Rahmen des Projekts haben wir Workshops zu den Themen „Barrierefreies Social-Media“ und „Gesundes Sprechen“ gegeben. Außerdem wurden die Interviews im Rahmen des Projekts gemeinsam erarbeitet und aufgezeichnet. Die inklusive Redaktion zeichnete sich verantwortlich für die Video- und Audioaufnahme, das Studiosetting sowie die Betreuung unserer Gästinnen und Gäste. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich für die Zusammenarbeit. Und natürlich auch für die finanzielle Unterstützung – in erster Linie die Aktion Mensch.

Leichte Sprache im Studio. Michael Bach mit graumelierten Haaren, gestutztem Vollbart, in dunkler Strickjacke und heller Jeans blickt in Richtung des Moderators. Im Bildvordergrund sitzt eine Mitarbeiterin der inklusiven Redaktion des Offenen Kanal Merseburg-Querfurt als Kamerafrau an einer Kamera und filmt ihn, Foto: HörMal Audiodeskription.
Innerhalb eines Wochenendes wurden vier Podcastfolgen gemeinsam mit dem „i-Team“ erstellt, inklusive Vorbereitungen, zwei Workshops und zwei Drehtagen. Foto: HörMal Audiodeskription.

Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.

Ein Foto von Anja Adler in einem Kajak auf leicht welligem Wasser eines Flusses. Sie hat an einem Steg angelegt und ein Doppelpaddel auf dem Schoß. Anja trägt ein Trikot mit dem Bundesadler darauf, hat eine rote Kappe auf, die ihre Haare verdeckt, trägt eine Sonnenbrille und lächelt, Fotocredits: Anja Adler.

SICHTBAR – Der Podcast: Paralympics-Medaillengewinnerin Anja Adler

Ein Foto von Anja Adler in einem Kajak auf leicht welligem Wasser eines Flusses. Sie hat an einem Steg angelegt und ein Doppelpaddel auf dem Schoß. Anja trägt ein Trikot mit dem Bundesadler darauf, hat eine rote Kappe auf, die ihre Haare verdeckt, trägt eine Sonnenbrille und lächelt, Fotocredits: Anja Adler.
Nicht aus der Bahn bringen lassen: Nach einem schweren Schicksalsschlag hat Anja Adler ihre Leidenschaft für den Para-Kanurennsport entdeckt. Sie lebt und trainiert in ihrer Heimatstadt Halle, Fotocredits: Anja Adler.

Paralympics-Medaillengewinnerin Anja Adler

Sie ist eine der erfolgreichsten Para-Kanurennsportlerinnen Deutschlands und darf sich seit 2024 auch Medaillengewinnerin der Paralympics nennen. Wir haben wenig später mit Anja Adler sprechen können und freuen uns, diese zeitlos spannende Folge mit vielen persönlichen Einblicken nun kurz vor dem Start der Paralympischen Winterspiele zeigen zu können. 

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Dem Schicksal erfolgreich die Stirn geboten

Anja Adler gehört zu den Athletinnen und Athleten aus dem deutschen Para-Team, die nicht mit einer Behinderung geboren sind. Bei ihr führte ein Unfall im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit 2015 zu einer inkompletten Querschnittslähmung. Die studierte Geologin stürzte bei einem Forschungsvorhaben knapp 15 Meter in eine Höhle als ein Felsvorsprung unter ihren Füßen wegbrach. 
Sie hatte Glück im Unglück. Rettung, Operationen und Reha verliefen gut. Im Hallenser Klinikum Bergmannstrost (Link zu einer MDR-Dokumentation mit Audiodeskription) wurden der sportbegeisterten Mittzwanzigerin außerdem neue Perspektiven aufgezeigt. Ihr damaliger Physiotherapeut war Nationaltrainer der Deutschen Para-Kanuten. Nachdem sich Adler erst noch in Rollstuhlbasketball und Tischtennis ausprobiert hatte, bemerkte sie schnell, dass ihre Naturverbundenheit sie eher zu einer Outdoor-Sportart trieb. Bereits 2017 stellten sich erste internationale Erfolge im Para-Kanu ein. 

2024 – Die Medaille(n) vor Augen

Im Sport ist vieles nicht planbar, man kann es aber bestmöglich versuchen. Seit Oktober 2023 hatte Anja alles auf ihre zweiten paralympischen Spiele ausgerichtet. Das erste Trainingslager fand bereits ein Dreivierteljahr vor den Spielen statt. Im Frühjahr 2024 passten die Ergebnisse bereits nahezu perfekt. Das Resultat: WM-Bronze im Mai. „Der Druck wurde aber dadurch nicht kleiner“ berichtet Adler. Zumal sie bei den Paralympischen Spielen in Tokio 2021 mit dem unliebsamen vierten Rang vorliebnehmen musste, ebenso wie bei den Weltmeisterschaften in den darauffolgenden Jahren.

Die Zweifel fahren mit

Das nächste Highlight: Silber bei der EM 2024 mit einem „schon sehr perfekten Rennen“. Die Medien machen Anja Adler zur Medaillenkandidatin, sie selbst zweifelt in dieser Phase, ob „das perfekte“ Rennen nicht vielleicht schon etwas zu früh kam. Denn bis zum Saison-Höhepunkt in Paris sind es zu diesem Zeitpunkt noch zweieinhalb Monate. Am Ende sollte 2024 ihr erfolgreichstes Karriere-Jahr werden. Bronze bei den Paralympischen Spielen in Paris, bei allen Großereignissen auf dem Treppchen – für die gebürtige Hallenserin ist „ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen“.

Ein Gruppenfoto zeigt das Team von „Sichtbar-Der Podcast“ mit dem „i-Team“ - dem inklusiven Team des Offenen Kanals Merseburg-Querfurt. Insgesamt sind 13 Personen jüngeren bis mittleren Alters auf dem Foto. Sehr präsent in der Mitte sitzt Anja Adler im Rollstuhl, auf ihrem Schoß ein Zwerg-Spitz. Neben ihr ist auf einem Tisch und in einer Schatulle ihre Paralympische Medaille drapiert, Foto: HörMal Audiodeskription.
Anja Adler mit dem gesamten Aufnahmeteam von SICHTBAR+ im Offenen Kanal Merseburg-Querfurt. Die herzliche Hallenserin erfüllte nach dem Gespräch gerne noch zahlreiche Autogrammwünsche, Foto: HörMal Audiodeskription.

Zu Gast bei SICHTBAR+

SICHTBAR+ ist ein Projekt, welches wir im November 2024 gemeinsam mit dem Offenen Kanal Merseburg-Querfurt und dem i-Team, der inklusiven Redaktion, erarbeiten konnten. Im Rahmen des Projekts haben wir Workshops zu den Themen „Barrierefreies Social-Media“ und „Gesundes Sprechen“ gegeben. Außerdem wurden die Interviews im Rahmen des Projekts gemeinsam erarbeitet und aufgezeichnet. Die inklusive Redaktion zeichnete sich verantwortlich für die Video- und Audioaufnahme, das Studiosetting sowie die Betreuung unserer Gästinnen und Gäste. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich für die Unterstützung.


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.

Das Geschenk der Weisen: SICHTBAR-Weihnachtsgeschichte 2023. Das Banner von SICHTBAR – Der Podcast ist ein Rechteck. In der Mitte des Rechtecks befindet sich vor einem roten Hintergrund ein weißes, kreisförmiges Mikrofon. Im Mikrofon befindet sich der Schriftzug "SICHTBAR DER PODCAST" in weißer Farbe. Über dem Kopf des geschwungenen Mikrofons im Logo hängt eine Weihnachtsmütze und unter dem Schriftzug ist ein grüner Tannenzweig.

SICHTBAR – Der Podcast: Tierische Weihnachten

Beitragsbanner „Das Geschenk der Weisen“: SICHTBAR-Weihnachtsgeschichte 2023. Das Banner von SICHTBAR – Der Podcast ist ein Rechteck. In der Mitte des Rechtecks befindet sich vor einem roten Hintergrund ein weißes, kreisförmiges Mikrofon. Im Mikrofon befindet sich der Schriftzug "SICHTBAR DER PODCAST" in weißer Farbe. Über dem Kopf des geschwungenen Mikrofons im Logo hängt eine Weihnachtsmütze und unter dem Schriftzug ist ein grüner Tannenzweig.

Tierische Weihnachten

Wir freuen uns tierisch über das, was 2025 war. Über 90 Veranstaltungen mit weit über 1000 Gästen konnten wir mit Audiodeskription begleiten. Dabei gilt unser dreifacher Dank allen Partnerinnen und Partnern, unseren Gästen, die sich häufig auch auf lange Reisen zu unseren Veranstaltungen begeben haben und natürlich unseren Team-Mitgliedern und ehrenamtlichen Unterstützer*innen, ohne die diese ganzen Projekte nur halb so schön und nicht mal ein Viertel so erfolgreich wären. In diesem Jahr haben wir neben einem persönlichen Rückblick zwei tierische Weihnachtsgeschichten aufgesprochen.

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Herzlichen Dank für 2025

Ein frohes Fest und einen erfolgreichen Start in 2026! Was haben wir 2025 alles erlebt… Das internationale deutsche Turnfest war in Leipzig zu Gast ebenso wie die Turn-EM. Wir waren innerhalb einer Woche mit 24 Veranstaltungen am Start. Außerdem waren wir erstmals in Konstanz und konnten das traditionelle Münsterplatz Open Air mit Audiodeskription ausstatten und gleichzeitig einen Audiowalk durch den Konstanzer Hafen organisieren. Im Sommer hatten wir große Freude beim Pferdesport in Aachen und konnten gegen Ende des Jahres bereits zum dritten Mal „Holiday on Ice“ mit Audiodeskription zeigen. Musicalgenuss gab es bei „Grease“ und innovativ waren wir mit zwei Comiclesungen mit Audiodeskription in Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart. So etwas hat es vorher noch nie gegeben. Es gibt also allen Grund, dass wir ausgelassen tierische Weihnachten feiern.

2026: Neue Website, App und zwei Weltmeisterschaften

Auch im kommenden Jahr erwartet uns Großes und wir freuen uns sehr darauf. Unsere neue Website geht an den Start. Sie ist quasi fertig. Ebenso pflegen wir schon seit Mitte des Jahres unsere HörMal-App. Hiermit soll es noch einfacher sein, unsere Veranstaltungen zu überblicken und sich direkt dafür anzumelden. Außerdem können Livestreams nun direkt über unsere App gehört werden. 

Stichwort Weltmeisterschaften: Wir sind stolz darauf, die Reit-WM in Aachen und die WM der Rhythmischen Sportgymnastik mit Audiodeskription anbieten können. So wie auch die Domstufenfestspiele in Erfurt bilden diese beiden Events unser Sommerhighlight im August. Es lohnt sich schon jetzt in unseren Kalender zu schauen, weit über 20 Events sind bereits in Planung. Alle unsere Veranstaltungen findet ihr – wie immer – auf unserer Events-Seite (www.hoermal-audio.org/events). Jetzt heißt es aber erst einmal: kurz durchatmen, sich kurz auf die Gemütlichkeit der Weihnachtstage besinnen und natürlich Danke sagen. Danke an alle unsere gutgelaunten Gäste und unsere Partner, die sich mit uns für mehr Barrierefreiheit einsetzen. Wir freuen uns auf viele kommende gemeinsame Stunden.

Auch im Namen des gesamten SICHTBAR-Podcast-Teams wünschen wir euch einen frohen Jahresausklang. Natürlich werden wir uns im kommenden Jahr wieder spannenden Themen widmen, versprochen. Danke fürs rege Hören sagen: Tomke Koop, Constantin Sträter, und Florian Eib.


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.

Das Geschenk der Weisen: SICHTBAR-Weihnachtsgeschichte 2023. Das Banner von SICHTBAR – Der Podcast ist ein Rechteck. In der Mitte des Rechtecks befindet sich vor einem roten Hintergrund ein weißes, kreisförmiges Mikrofon. Im Mikrofon befindet sich der Schriftzug "SICHTBAR DER PODCAST" in weißer Farbe. Über dem Kopf des geschwungenen Mikrofons im Logo hängt eine Weihnachtsmütze und unter dem Schriftzug ist ein grüner Tannenzweig.

SICHTBAR – Der Podcast: Fröhliche Weihnachten

Beitragsbanner „Das Geschenk der Weisen“: SICHTBAR-Weihnachtsgeschichte 2023. Das Banner von SICHTBAR – Der Podcast ist ein Rechteck. In der Mitte des Rechtecks befindet sich vor einem roten Hintergrund ein weißes, kreisförmiges Mikrofon. Im Mikrofon befindet sich der Schriftzug "SICHTBAR DER PODCAST" in weißer Farbe. Über dem Kopf des geschwungenen Mikrofons im Logo hängt eine Weihnachtsmütze und unter dem Schriftzug ist ein grüner Tannenzweig.

Robert Gernhardt – Die Falle

Unser kleiner Dank für ein weiteres besonderes Jahr mit Höhen und Tiefen, wobei bei allen Herausforderungen, die vor uns liegen, der Humor nie zu kurz kommen sollte. Deshalb haben wir uns in diesem Jahr für die lustige Weihnachtsgeschichte „Die Falle“ von Robert Gernhardt entschieden. Robert Gernhardt ist ein deutscher Schriftsteller, Dichter und bildender Künstler. Er wurde 1937 im estnischen Tallinn geboren und verstarb 2006 in Frankfurt am Main. Seine Werke sind durch seinen feinen Sinn für Humor geprägt, die sich in der Tradition von Wilhelm Busch einordnen lassen. Florian Eib hat diese Weihnachtsgeschichte vertont.

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Herzlichen Dank für 2024

Fröhliche Weihnachten! Das sagen wir von Herzen und bedanken uns für ein weiteres gemeinsames Jahr. Auch in 2024 konnten wir wieder viele gemeinsame Veranstaltungen mit Audiodeskription organisieren – insgesamt waren es über 50 Events mit deutlich ansteigenden Besucherzahlen. Uns bleibt an dieser Stelle auch die Gelegenheit, euch zu danken für euer Vertrauen in unsere Arbeit. Und für die vielen positiven Rückmeldungen und Vorschläge für neue Veranstaltungen mit Audiodeskription. Natürlich wird es auch im kommenden Jahr weitergehen. Wir haben schon jetzt einen vollen Terminplan für das erste halbe Jahr. Und wir werden zu Jahresbeginn auch eine besondere Überraschung verkünden können.

Alle unsere Veranstaltungen findet ihr – wie immer – auf unserer Events-Seite (www.hoermal-audio.org/events). Jetzt heißt es aber erst einmal: kurz durchatmen, sich kurz auf die Gemütlichkeit der Weihnachtstage besinnen und natürlich Danke sagen. Danke an alle unsere gutgelaunten Gäste und unsere Partner, die sich mit uns für mehr Barrierefreiheit einsetzen. Wir freuen uns auf viele kommende gemeinsame Stunden.

Auch im Namen des gesamten SICHTBAR-Podcast-Teams wünschen wir euch einen frohen Jahresausklang. Natürlich werden wir uns im kommenden Jahr wieder spannenden Themen widmen, versprochen. Danke fürs rege Hören sagen: Tomke Koop, Constantin Sträter, und Florian Eib.


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.

Cover von SICHTBAR – Der Podcast dzb lesen spezial: Das Logo des Podcasts ist in weiß gefärbt. Es prankt auf einer Fläche aus unzähligen leuchtend bunten und leicht transparenten Kreisen. Die Kreise sind in orange, grün, rot, und blau gefärbt. Das Bild wirkt durch die Farben lebendig und frisch. Das Logo hebt sich deutlich von dieser Fläche ab. Um die Wörter „Sichtbar“ und darunter unter einem weißen Strich „Der Podcast“ ist fast zu einem gesamten Kreis ein stilisiertes Mikrofon abgebildet. Unter dem Logo steht in dunkelblauer Schrift „dzb lesen spezial“, Grafik: Tomke Koop. Bildrechte: HörMal Audiodeskription 2020.

SICHTBAR-Podcast: dzb lesen spezial

SICHTBAR-Podcast: dzb lesen spezial

Cover von SICHTBAR – Der Podcast dzb lesen spezial: Das Logo des Podcasts ist in weiß gefärbt. Es prankt auf einer Fläche aus unzähligen leuchtend bunten und leicht transparenten Kreisen. Die Kreise sind in orange, grün, rot, und blau gefärbt. Das Bild wirkt durch die Farben lebendig und frisch. Das Logo hebt sich deutlich von dieser Fläche ab. Um die Wörter „Sichtbar“ und darunter unter einem weißen Strich „Der Podcast“ ist fast zu einem gesamten Kreis ein stilisiertes Mikrofon abgebildet. Unter dem Logo steht in dunkelblauer Schrift „dzb lesen spezial“, Grafik: Tomke Koop. Bildrechte: HörMal Audiodeskription 2020.

Im August 2020 haben wir unseren Podcast „SICHTBAR“ ins Leben gerufen. Unser Ziel war es, die vielen interessanten Gespräche, die wir führen dürfen auch öffentlich zu machen. Wir befassen uns in unserer Arbeit mit den Themen Barrierefreiheit, Teilhabe und Inklusion. Dabei treffen wir regelmäßig Engagierte, Vordenker und natürlich auch viele Menschen mit Handicaps persönlich. Der Podcast wird gemeinsam mit unserem Partner, dem Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen herausgegeben.

Podcast-Folgen rund um das dzb lesen

Auf dieser Seite findet ihr unsere bisher erschienenen Podcast-Folgen unter dem Motto „dzb lesen spezial“. In diesen Folgen dreht sich alles um unseren Partner dzb lesen. Diese Podcast-Folgen sollen einen kleinen Einblick hinter die Kulissen und in die Arbeit des dzb lesen geben.

Hört den Podcast auf eurem iPhone: https://apple.co/37mvqcO

… oder bei Spotify: https://spoti.fi/3o85TL9

Zwei ausgefahrene Blindenstöcke vor Beinpaaren auf einem ein-meter-breiten Filzteppich, Foto: Dialoghaus Hamburg gGmbH.

SICHTBAR – Der Podcast: Rehalehrer für Blinde und Sehbehinderte

Rehalehrer für Blinde und Sehbehinderte – Mehr Selbstständigkeit als Ziel

Die meisten Menschen, die blind sind oder eine Sehbehinderung haben, haben diese im Laufe ihres Lebens erworben. Grund sind in der Regel Unfälle oder Krankheiten. Auch im Alter kann das Sehvermögen deutlich abnehmen. Viele Menschen haben vor allem Angst vor einer Sehbehinderung, weil sie fürchten, dann permanent auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Das muss aber nicht so sein. Mit speziellen Techniken zur Orientierung und im Alltag können auch blinde oder stark sehbehinderte Menschen selbstständig einen Großteil ihres Alltags koordinieren.

Aber wie erlernt man diese Techniken? Für diese Podcastfolge haben wir ausführlich mit einer Rehalehrerin gesprochen. Ulrike Schade ist spezialisiert darauf, sehbehinderten oder blinden Menschen Techniken zur Orientierung – wie Beispielswiese die Stocktechnik – oder auch Techniken zur Bewältigung von Alltagsaufgaben, wie Wäsche waschen, putzen oder kochen zu zeigen. Das erklärte Ziel ist immer: mehr Selbstständigkeit und Selbstvertrauen. Diese Folge wurde im Rahmen der Woche des Sehens 2024 veröffentlicht. Die Aufzeichnung erfolgte bereits im Mai 2022.

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Durch Zufall zur Berufung

Ulrike Schade ist eine von vier Rehalehrerinnen und -lehrern für Blinde und Sehbehinderte in Leipzig und unterrichtet zwei Fächer. Erstens Orientierung und Mobilität und zweitens LPF, was übersetzt „Lebenspraktische Fähigkeiten“ bedeutet. Die ausgebildete Erzieherin hatte zu DDR-Zeiten mit Jugendlichen im Leistungssport-Bereich gearbeitet. Nach dem Ende der DDR wurde die Arbeit hier weniger, an anderer Stelle mehr. „Die waren zufällig im selben Haus“, erzählt Schade und meint damit die Kinder der Blindenschule Wladimir-Filatow zu Leipzig. Kurzum fing sie als Erzieherin und Unterrichtshilfe dort an und machte später an der Blindenstudienanstalt (BLISTA) in Marburg ihre Ausbildung zur Rehalehrerin: „Der Gedanke,  individuell mit Leuten zu arbeiten und vielleicht dabei mehr zu erreichen als mit einer Gruppe hat mich gereizt“. Im Podcast erzählt Ulrike Schade lebhaft über ihre ersten Erlebnisse mit den blinden oder sehbehinderten Kindern an der Wladimir-Filatow-Schule.

Rehalehrer für Blinde und Sehbehinderte – drei Teilbereiche

Als wichtigen Teil ihrer Ausbildung benennt Ulrike Schade die Selbsterfahrung bzw. den fachspezifischen Unterricht, wie sie es nennt. Alles, was vermittelt wird, musste sie auch selbst unter einer Augenbinde erproben. Zur Ausbildung gehörte außerdem das Erlernen der Systematik für die Blindenschrift mit Abschlussprüfung eines Blindenschrift-Diktats.
In der Ausbildung der Rehalehrer für Blinde und Sehbehinderte gibt es drei Fachbereiche, von denen einer bis alle drei gewählt werden können:

1. Orientierung und Mobilität

Dieser Fachbereich wird von den allermeisten Rehalehrern bedient, weil er die Grundlage für nahezu alle blinden und sehbehinderten Menschen bildet. Zu den Inhalten gehören unter anderem: Techniken mit dem Blindenlangstock, Themen wie Stockauswahl und auch welche Informationen der Stock übermittelt. Außerdem das Kennenlernen von Leitsystemen, Ampelsignalen und sonstigen Besonderheiten im Straßenverkehr, wie etwa verschiedener Bahnhaltestellen. Man lernt auch, seine Umwelt bewusster mit allen Sinnen, die zur Verfügung stehen, wahrzunehmen. Oder wie man Gefahrensituationen beispielsweise im Straßenverkehr vermeidet, Rolltreppen erkennt und hört und vieles mehr.

2. EDV-Technik

Der Umgang mit Computertechnik, Smartphones, elektronischer Sprachausgabe, Tabellen- und Website-Funktionen wird immer wichtiger. Auch hierfür gibt es Spezialisten unter den Rehalehrern für blinde und sehbehinderte Menschen. Die Computertechnik hat für blinde und sehbehinderte Menschen in den letzten Jahren einiges an Erleichterungen und Möglichkeiten bereitgehalten.

3. „LPF“ – Lebenspraktische Fähigkeiten

„LPF ist sehr vielfältig und für mich der spannendere Bereich – es geht mehr ans Eingemachte“ sagt Ulrike Schade. Hinter dem sperrigen Begriff „Lebenspraktische Fähigkeiten“ verbirgt sich in der Tat ein Sammelsurium an teilweise sehr individuellen Wünschen blinder oder sehbehinderter Menschen: „LPF ist von der Herangehensweise eher so, dass die Leute sagen: ‚Ich habe eine Problem dort und dort’. Und dann schaut man, wo kann man das machen, damit es besser geht, brauche ich ein anderes Utensil und eine andere Handhabe“. Themenbereiche sind unter anderem:

  • Kochen, Essen, Eingießen, Essenszubereitung (zum Beispiel Brötchen aufschneiden, Brot schmieren)
  • Körperpflege, bspw. das Dosieren von Pflegeprodukten (wie bekomme ich meine Zahnpasta so auf die Zahnbürste, dass sie darauf bleibt und es nicht zu wenig oder zu viel ist) oder auch Schminken und Nähen
  • Wäsche sortieren, waschen, Wäsche stapeln
  • Wohnung säubern
  • Geld erkennen und unterscheiden und vieles mehr

Typischerweise beschreibt Schade folgende Situation: „Viele Leute trauen sich bestimmte Dinge am Anfang gar nicht erst zu, merken dann aber erst was geht und was man alles vielleicht noch gerne lernen würde.“ Das Ziel ist immer, ein gewisses Maß an Selbstständigkeit zu erreichen. Dabei gehört natürlich eine gewisse Offenheit seitens der blinden und sehbehinderten Kunden dazu. Die Anzahl der Arbeitsstunden muss übrigens beantragt werden und wird von der Krankenkasse festgelegt. Wie viele Rehalehrer für Blinde und Sehbehinderte arbeitet die gebürtige Zittauerin freiberuflich und rechnet ihre Leistung dann bei der Krankenkasse ab.

Streitthema: Der schmale Grat der medizinischen Rehabilitation

Die deutschen Krankenkassen bezahlen in erster Linie Arbeitsstunden, die in den Bereich der sogenannten „medizinischen Rehabilitation“ fallen. Hierüber gibt es immer wieder Diskussionen. Wesentlich seltener übernommen werden nämlich Arbeitsstunden, die als sogenannte Soziale Rehabilitation klassifiziert werden.

Unstrittig ist, dass jeder sehbehinderten oder blinden Person die Einweisung in den Gebrauch des Langstocks und damit ein Mobilitätstraining zusteht. Anders sieht das bei LPF aus. Von den Krankenkassen i. d. R. als soziale Rehabilitation eingeordnet, fällt die Bewilligung von Stunden in den Bereich der jeweiligen Sozialämter, deren Mitarbeitende häufig wenige Kenntnisse zu diesem Thema haben und Bedarfe deshalb schwer einschätzen können. Da es hier häufig um Einzelfallprüfungen geht, könne es durchaus sein, dass ein Antrag bis zur Bewilligung ein dreiviertel bis zu einem Jahr dauert, so Schade. „Für mich ist das unterlassene Hilfeleistung“, wird sie deutlich „vor allem, wenn Leute frisch erblindet sind, die auf einmal das Gefühl haben, sie können überhaupt nichts mehr. Die hängen dann in der Luft. Das finde ich ganz furchtbar.“

Ein weiteres Thema in diesem Zusammenhang: Rehalehrerinnen und -lehrer sind an manchen Stellen auch Stellvertreter für blinde oder erblindende Personen. Wichtig sei aber auch, sich bewusst zu machen: „Der Leistungsberechtigte ist die blinde Person. Der Druck auf die Ämter muss natürlich auch von der blinden Person kommen.“

Nachwuchs dringend gesucht

Im Mai 2022, als wir das Interview geführt haben, waren etwa 220 bis 230 Mitglieder im Berufsverband der Rehalehrer für Blinde und Sehbehinderte. Geht man davon aus, dass es noch einige gibt, die nicht im Berufsverband organisiert sind, ergeben sich laut Schades Schätzung etwa 250 bis 300 Personen deutschlandweit, die sehbehinderte und blinde Menschen im Bereich Mobilität, LPF und EDV unterstützen. Bei geschätzten 700.000 blinden und stark sehbehinderten Menschen in Deutschland (der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband geht noch von deutlich höheren Zahlen aus), braucht kaum erklärt werden, wie wichtig es schon heute aber auch in Zukunft sein wird, neue Rehalehrerinnen und -lehrer zu gewinnen.

Zugangsvoraussetzungen sind eine Ausbildung mit didaktischem Hintergrund, woran sich eine zusätzliche Qualifikation bspw. an der BLISTA in Marburg anschließt. Interessierte können sich jederzeit gerne zur Beratung an den Bundesverband der Rehabilitationslehrer /-lehrerinnen für Blinde und Sehbehinderte e. V. wenden.

wenden, der nicht nur berät, wie man Rehalehrer für blinde und sehbehinderte Menschen werden kann, sondern auch regelmäßig Fortbildungen anbietet. Der Job ermöglicht das freiberufliche Arbeiten. Somit kann die Arbeitszeit frei eingeteilt werden, was heutig häufig formulierten Ansprüchen an einen Job eigentlich entgegenkommt. Außerdem verbindet der Beruf als Rehalehrerin oder -lehrer kreatives und praktisches Arbeiten mit dem teilweise sehr direkten Kontakt zu Menschen. Es handelt sich um eine sehr kommunikative Arbeit, bei der Erfolge und Ergebnisse spürbar sind und nachhaltig auf das Leben der blinden und sehbehinderten Menschen wirken können.


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.

Das Foto zeigt einen Jungen mit einer braunen Akustikgitarre. Er sitzt auf einem Stuhl und schaut konzentriert nach unten auf seine Hand, die über die Gitarrensaiten gleitet. In der unteren rechten Ecke des Fotos ist das Logo des Musikprojekts „Do It“ abgebildet: Ein grüner Kreis, darin eine stilisierte Hand, die sich in Richtung von sechs Gitarrensaiten bewegt und der weiße Schriftzug „Do It“.

SICHTBAR – Der Podcast: Barrierefrei ein Instrument erlernen

Barrierefrei ein Instrument erlernen?

Ein Instrument anhand von Erklärvideos im Internet zu erlernen ist keine Seltenheit. Im Internet gibt es zahlreiche Videos. Aber wie viele davon sind auch für blinde und sehbehinderte Menschen gut zugänglich? Wie kann man als blinde oder sehbehinderte Person barrierefrei ein Instrument erlernen? Ohne Noten, ohne Vorkenntnisse und anhand von Erklärvideos. 

Hier setzt das Musikprojekt „Do it!“ vom Förderverein des dzb lesen an. Tomke Koop hat das Team besucht. In der neuen Folge von SICHTBAR – Der Podcast erfahren wir mehr über das Projekt und wagen uns selbst ans Instrument. Jetzt auf Spotify, bei Apple Podcasts und überall, wo es Podcasts gibt. 

Mit barrierefreien Erklärvideos die Welt der Musik entdecken

Besonders in den letzten Jahren hat die Nachfrage nach Erklärvideos zum Erlernen von Instrumenten zugenommen, erzählen uns Solveig Oma und Diana Lorenz. Sie sind die Projektkoordinatorinnen von „Do it!“. Solveig ist vollblind und leidenschaftliche Musikerin. Neben der Orgel spielt sie Saxofon und singt. Auch Diana liegt die Musik im Blut. Sie studierte Musikwissenschaft in Leipzig und singt Jazz.

Die Idee zum Projekt entstand 2022. Das Ziel: Erklärvideos zu produzieren, mit denen blinde und sehbehinderte Menschen barrierefrei ein Instrument erlernen können. Jeder in seinem eigenen Tempo, unabhängig von Ort und Zeit, um ein Gefühl für das Instrument zu bekommen. Seitdem hat sich einiges getan. Das Projekt steht kurz vor der Veröffentlichung. Noch im Sommer sollen die barrierefreien Videos im Internet kostenlos zugänglich sein. Menschen ohne Vorkenntnisse soll ein einfacher Einstieg in die Musik ermöglicht werden – ganz ohne Noten.

Das Foto zeigt Tomke Koop von HörMal Audiodeskription sowie Dietmar Lehmann und Solveig Oma. Dietmar und Solveig sitzen nebeneinander an einem dunklen elektronischen Klavier. Lächelnd steht Tomke hinter ihnen und hält ein Mikrofon zwischen die beiden.
Die barrierefreien Musikvideos wurden gemeinsam mit blinden und sehbehinderten Personen entwickelt. Im Podcast bekommen wir einen Live-Eindruck, wie die Instrumente im Video erklärt werden. Foto: Diana Lorenz/dzb lesen

Das Ergebnis: Ein Gemeinschaftsprojekt

„Wir möchten, dass auch ohne Bild komplett verständlich ist, was gemacht werden soll“, erzählt Diana Lorenz. Und das sei gar nicht so einfach, berichtet sie weiter. Gemeinsam mit Spezialistinnen und Spezialisten an ihrem jeweiligen Instrument wurden zunächst die unterschiedlichen Kurse konzipiert. Die Konzeption basiert auf einer Umfrage. Potenzielle Nutzerinnen und Nutzer wurden gefragt, welche Instrumente und Musikgenres sie interessant finden. Danach ging es ans Eingemachte: Die Entwicklung der Kurse. Konkret werden Basis- und Aufbaukurse für Gitarre, Schlagzeug, Bass, Klavier und Gesang angeboten. Auch einen Kurs zur Musiktheorie soll es geben. 

„Wir holen uns viel Feedback ab, um zu schauen, was funktioniert“, sagt Diana. Blinde und sehbehinderte Test-Nutzerinnen und -Nutzer waren in den Prozess involviert und haben verschiedene Hinweise gegeben. So zum Beispiel auch Dietmar Lehmann, der uns im Podcast von seinen Erfahrungen berichtet. Als kleines Highlight bekommen wir eine Kostprobe: Dietmar zeigt uns am Klavier, was er im Kurs gelernt hat.

 

Den Austausch und Zusammenspiel fördern

Das Projekt möchte nicht nur das Interesse für Musik fördern, sondern auch den Austausch untereinander. In den Kursen wird an jedem Instrument derselbe Song eingeübt. So können sich Gleichgesinnte Zusammentun und als Band den Song gemeinsam spielen. „Wir werden außerdem Zoom-Veranstaltungen anbieten. So entsteht hoffentlich eine schöne Atmosphäre, in der man sich austauschen kann“, erzählt Solveig. 

Los gehen soll es noch im Sommer. Alle Infos zum Projekt und auch die Videos selbst werden auf der Projektwebsite des dzb lesen veröffentlicht. 


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.

SICHTBAR – Der Podcast. Im Gespräch mit Thomas Zwerina. Das Foto zeigt Florian Eib von HörMal Audiodeskription und SICHTBAR – Der Podcast im Interview mit dem Autor Thomas Zwerina. Beide sitzen sich in Sesseln gegenüber. Hinter ihnen steht ein Tisch. Darauf Zwerinas Buch „Eine Fingerkuppe Freiheit“ in Schwarz- und in Brailleschrift sowie verschiedene Grünpflanzen.

SICHTBAR – Der Podcast: Eine Fingerkuppe Freiheit

„Eine Fingerkuppe Freiheit“

„Plötzlich hat alles Sinn gemacht“, sagt Thomas Zwerina zu der Situation, als er den Vertrag für seinen ersten Roman in der Tasche hatte. Vielleicht sei sein Leben eben so verlaufen, damit er als erblindeter Mann eine Geschichte zu der Person erzählen darf, von der man heute weiß, dass sie Millionen sehbehinderten und blinden Menschen die Freiheit zu Lesen und vor allem auch zu Schreiben gegeben hat. Florian Eib hat im Rahmen einer Lese-Veranstaltung zur Leipziger Buchmesse mit Thomas Zwerina über seine emotionale Beziehung zu Louis Braille gesprochen. Jetzt auf Spotify, bei Apple PodcastsGoogle und überall, wo es Podcasts gibt. 

Mit 13 Jahren „zum ersten Mal erblindet“

Aufgrund einer Netzhautablösung ist Thomas Zwerina, wie er selbst sagt, mit 13 Jahren „zum ersten Mal“ erblindet. In den 70er Jahren waren entsprechende Operationstechniken noch nicht so weit entwickelt wie heute. Fünf Monate verbrachte der Teenager in diversen Augenkliniken – eine in vielerlei Hinsicht schmerzhafte Zeit, in der er sich von zu Hause und von seiner bis dahin gewohnten Umgebung „entfremdet“ habe.

Heute kaum vorstellbar, verbrachte Thomas Zwerina aufgrund seiner Erkrankung insgesamt eineinhalb Jahre ohne schulische Bildung zu Hause. Der Weg des wissbegierigen Jungen zurück an seine alte Schule wurde ihm aufgrund der fehlenden inklusiven Praxis verwehrt, er solle eine Schule für Lernbehinderte besuchen. Weitere Unterstützung bekamen er und seine Familie nicht. Über eine Sehbehindertenschule in Stuttgart kam Thomas Zwerina mit 17 Jahren an die Blista in Marburg und erlernte dort die Blindenschrift, die ihn nachhaltig beeindruckte.

 

Thomas Zwerina bei SICHTBAR – Der Podcast: Das Foto zeigt den Autor Thomas Zwerina in einem Interview. Er hat eine Halbglatze, trägt ein hellblaues Hemd, eine schwarze Lederjacke und eine dunkle Jeanshose. Er sitzt in einem Sessel, von links ragt eine Hand ins Bild, die ein Mikrofon in Zwerinas Richtung hält. Hinter dem Autor steht ein Tisch. Darauf sein Buch „Eine Fingerkuppe Freiheit“ in Schwarz- und in Brailleschrift sowie einige Grünpflanzen.
Thomas Zwerina – ein Mensch, der viel zu erzählen hat. In SICHTBAR – Der Podcast berichtet der Autor von seinem Buch und seinem Leben. Foto: HörMal Audiodeskription

Sechs Punkte zu mehr Selbstständigkeit

Thomas Zwerina wurde schlagartig klar: „Du musst unbedingt diese Schrift lernen. Das ist der Ausweg für dich. Du willst einmal für dich selbst sorgen können.“ Denn seit der Entwicklung der Braille-Schrift oder auch Sechspunkt-Schrift können sehbehinderte und blinde Menschen mit einem einfachen System nicht nur selbstständig lesen, sondern auch schreiben. „Eine Fingerkuppe Freiheit“ ist eine Art Metapher und gleichzeitig eine Hommage an den jungen Franzosen Louis Braille, der im 19. Jhd. – auch gegen zahlreiche Widerstände – den Weg hin zu ein bisschen mehr Selbstständigkeit für viele sehbehinderte und blinde Menschen ebnete.

Thomas Zwerina sagt: „Ich teile mit Braille sehr viel, nicht nur die Blindenschrift, sondern auch gewisse Erfahrungen“. Damit meint er zum einen schulische Erfahrungen, aber auch Erfahrungen in der Wahrnehmung von sehbehinderten und blinden – die Geruchs- und andere Sinneswelt, die Welt des Tastens. Hier zeigt sich eine Besonderheit im Schreiben Zwerinas. Anders als andere Autoren, beschreibt er die Wahrnehmung seiner Figur eher aus der Sicht eines Blinden, entwirft so neuartige Bilder. 

Die besondere Tragik des Louis Braille

2018 ist Thomas Zwerina voll erblindet. Letztlich ein weiterer Schritt zu seinem ersten Roman, denn dieser erneute Schicksalsschlag hat ihn noch mehr zum Schreiben gebracht: „Ich wollte, dass die Welt, die Farben, die ich noch sehen konnte, meine Vorstellungen weiterleben.“ Die Idee, über Louis Braille zu schreiben, lag ihm gewissermaßen zufällig im Schoß. Die Gewissheit kam, als Zwerina ein Punktschriftbuch las. Er begann zu recherchieren und entdeckte zahlreiche Konflikte, die Louis Braille bei seiner Entwicklung der Braille-Schrift umgaben. Einer davon: wie sich die Schrift nur langsam gegenüber anderen bis dahin bekannten System, bspw. der Reliefschrift durchzusetzen vermochte. Weit bis ins 20. Jhd. hinein wurden auch in Deutschland noch andere Schriftsysteme gelehrt, die vielleicht zum Lesen, aber weniger zum Schreiben geeignet waren. 

Den weltweiten Durchbruch seiner Sechspunkt-Idee erlebte Louis Braille nicht mehr. Diese Tragik wollte Thomas Zwerina in „Eine Fingerkuppe Freiheit“ – angelehnt an historisch belegte Fakten – durch eine besondere Poesie zu überwinden versuchen. Der studierte Germanist und Anglist hat seine Sprache der Handlungszeit angepasst und verleiht ihr nebenbei eine musikalische Spur: „Ich habe den Roman immer wieder auf die Leichtigkeit befragt.“ Rhythmus und Musikalität sind für Zwerina, der seiner zweiten großen Leidenschaft mit dem Duo The Cellular Fools nachgeht, ebenso Anspruch wie auch Ziel, um der besonderen Tragik des Louis Braille eine gewisse Schönheit entgegenzusetzen.


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.

Blindenschach: Eine Nahaufnahme eines Blindenschach-Spielfeldes. Im Vordergrund: Der schwarze König. Zwei Hände liegen am Rand des Brettes, Foto: HörMal Audiodeskription

SICHTBAR – Der Podcast: Wie funktioniert Blindenschach?

Wie funktioniert Blindenschach?

Ganz allgemein ist Schach ein hoch inklusiver Sport, erklärt Gert Schulz. Und er muss es als erster Referent für Inklusion beim Deutschen Schachbund (DBS) wissen. Der gebürtige spielt seit 1990 wegen seiner nachlassenden Seh-Fähigkeit Blindenschach und gehört zu den besten deutschen Spielern. Florian Eib hat Gert Schulz in Hanau getroffen, beide haben gespielt und sich währenddessen darüber unterhalten, wie Blindenschach gespielt wird, warum sehbehinderte oder blinde Spieler beim Online-Schach benachteiligt sind und wie man es schaffen kann, das inklusive Potenzial des Schachsports voll auszunutzen.

Jetzt auf Spotify, bei Apple PodcastsGoogle und überall, wo es Podcasts gibt. 

Schach als Schicksal fürs Leben

Blindenschach: Gert Schulz Referent für Inklusion beim Deutschen Schachbund. Ein Porträt zeigt Gert Schulz an einem Holztisch sitzend. Vor ihm steht ein Blindenschachbrett. An den schwarzen Figuren sind kleine fühlbare Markierungen angebracht, Foto: HörMal Audiodeskription.
Gert Schulz gehört zu den besten Blindenschach-Spielern Deutschlands, Foto: Florian Eib

Das Schachspielen hat Gert Schulz viele Möglichkeiten eröffnet. „Ich weiß nicht, wo ich heute ohne Schach stehen würde“, sagt der 59-Jährige, der das Spiel durch einen Schulfreund und dessen Familie erlernte. Lange Zeit hätten er und seine Familie nicht gewusst, wie schlecht er wirklich sehe. Bis Schulz dann als Anfang 20-Jähriger in den Heidelberger Blindenschachverein eintrat. Er fand dort Gleichgesinnte, andere Leute, die schlecht sehen konnten und stellte fest: „Im Vergleich dazu siehst du doch besser. Wenn die glücklich und zufrieden sein können, dann kann ich das auch.“ Gleich in seinem ersten Spieljahr beim Blindenschach ist Gert Schulz mit seinem Verein Deutscher Mannschaftsmeister geworden, plötzlich gehörte er zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft: „Schach hat mir manche Türen aufgemacht und ich habe dann den Mut gehabt, auch wirklich durch zu gehen“, sagt er heute.

Das Problem mit dem Online-Schach

Spätestens zu Corona-Zeiten hat Schach im Online-Bereich eine deutliche Entwicklung genommen. Täglich werden etliche Turniere mit Kommentar gestreamt, Partien analysiert – Schach-Influencer haben mittlerweile viele tausend Abonnenten. Allein sehbehinderte oder blinde Schachspieler können hier nicht teilhaben. Zu kurz sind die gewöhnlichen Bedenkzeiten. Sie erlauben es nicht, die Positionen der Figuren zu setzen und das Spielfeld bei Bedarf und zur Absicherung regelmäßig zu ertasten.

Wo sich voll-sehende Spieler auf ihren geschulten Sichteindruck verlassen, können Blindenschach-Spieler nicht mithalten. Längere Bedenkzeiten wiederum erhöhen die Gefahr auf Tricksereien mittels Computerprogrammen und sind deshalb umstritten.
Weiterhin problematisch: Auch Schach-Erklärvideos sind oft nicht barrierefrei. Wenn Pfeile ohne Erklärung eingeblendet werden oder eine Figur „hierhin“ geht, können Menschen mit Sehbehinderung nicht folgen. Hier wäre ein Umdenken notwendig. 

Blindenschach: Eine Nahaufnahme eines Blindenschach-Spielfeldes. Im Vordergrund: Der schwarze König. Zwei Hände liegen am Rand des Brettes, Foto: HörMal Audiodeskription
Regelmäßig abgesetzte Felder, ein Steckbrett und Markierungen an den schwarzen Figuren helfen beim Unterscheiden der Figuren, Foto: HörMal Audiodeskription.

Referent für Inklusion - Netzwerk im Fokus

Seit 2019 ist Gert Schulz Referent für Inklusion beim Deutschen Schachbund. Es ist das erste Mal, dass eine solche Stelle im Sportverband geschaffen wurde. Im Podcast erklärt uns Schulz, welche Entwicklungen es bereits in den vergangenen Jahren gegeben hat und was ihm bei seiner Tätigkeit ein besonderes Anliegen ist. Der Netzwerk-Gedanke spielt dabei eine zentrale Rolle. Themen wie Zugänglichkeit zu Schachclubs und die unterschiedlichen Anforderungen für verschiedene Behinderungen, möchte er nachhaltig ins öffentliche Bewusstsein rücken. Damit soll Schachvereinen Mut gemacht werden, sich auch für Spielerinnen und Spieler mit Behinderung zu öffnen. Wer Kontakt mit Gert Schulz aufnehmen möchte, kann das über die offizielle Referenten-Seite tun.


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.