Zwei ausgefahrene Blindenstöcke vor Beinpaaren auf einem ein-meter-breiten Filzteppich, Foto: Dialoghaus Hamburg gGmbH.

Für jung und alt eine neue Erfahrung: Das Gehen mit dem Blindenstock, Fotorechte: Dialoghaus Hamburg gGmbH.

„Wie sie sehen, sehen Sie nichts“. Eigentlich ist das eine Art Running-Gag, der bei den Dunkelführungen im Dialoghaus Hamburg aber trotzdem immer wieder zündet. Hier werden normalerweise täglich mehrmals Gruppen bis zu acht Personen willkommen geheißen. Ausgestattet mit einem Langstock können Interessierte sich für eine knappe Stunde in die spezielle Lage eines blinden Menschen versetzen. Natürlich geht es dabei nicht darum, im Dunkeln herumzusitzen. Stattdessen werden verschiedene Räume und Situationen durchquert, erhört und ertastet. Für die einen Spaß, für die anderen eine wichtige Erfahrung. Momentan kommen allerdings aufgrund der Corona-Krise keine Besucher, was das Dialoghaus in ein existenzielles Dilemma bringt.

Unser HörMal-Spendentopf
Wir sammeln für das Dialoghaus Hamburg.

Vielen Dank an alle Unterstützer!

„Dialog im Dunkeln“ …

… so heißt sie, die Dunkel-Ausstellung im Dialoghaus Hamburg. In die Einrichtung kommen jährlich unter anderem über 60.000 Schülerinnen und Schüler. Seit der Gründung im Jahr 2000 habe man insgesamt bereits 1,5 Millionen Besucher empfangen, erzählt Andreas Heineke in einem Video auf der Website. Heineke ist Geschäftsführer vom Dialoghaus Hamburg. Man habe gerade zwanzigjährigen Geburtstag feiern wollen, sagt er: „Der 1. April war für uns eigentlich auch ein Zeitpunkt, an dem wir in die Zukunft schauen wollten. Das heißt, wir dachten an zwanzig Jahre Zukunft und wollten mit Ihnen darauf anstoßen. Aber Corona hat uns wie allen einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Es sei nun nicht klar, so Heineke weiter, ob man überhaupt noch zwanzig Tage überleben könne. Deshalb werden Spenden gesammelt. Auch um Arbeitsplätze zu sichern. Das gilt zum Beispiel für die sehbehinderten und blinden Mitarbeiter, die als „Blindenführer“ oder an der Dunkelbar beschäftigt sind.

Im Dialoghaus Hamburg: Auf sechs orange beleuchteten Quadraten ist in etwas hellerer abgesetzter Schrift und nach Buchstabengruppen aufgeteilt DIA-LOG-IM-DUN-KEL-N zu lesen, Foto: Florian Eib.

„Es war Liebe auf den ersten Griff“

Dazu eine kleine Anekdote, die wir aus unserem Bekanntenkreis erfahren haben. Und die vielleicht ein wenig den Stellenwert dieser Ausstellung für alle Beteiligten verdeutlicht.

Von 2004 bis 2007 gab es „Dialog im Dunkeln“ auch in Leipzig. Zwei unserer regelmäßigen Gäste haben dort gearbeitet, selbst Gruppen durch die Dunkelheit geführt und erinnern sich noch gut an diese Zeit: „Das, was wir da gemacht haben, war für die Öffentlichkeit wichtig. Wir konnten einfach ein bisschen aufklären, dass wir normale Menschen sind, auch wenn wir nicht gut sehen können. Wir konnten zeigen, dass wir nicht traurig in der Ecke sitzen, sondern einfach auch Spaß am Leben haben“, sagt Jacky. Sie ergänzt: „Wir hatten auch das Gefühl, dass sich die Leute im Dunkeln mehr getraut haben, uns auch mal direkt zu fragen. Wie wir so zurechtkommen oder wo wir vielleicht Probleme oder auch keine Probleme haben. Das war sehr angenehm.“ Jacky arbeitete von Beginn an beim „Dialog im Dunkeln in Leipzig“. Und sie verbindet auch noch eine ganz besondere Geschichte mit der Ausstellung. Sie hat dort nämlich Maurice, ihren damaligen Arbeitskollegen, kennen und lieben gelernt – an der Dunkelbar. „Liebe auf den ersten Griff“, können die beiden über diese glückliche Begebenheit heute schmunzeln. Dialog ist im „Dialog im Dunkeln“ eben auf viele unterschiedliche Weisen möglich.

Das Dialoghaus Hamburg hat sich entwickelt

Ein Mann zeigt auf ein Symbol mit einem ausgestreckten Zeigefinger vor einem Mund. Er selbst demonstriert die Geste gleichzeitig und formt mit den Lippen ein „Sch“, Foto: Dialoghaus Hamburg.

Auch Gehörlose und ältere Menschen sind im Dialoghaus Hamburg angestellt, Foto: Dialoghaus Hamburg GmbH.

Einen kleinen Schwenk zurück aus der Messestadt in den Norden. „Dialog im Dunkeln“ ist die älteste und wahrscheinlich auch bekannteste Ausstellung im Dialoghaus Hamburg. Seit einigen Jahren werden aber auch andere Sensibilisierungs-Einheiten angeboten. So zum Beispiel „Dialog im Stillen“, wo über Gebärdensprache, Mimik und Gestik der Umgang mit Hörgeschädigten thematisiert wird. Ebenso wichtig ist der „Dialog mit der Zeit“, wo ältere Menschen einen Einblick in ihre Lebenswelt geben. All diese Ausstellungen bieten die Gelegenheit für Begegnungen der besonderen Art.

Deshalb möchten wir das Dialoghaus Hamburg unterstützen und rufen Leserinnen und Leser dieses Artikels ebenfalls zu einer Spende in unseren Spendentopf auf. Dieser geht in vollem Umfang in den Spendentopf des Ausstellers über. Wir möchten einen Teil dazu beitragen, dass das Dialoghaus Hamburg als eines von weltweit 150 Ausstellungsstätten dieser Art auch über die Corona-Krise hinaus erhalten bleiben kann! Bei Rückfragen sind wir über unsere Kontaktdaten jederzeit erreichbar.