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Im Interview-Studio des Offenen Kanal Merseburg-Querfurt sitzen Moderator Florian Eib und Michael Bach - Experte für Leichte Sprache. Sie sitzen in gelben Sesseln und sprechen angeregt miteiander. Michael Bach ist um die 50, trägt eine Brille, Jeans und eine dunkle Strickjacke, Foto: HörMal Audiodeskription/Offener Kanal Merseburg-Querfurt.
Zu Gast im Offenen Kanal Merseburg-Querfurt (OKMQ). Florian Eib interviewt Michael Bach. Das Interview wurde in Zusammenarbeit mit der inklusiven Redaktion „i-Team“ des OKMQ vorbereitet, bild- und tontechnisch aufgezeichnet, Foto: HörMal Audiodeskription/OKMQ.

Wie funktioniert Leichte Sprache?

Ein weitere Podcastfolge im Rahmen unseres Projekts SICHTBAR+, das wir zusammen mit dem Offenen Kanal Merseburg-Querfurt und deren inklusiver Redaktion „i-Team“ umsetzen konnten. Als Experte für Leichte Sprache steht uns Michael Bach Rede und Antwort. Leichte Sprache ist nicht nur ein interessant und wichtig, sondern – und das wird gerne vergessen – kann auch unheimlich hilfreich für viele Menschen sein.

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Engagement aus der Praxis geboren

„Es ist über 20 Jahre her“ berichtet Bach, als er zum ersten Mal rein praktisch mit dem Thema Leichte Sprache in Berührung kam. Damals arbeitete der gelernte Sozialpädagoge in einer Wohneinrichtung. Es stand die so genannte „Bewohnerbeiratswahl“ an, zu der es einen Gesetzestext gibt. Damit alle Bewohnerinnen und Bewohner diesen auch gut verstehen konnten, vereinfachte Bach ihn nach eigenem Sprachgefühl „ohne, dass ich die Regeln für Leichte Sprache kannte. Und damals gab es die so in der Form auch noch nicht“. 

Dabei fertigte er seine Übersetzung nicht allein, sondern mit einer Bewohnerin an, die selbst eine geistige Behinderung hat. „Bis heute ist sie in meiner Prüfgruppe“ berichtet Bach „und prüft, ob Texte gut übersetzt worden sind“.

Das Konzept Leichte Sprache

Unbewusst setzte Bach bei diesem ersten Projekt Regeln um, die heute auch wissenschaftlich anerkannt. sind. Sie dienen dazu, komplizierte Texte in Leichte Sprache zu übertragen. Und ganz wichtig: Eine Prüfgruppe muss immer dabei sein. Denn nur dann darf man von „Leichter Sprache“ sprechen. Nicht zu verwechseln mit Einfacher Sprache, die sich in ihrer Schwierigkeit zwischen komplizierter und Einfacher Sprache befindet und nicht zwingend mit einer Prüfgruppe erarbeitet werden muss. Außerdem gehören zur Leichten Sprache auch Bilder, die den Text untermalen und zum Verständnis beitragen können. „Das Grundprinzip von Leichter oder auch Einfacher Sprache ist: Ich bringe komplizierte Sachverhalte, ob aus Medizin, Museen, mit geschichtlichem Hintergrund etc. einer breiten Zielgruppe nahe“. 

Für viele Menschen nützlich

„Es gibt unheimlich viele Zielgruppen für Leichte Sprache“ meint Michael Bach. Wie so oft kann ein Service für Menschen mit Behinderung für viele Zielgruppen sehr nützlich sein. „Es gibt natürlich Menschen mit geistiger Behinderung, für die Leichte Sprache wichtig ist. Aber auch Deutschlernende, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen, die von Geburt an gehörgeschädigt sind, Menschen mit Demenz oder mit Sprachstörungen zum Beispiel in Folge eines Schlaganfalls und nicht zuletzt auch Menschen mit Lernschwierigkeiten“. Man kann diese Liste fortführen und auch um Menschen ergänzen, die nicht gut lesen können. Und mal ehrlich: Wem war nicht schon mal ein Amtsschreiben in den Händen, das man zwei-, drei-, viermal lesen musste, um es am Ende (vielleicht) zu verstehen. Leichte oder auch Einfache Sprache kann für jeden und jede unter gewissen Umständen hilfreich sein. Passend dazu ist auch das Motto des Büros für Leichte Sprache der Lebenshilfe Eisleben für das Michael Bach lange tätig war: „Wir verstehen uns“.

Zu Gast bei SICHTBAR+

SICHTBAR+ ist ein Projekt, welches wir im November 2024 gemeinsam mit dem Offenen Kanal Merseburg-Querfurt und dem i-Team, der inklusiven Redaktion, erarbeiten konnten. Im Rahmen des Projekts haben wir Workshops zu den Themen „Barrierefreies Social-Media“ und „Gesundes Sprechen“ gegeben. Außerdem wurden die Interviews im Rahmen des Projekts gemeinsam erarbeitet und aufgezeichnet. Die inklusive Redaktion zeichnete sich verantwortlich für die Video- und Audioaufnahme, das Studiosetting sowie die Betreuung unserer Gästinnen und Gäste. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich für die Zusammenarbeit. Und natürlich auch für die finanzielle Unterstützung – in erster Linie die Aktion Mensch.

Leichte Sprache im Studio. Michael Bach mit graumelierten Haaren, gestutztem Vollbart, in dunkler Strickjacke und heller Jeans blickt in Richtung des Moderators. Im Bildvordergrund sitzt eine Mitarbeiterin der inklusiven Redaktion des Offenen Kanal Merseburg-Querfurt als Kamerafrau an einer Kamera und filmt ihn, Foto: HörMal Audiodeskription.
Innerhalb eines Wochenendes wurden vier Podcastfolgen gemeinsam mit dem „i-Team“ erstellt, inklusive Vorbereitungen, zwei Workshops und zwei Drehtagen. Foto: HörMal Audiodeskription.

Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.