AKQUINET – Wie gelingt berufliche Integration?

AKQUINET ist ein unabhängiges und eigentümergeführtes Unternehmen, das verschiedenste Beratungs- und Service-Leistungen im IT-Bereich anbietet. Dabei leistet sich die AG zusätzlich einen Inklusionsbetrieb, die akquinet outsourcing gGmbH. Über 45 Prozent der Mitarbeitenden hier haben eine ausgewiesene Schwerbehinderung. Wir haben deshalb nachgefragt: Wie gelingt berufliche Integration?

Das Engagement der akquinet AG  wurde 2019 mit dem Hamburger Inklusionspreis ausgezeichnet. Das Unternehmen setze sich in besonderem Maße für Gleichberechtigung im Berufsleben ein, heißt es in der Begründung. Dabei wurde besonders „die Schaffung neuer Arbeitsbereiche und -felder für Menschen mit Behinderungen“ lobend erwähnt. Für diese Podcastfolge hat Florian Eib Susanne Klein, die Integrationsbeauftragte der akquinet outsourcing, getroffen. Beide haben über Chancen, Herausforderungen und Hindernisse beruflicher Integration gesprochen.

 
Gleichberechtigung im Berufsleben – Dafür setzt sich Susanne Klein ein. Das Portraitfoto zeigt sie lächelnd und mit Brille in einem dunkelblauen Top, darüber ein hellblaues Jeanshemd. Sie trägt schulterlange grau-melierte Haare. Im Hintergrund erscheint das buntgefärbte Logo von AKQUINET, Foto: AKQUINET.

Susanne Klein arbeitet seit Februar 2020 bei akquinet outsourcing. „Wegen Corona konnte ich viele der Kolleginnen leider noch nicht persönlich kennenlernen“, beschreibt die 64-Jährige die derzeit spezielle Arbeitssituation, Foto: AKQUINET.


Transkript zur Folge: Wie gelingt berufliche Integration? (PDF)

In kleinen Schritten auf dem richtigen Weg

Was alle Mitarbeitenden bei AKQUINET verbindet, ist die Leidenschaft für IT – einfacher gesagt für die Arbeit mit Computern, Soft- und Hardware. Für Susanne Klein gilt das allerdings nicht ganz. Sie sei vor allem für „das Menschliche“ da, freut sich die 64-Jährige. Und sie ist ein Freund klarer Worte. Offenheit in der Kommunikation sei sowieso das Allerwichtigste, wenn man bei dem Thema Inklusion etwas vorantreiben wolle, sagt sie.

An einem breiten Konferenztisch sitzen am einen Ende Florian Eib und am anderen Susanne Klein. Beide haben Headsets auf dem Kopf und blicken sich an. Susanne Klein gestikuliert. Florian hat einen Laptop mit Text und ein Mischpult vor sich, Foto: Tomke Koop.

Offenes Gespräch in Hamburg: Susanne Klein stand Journalist Florian Eib für SICHTBAR – Der Podcast Rede und Antwort, Foto: Tomke Koop.

Die Entwicklungen vor allem bei der akquinet outsourcing seien schon äußerst positiv zu sehen, findet Klein. Dennoch wolle man sich weiterentwickeln, was etwa die Anzahl der Menschen mit Schwerbehinderung in allen Gesellschaften der AKQUINET Gruppe angeht. „Wir sind dabei, auch da die Barrieren aus den Köpfen zu holen“, so Klein. Hier habe sie auch noch einige Arbeit vor sich. „Da wird auch gedacht, wir haben ja schon einen Integrationsbetrieb. Das kann man ja auch mit Stolz sagen, aber dennoch kann man sich ja mit dem Thema befassen.“ Gerade auch wenn man Vorbild für andere Unternehmen sein möchte, müsse man mit gutem Beispiel vorangehen.

Erst kürzlich gab es Gespräche, berichtet Susanne Klein, in denen man sich darüber geeinigt hat, wie sich auch die anderen Gesellschaften der AKQUINET Gruppe mehr mit dem Thema Inklusion am Arbeitsplatz befassen.

Eine Schwierigkeit: Genügend Bewerber finden

Zur ganzen Wahrheit gehöre aber auch, dass sich viel zu wenige Menschen mit Einschränkung für Jobs bewerben würden. Initiativ-Bewerbungen seien jederzeit erwünscht, so Klein. Hier würde sich Susanne Klein auch mehr Mut bei den Arbeitssuchenden wünschen, es mit einer Bewerbung einfach zu versuchen.

Das Thema Öffentlichkeitsarbeit spielt bei AKQUINET auch für die Suche von Bewerbern mit Schwerbehinderung eine besondere Rolle. Über Videoformate und Online-Artikel, in denen die Mitarbeitenden über ihre Arbeit berichten, versucht man Zugang zu möglichen Job-Interessenten zu bekommen. Zusätzlich werden Anzeigen geschaltet und natürlich eine Menge Netzwerkarbeit betrieben. Ein besonderes Erlebnis stellen Team-Events, wie die Teilnahme am inklusiven Helga-Cup dar. Dabei handelt es sich um einen Segelwettbewerb für Frauen mit Handicap. Stolz berichtet Susanne Klein, dass man hier unter der Fahne von AKQUINET mitsegelt.

Ein Beispiel für berufliche Integration - Ein Portraitfoto von Lucas Carvalhana mit einem schwarzen T-Shirt. Er hat Glatze und lächelt breit. Im Hintergrund befinden sich einige Bäume und eine Wiese, Foto: AKQUINET.
Lucas Carvalhana arbeitet seit sechzehn Jahren bei AKQUINET. Tomke Koop hat für unseren Podcast mit ihm über seinen Arbeitsalltag und Hilfsmittel, die er wegen seiner Sehbehinderung braucht, gesprochen, Foto: AKQUINET.

Jeder hat seine Einschränkungen

Gleichberechtigung im Berufsleben – eine schöne Vorstellung und eine Richtung für die kommenden Jahrzehnte. „Es sind Begrenzungen in unseren Köpfen, die Zeit brauchen“, sagt Susanne Klein. Sie führt als Beispiele auch den Umgang mit Frauenrechten oder die Debatten über sexuelle Orientierung an. Alles Themen, die sich über Jahrzehnte weiterentwickelt haben. Die UN- Behindertenrechtskonvention, die 2009 ratifiziert wurde, sei dahingehend ein wichtiger Meilenstein gewesen, ist sich Klein sicher. Die nachfolgenden Aktionspläne zeigten auch schon Wirkung. Das Bewusstsein für Menschen mit Behinderung sei über die Jahre ein anderes geworden. Und überhaupt habe ja jeder seine Einschränkungen, lacht sie. Das müsse nur in den Köpfen der meisten Menschen noch mehr ankommen. 


Wir sprechen in unserem Podcast „SICHTBAR“ mit Menschen über Inklusion und Barrierefreiheit. Wir porträtieren Menschen mit Behinderung, weil wir mehr über ihr Leben, die Schwierigkeiten, aber vor allem auch die Möglichkeiten wissen möchten. Dabei sind wir jederzeit auch offen für Feedback zu neuen Interview-Gästen. Schreibt uns euer Feedback und Vorschläge gerne per Mail an sichtbar@hoermal-audio.org. SICHTBAR – Der Podcast wird von HörMal Audiodeskription in Kooperation mit dzb lesen herausgegeben.