Von Rollstuhl-Basketball und Liegebikes

SICHTBAR – Der Podcast mit Christoph Pisarz, einem echten „Macher“ in Sachen Inklusion. Christoph ist von Geburt an querschnittsgelähmt. Das hat seine Leidenschaft für intensives Sporttreiben allerdings nie getrübt. Wenn es nicht anders geht, dann muss es eben Rollstuhlsport sein. Engagiert in den Bereichen Inklusion und Barrierefreiheit spricht Christoph Pisarz mit Peter Lomb auch über seine Arbeit als Dozent für soziale Arbeit und Heilpädagogik in Berlin und darüber, warum Barrierefreiheit niemals zu 100% klappen kann, vielleicht aber zu 99.

Eine Spielszene aus einem Rollstuhl-Basketball-Spiel: Christoph Pisarz im roten Trikot dribbelt links neben sich einen Basketball. Auf der anderen Seite kommt ein Spieler im gelben Trikot herangefahren und stößt mit dem Rollstuhl gegen Christophs Rollstuhl, Foto: Florian Griep.

Jahrelange Leidenschaft: Christoph Pisarz spielte zuerst für Alba Berlin, später für Pfeffersport e. V. Rollstuhl-Basketball, Foto: Florian Griep.


  • Transkript (PDF) – Folge: „Von Rollstuhl-Basketball und Liegebikes“

„Rollstuhl-Basketball war schon Inklusion, bevor es das Wort gab“

Rollstuhl-Basketball ist eine Sportart, die wie einige andere Inklusions-Sportarten auch nach dem zweiten Weltkrieg entstand – natürlich in den USA. Damals wollten Kriegsversehrte ihrem Lieblingssport weiter nachgehen und erfanden das Spiel, das extrem viele Ähnlichkeiten zum Basketball für Gehende hat. Die Korbhöhe ist dieselbe, es gibt exakt gleiche Punktwürfe und eine ähnliche Dribbeltechnik. Das Beste ist allerdings, dass auch Fußgänger beim Rollstuhl-Basketball mitspielen können. Sie müssen sich ja einfach nur mit hinsetzen und schon haben alle dieselben Voraussetzungen. Das war schon immer so. Deshalb hat Christoph Pisarz auch Recht, wenn er sagt: „Rollstuhl-Basketball war schon Inklusion, bevor es das Wort überhaupt gab.“ Mittlerweile ist Christoph nicht mehr als aktiver Spieler auf dem Feld, engagiert sich aber bei Pfeffersport e. V. als Coach und gibt so seine Erfahrungen weiter. Doch mit Bewegung ist nicht Schluss, denn sportlich ist Christoph nun im Liegebike aktiv.

Christoph Pisarz mit mehreren anderen Rollstuhlfahrern in einer Trainingshalle. Er sitzt in der Mitte der anderen, hat eine Magnettafel in Form eines Basketball-Feldes auf dem Schoß und blickt zu den anderen. Einige von ihnen trinken aus Flaschen, Foto: Pfeffersport e. V.

Seine umfangreiche Sporterfahrung gibt Christoph Pisarz auch gerne als Trainer weiter, Foto: Pfeffersport e. V.

Sport für alle – hier wird Inklusion breit gedacht

Menschen wie Christoph Pisarz sind wichtige Vermittler. Mit seiner Energie und Lebensfreude motiviert er andere, sich dem Thema „Menschen mit Behinderung“ zu nähern. Eng damit verbunden ist der Begriff Inklusion, der heute auch noch häufig missverstanden wird. Wichtiger als über Definitionen zu streiten ist allerdings die gesellschaftliche Haltung. Sport kann dabei eine entscheidende Rolle spielen. Denn Sport verbindet durch Emotionen und gemeinsame Erfolge.

Deshalb arbeitet Christoph Pisarz beim Verein Pfeffersport e. V. mit. „Pfeffersport ist ein Freizeit- und Breitensportverein, in dem alle Altersklassen, alle sozialen Schichten, Menschen mit und ohne Handicaps miteinander Sport machen.“ So steht es im Leitbild des Vereins. Christoph Pisarz erklärt hierzu: „Damit ist gemeint, dass Jeder und Jede im Sportverein und bei den Sportangeboten mitmachen kann und soll. Der Schwerpunkt bei uns liegt insbesondere auf jenen, die aus verschiedenen Gründen ausgegrenzt sind und weniger Zugang zu sportlichen Aktivitäten haben, wie Mädchen oder Geflüchtete, und Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung.“

Ein Foto zeigt Christoph Pisarz in einem Liegebike. Neben ihm ein weiterer Fahrer. Beide haben Helme auf und liegen flach, knapp über dem Boden in einem dreirädrigen aerodynamisch geformten Gefährt. In Höhe der Hände ist eine Handkurbel angebracht, über deren Drehen man sich fortbewegen kann, Foto: André Dounia.

Neue Leidenschaft: Nach dem Rollstuhl-Basketball kommt der Rollstuhl-Rennsport. Liegebikes bieten hierfür die optimale Aerodynamik, Foto: André Dounia.

Einen ganz persönlichen Erfolg hat Christoph erst kürzlich gefeiert, als er sein erstes 100 Kilometer Straßenrennen mit dem Liegebike absolvierte. Und das in einer Zeit von vier Stunden. Ganz schön schnell mag man meinen. Aber nicht schnell genug für den motivierten Berliner. „Ich trainiere erst seit ein paar Monaten. Mein Schnitt von 25 Kilometern pro Stunde soll längerfristig auf 30 Kilometer und höher steigen“. Wir wünschen: allseits gute Fahrt!