Flieg mit uns: Seitenaufnahme eines Tragschraubers mit zwei Mitfliegenden darin. Der Tragschrauber steht auf einer von Sonne beschienenen Freifläche auf dem Lübecker Flughafen. Der zweigliedrige Propeller ragt weit über die Breite des restlichen Fliegers hinaus, Foto: Bastian Kruskop.

Kurz vor dem Start: Bernd Koop und sein Fluggast sind startbereit. Die nächste halbe Stunde geht es hoch in die Lüfte, Foto: Bastian Kruskop.

Flugschule des Nordens – Fliegen für alle

„Wer einmal auf dem Flugplatz ist, den bekomme ich auch in die Luft“, sagt Fluglehrer Bernd Koop. Er ist Pilot aus Leidenschaft. In seinem Tragschrauber, eine Art Zwei-Mann-Helikopter ohne Glasverdeck, begrüßt er jährlich etwa 500 Gäste. Vom Flughafen Lübeck aus geht es zumeist einmal rund um den Ratzburger See, bei längeren Touren auch mal bis an den Ostseestrand – Flughöhe 400 bis 600 Meter. 

Am besten fliegt es sich natürlich bei herrlichem Sonnenschein. So wie an diesem Tag, als Bernd Koop die Reisegruppe „große weite Welt“ des Aura-Hotels Timmendorfer Strand begrüßt. Er und seine drei Piloten-Kollegen werden in den nächsten Stunden mehrmals abheben, jeweils mit einer sehbehinderten oder blinden Person als Gast.

Mehrere sehbehinderte Gäste stehen auf dem Rollfeld des Lübecker Flughafens neben einem Tragschrauber. Helfer Florian Eib erklärt den Fluggästen einige Teile des Tragschraubers, die sie betasten können, Foto: Bastian Kruskop.

Vor dem Flug bleibt für sehbehinderte und blinde Gäste Zeit, den Tragschrauber zu betasten. Vor allem der Rotor am hinteren Teil des Fliegers beeindruckt viele Gäste, Foto: Bastian Kruskop.

„Ein besonderes Fliegen“

Bernd Koops Motto lautet „Flieg mit uns“ – eine Aufforderung für jeden, dabei zu sein. Der gebürtige Lübecker weiß natürlich, dass sehbehinderte Fluggäste das Erlebnis in luftiger Höhe anders wahrnehmen. Die Aussicht rückt etwas in den Hintergrund, die Konzentration liegt dafür auf anderen Sinnen. So kann man in den offenen Tragschraubern den Windzug besonders spüren und durchaus auch in großer Höhe die Rapsfelder oder das Meer riechen. „Zu erklären, was wir in der Luft empfinden und spüren“, sagt Bernd Koop, „das bedeutet auch für mich ein besonderes Fliegen.“ 

Nahaufnahme eines Tragschraubers auf der Freifläche eines Flughafens. eine Passagierin sitzt im hinteren Teil des Fliegers., Pilot Bernd Koop, der eine gelbe Warnweste trägt, erklärt ihr den Anschnallgurt, Foto: Bastian Kruskop.

Über ein Headset ist Pilot Bernd Koop mit seinem Fluggast verbunden. So kann man sich während des Flugs unterhalten, Foto: Bastian Kruskop.

Gerne dürfen auch Kurven mal etwas schnittiger geflogen werden. Gut passt zudem, dass die Tragschrauber, für Flugschüler umgebaut sind. Deshalb können beide Fliegenden das Steuern übernehmen: „Ich habe schon blinde Personen mit gehabt, die den Tragschrauber ganz alleine, nur auf Kommando geflogen sind, das hat ihnen sehr viel Spaß gemacht und sie sind auch schon mehrfach wieder gekommen“, freut sich Bernd Koop.

Somit kann der Flug auch zum aktiven Erlebnis aller Beteiligten werden. Und das kommt an: Die älteste Flugpartnerin bei der „Flugschule des Nordens“, Frau Moritz aus Hamburg, freute sich mit ihren 91 Jahren dabei zu sein. Ihr Fazit nach Flug: „Ich würde es gleich wieder machen“.

Informationen unter www.flugschule-des-nordens.de.


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