Was bedeutet es, blind zu sein?

Dass sich blinde Personen in der Welt der Sehenden zurechtfinden müssen, ist ganz alltäglich; umgekehrt ist das eher selten der Fall. Es gibt wenige Orte, an denen Sehende einen Einblick in die Welt der Blinden bekommen. Ein solcher Ort ist das Blindenmuseum in Berlin-Steglitz. In dieser Folge von SICHTBAR – Der Podcast spricht Gästeführerin Mandy Hamann mit unserem Autor Constantin Sträter. Für ihn ist es das erste persönliche Treffen mit einer blinden Person. In einem authentischen Gespräch gibt Mandy Hamann einen offenen und ehrlichen Einblick, was blind sein bedeutet.

Das Deutsche Blindenmuseum Berlin-Steglitz in der Außenansicht. Ein Eisentor führt auf das Gelände auf dem ein dreistöckiges Backsteinhaus mit Bogenfenstern führt. Vor dem Haus steht eine junge Weide, Copyright Wikimedia Common, Foto: Muns.

Ein Ort des Kennenlernens im Südweste von Berlin. Das Deutsche Blinden-Museum Steglitz.
Copyright Wikimedia Common, Foto: Muns.


  • Transkript (PDF) – Folge: „Was bedeutet es, blind zu sein?“

Einblick in die Welt von Blinden

Das Blinden-Museum Steglitz wurde bereits 1890 gegründet. Es überlebte in seiner bewegenden Geschichte zwei Weltkriege, mehrere Schließungen und Umbenennungen. Seit 2005 begrüßt es unter dem aktuellen Namen mehrere tausend Interessierte jährlich.
Den oft auch jungen Gästen werden auf ca. 100 Quadratmetern Exponate gezeigt, die über den Alltag und die technischen Hilfsangebote für Blinde und Sehbehinderte informieren. Und die außerdem zum Mitmachen einladen. Zum Beispiel ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel für Blinde. 

Eine aktuelle Dauer-Ausstellung ist dem Erfinder der Blindenschrift Louis Braille gewidmet. Das Blinden-Museum Steglitz befindet sich in der Rothenburgstraße 14 in 12165 Berlin. Es liegt neben einer Blinden- und Berufsfachschule und dem Hauptsitz des Blindenhilfswerks Berlin e. V. Während der Corona-Pandemie ist das Museum geschlossen. Regulär ist es immer am Mittwoch von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Eine kostenlose Führung gibt es immer am 1. Sonntag im Monat. Gruppenführungen sind nach Anmeldung möglich. Der Eintritt ist frei, eine Spende ist natürlich willkommen.

„Sie sind als Blinder auf Kontaktfreudigkeit angewiesen“

Blind sein – Mandy Hamann sitzt in einer meerblauen Bluse auf einer Bank. Dahinter ragen grüne Pflanzen empor. Hamann lächelt in die Kamera. Mit beiden Händen berührt sie ein aufgeschlagenes Braille-Buch auf ihrem Schoß, Fotorechte: Mandy Hamann.

Mandy Hamann ist ein lebensfroher Mensch. Sie spricht sehr offen über ihre Sehbehinderung. Auch, um mehr Aufmerksamkeit für das Thema „Blindheit“ in der Gesellschaft zu erzeugen, Fotorechte: Mandy Hamann.

Unsere Gesprächspartnerin Mandy Hamann ist 1974 in der DDR geboren und als Frühgeburt im Brutkasten teilerblindet. Im Alter von 15 Jahren schritt diese Erblindung aufgrund einer nicht erkannten Netzhautablösung voran.  Nach dem Besuch einer Blindenschule und eines Internats machte sie eine Facharbeiter-Ausbildung zur Telefonistin und für Schreibtechnik, bevor sie für 14 Jahre beim Finanzamt in Fürstenwalde arbeitete. 

Mandy Hamann spricht heute nicht nur häufig und sehr offen über ihr Leben mit Sehbehinderung, sondern ist auch „glückliche Mutter“ und in vielen Interessengruppen aktiv. Etwa dem „Arbeitskreis für Verkehr, Umwelt und Mobilität“ (ABSV), einer Eltern-Kind-Gruppe und dem „Arbeitskreis Kultur und Freizeit“ (AKF). Sie leitet außerdem Workshops, etwa für Fahrgastbegleiter beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB).